Ausnahmezustand am Ellenbach: Nach tagelangem Niederschlag steht der Wasserpegel so hoch wie schon lange nicht mehr. Die Sorgen um den sinkenden Grundwasserspiegel lindert dies jedoch nicht. Behörden, Politik und Naturschützer haben sich an der Grenze zum Naturschutzgebiet Ellenbach getroffen.
Seit 2019 fördert der Zweckverband zur Wasserversorgung der Reckenberg-Gruppe jährlich rund eine Million Kubikmeter Grundwasser. Die wasserrechtliche Genehmigung hierfür läuft noch bis Ende 2028. Doch im August 2020 hatte Robert Kammerbauer, der den Bach schon seit Kindertagen kennt, eine Petition eingereicht. Denn seit Beginn der Grundwasserentnahme fällt der Bach zunehmend häufig trocken.
Die geringen Wasserstände im Bach wirken sich negativ auf das angrenzende Naturschutzgebiet aus. Auch ein naheliegender Moorbereich sterbe langsam ab, so Kammerbauer. Doch „der Ellenbach ist nur ein Indikator”, sagt der Petent. Das eigentliche Problem sei der sinkende Grundwasserspiegel im ganzen Gebiet.
Bei der Diskussionsrunde kommen Vertreterinnen und Vertreter des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU), des Bund Naturschutz (BN), des Wasserwirtschaftsamts (WWA) Ansbach, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der Reckenberg-Gruppe mit dem Petenten sowie den Landtagsabgeordneten der Grünen Martin Stümpfig und Patrick Friedl zusammen.
Anhand einer Grafik erklärt Dr. Ute Lauber vom LfU, dass es schon vor der Grundwasserentnahme durch die Reckenberg-Gruppe Phasen mit geringen Abflüssen im Ellenbach gab. Mit alternativen Gewinnungsgebieten für das Trinkwasser sehe es jedoch schwierig aus. Auf einer Karte zeigt sie, dass sich das ergiebige Grundwasservorkommen im Süden des Landkreises konzentriere – unter anderem in der Arberger Heide. Das Gebiet ist demnach ein zentraler Aspekt in der Trinkwasserversorgung Mittelfrankens.
Kammerbauer fordert, dass die Behörden vom Widerrufsvorbehalt der wasserrechtlichen Genehmigung Gebrauch machen. Vorerst stützt das LfU jedoch die bis 2028 geltenden Regelungen. Christof Lautner, Leiter des Werks Reckenberg-Gruppe, weist darauf hin, dass sie bereits auf die ökologischen Folgen reagiert habe: Die Wasserentnahme startete mit 60 Sekundenliter. Aufgrund der Petition hätten sie dies bereits auf 30 Sekundenliter reduziert. Für noch geringere Wassermengen seien die Wasserwerke jedoch nicht gebaut.
Renate Götzenberger von der BN-Kreisgruppe Ansbach wünscht sich ein Gesamtlösungskonzept: „Wir dürfen nicht einzelne Aspekte anschauen. Dieses Problem ist hier brennglasartig, aber das werden wir bayernweit bekommen.” Thorsten Nußbaum, Abteilungsleiter des WWA Ansbach, ist für eine schrittweise Lösung. „Mehrere Gläser Wasser ergeben am Ende auch einen Eimer”, sagt er.
Flächendeckende Grundwasserkonzepte, Wasserzähler und Methoden zum Regenrückhalt werden unter anderem als mögliche Lösungsstrategien vorgeschlagen. Auch über das Pilotprojekt „Grüne Gräben” im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und die Bedeutung von Oberflächenabflüssen wird diskutiert. Doch vorerst bleiben diese Ideen noch in der Theorie.
Nußbaum berichtet, dass in den letzten fünf Jahren „eingehende Untersuchungen” vorgenommen wurden. Seit Ende Juni liegen die Daten dem LfU vor. Lauber erklärt, dass der Grundwasserspiegel im gesamten Gebiet untersucht wurde. Doch die Datensätze seien noch nicht vollständig, so Ralph Neumeier, Vizepräsident des LfU. Wie lange es noch dauern wird, die Daten zu erheben und schließlich auszuwerten, sei noch unklar. Bis dahin werden keine Änderungen vorgenommen – so der Status quo.