Die deutschen Verbraucher müssen sich keine Sorgen zu machen, dass in absehbarer Zukunft zu wenig Brotgetreide zur Verfügung stehen könnte. Die Befürchtung, womit in Zukunft Brot gebacken wird, war als Thema beim Ackerbautag im Bildungszentrum Triesdorf.
Wie es global um die Getreidemärkte aussieht, das beleuchtete Hochschulprofessor Dr. Peter Breunig. Er berichtete, dass die Erzeugung von Körnermais einen Schub noch oben machte und den Weizen weltweit gesehen in der Produktionsmenge überholte. Derzeit liege der weltweite Vorrat bei Körnermais bei zehn Prozent, bei Weizen bei 20 Prozent. Nach den vorgelegten Zahlen exportiert Deutschland zwar deutlich weniger Weizen als vor zehn Jahren, es importiert dafür aber mehr höhere Qualitäten.
Laut Professor Dr. Breunig hat dies nur begrenzt mit der Politik in Deutschland zu tun, die das Ziel verfolgt, die Nitratwerte im Grundwasser zu senken. Breunig wies darauf hin, dass die Landwirte nicht weniger Stickstoffdünger kauften wegen der Ausweisung der „roten Gebiete“, sondern weil wegen des Ukrainekrieges die Preise für Stickstoffdünger explodierten. Inzwischen habe sich die Situation auch wieder etwas entspannt.
Während weniger Weizen als Tierfutter verwendet wird, sei der Nahrungsverbrauch konstant. Weltweit steige der Pro-Kopf-Verbrauch nur in Indonesien an. Größtes Exportland für Weizen ist und bleibe Russland. Anja Twietmeyer von der Saalemühle, die auch einem Zusammenschluss von vielen Großmühlen angehört, berichtete, dass die Mühlen mit einer Mischung von Mehlen agieren, die den vielfältigen Anforderungen des Backgewerbes am besten entsprechen.
Nur auf eine Sorte mit bestimmten Backeigenschaften zu setzen, wie das früher bei noch kleineren Strukturen funktionierte, sei letztlich nicht mehr möglich. Weizen mit einem bestimmten Proteingehalt zu liefern, lasse sich mit Lieferverpflichtungen kaum realisieren. Dies falle den deutschen Bauern wegen der Verpflichtung zu niedrigerer Stickstoffdüngung schwer. Global gesehen liege der Proteingehalt überall nahe bei rund zwölf Prozent. Nur Australien könne Weizen mit 13 Prozent Protein liefern.
Professorin Dr. Franziska Wespel aus Triesdorf setzte sich mit der Frage auseinander, was die Züchtung leisten könne. Sie meinte, dass die Züchtung neuer Sorten, die über ein Jahrzehnt dauert, kaum die Backeigenschaften beeinflussen könne. Nach wie vor sei es deren Hauptaufgabe im Zuchtfortschritt für gute Erträge und mehr Resistenzen gegen Krankheiten zu sorgen. Höchstleistungen stünden nicht im Vordergrund, sondern das Ziel, mit extremen Einflüssen gut zu Recht zu kommen.
Wiederholt wurde in einer Diskussionsrunde betont, dass in vielen Bereichen der Gesellschaft nicht bedacht werde, dass die Landwirtschaft ein Teil der Natur sei. Vielfach habe der ökologische Landbau die gleichen Probleme wie die konventionell wirtschaftenden Bauern. Mit Verwunderung wurde darauf hingewiesen, dass es beispielsweise eine Initiative von Bäckern gebe, die den Landwirten Rastschläge hinsichtlich des Anbaus und Fruchtfolgen geben wolle. Am Ende wurden Techniken vorgestellt, mit denen in einem Arbeitsgang mit Scheibensechen auch bei Nässe gesät oder bei großer Trockenheit mit extrem dünnen Werkzeugen Saatgut in den Boden gebracht werden kann.
Schließlich ließ die Frage an die Experten nicht auf sich warten, ob die Getreidepreise angesichts der Trockenheit nicht anziehen müssten. Die klare Antwort darauf lautete, dass wegen einer guten globalen Versorgung eher mit nachgeben Erlösen gerechnet werden müsse.