Nach 15 Jahren als Leiter der Abteilung Tierhaltung inklusive Tierhaltungsschule in Triesdorf widmet sich Uwe Mohr nun einer neuen beruflichen Herausforderung. Am Mittwoch beginnt sein neues Dienstverhältnis als Direktor des Bildungs- und Versuchszentrums Landwirtschaft Haus Düsse in Nordrhein-Westfalen.
28 Jahre lang hat Uwe Mohr in Triesdorf gearbeitet. Die ersten 13 Jahre an der Technikerschule und Höheren Landbauschule. Die letzten vier Jahre davon war er in Teilzeit an die Hochschule abgeordnet, an der er Tierwohl lehrte. Im August 2008 wurde er Abteilungsleiter der Tierhaltung samt der Tierhaltungsschule. Diese Aufgabe habe ihm stets große Freude bereitet, betont der 57-Jährige.
Doch im September habe sich für ihn eine Chance aufgetan, die er einfach habe wahrnehmen müssen: Zu seiner Überraschung sei die Direktorenstelle des Bildungs- und Versuchszentrums Landwirtschaft Haus Düsse in Nordrhein-Westfalen ausgeschrieben worden und er habe sich darauf beworben.
Diese größere Einrichtung in der Nähe von Soest sei für ihn „bundesweit die einzige Alternative zu Triesdorf“ gewesen, sagt der gebürtige Rheinland-Pfälzer. Und seine Bewerbung war erfolgreich. „Ich sehe das als Krönung meiner beruflichen Laufbahn“, sagt Mohr. Schließlich ist er in Triesdorf Abteilungsleiter gewesen und fungiert nun als Direktor.
In Triesdorf habe er 30 Mitarbeiter gehabt, in Bad Sassendorf seien es 90. „Nach beinahe drei Jahrzehnten bin ich mit Wehmut und Triesdorfer Herz, aber auch mit Freude auf die neue berufliche Herausforderung nach Nordrhein-Westfalen gegangen“, betont der 57-Jährige. Der Abschied sei ihm nicht leicht gefallen, aber er habe das Ziel gehabt, etwas Neues machen zu können und mehr Verantwortung zu übernehmen.
In seiner Zeit als Abteilungsleiter in Triesdorf hat sich viel verändert. Als er 2008 diesen leitenden Posten übernahm, war Mohr zunächst tief in die Detailplanung des hochmodernen Milchgewinnungszentrums involviert, das im Oktober 2010 in Betrieb ging. Es habe damals eine große Aufbruchstimmung bewirkt und sei mit enormer Signalwirkung für den Standort Triesdorf verbunden gewesen. Damals seien 1500 Kursteilnehmer im Jahr in das Zentrum gekommen. Heute seien es 7000. „Das ist eine gewaltige Expansion.“
Auch in züchterischer Hinsicht habe sich vieles bewegt: „Die Triesdorfer Schafzucht ist bundesweit spitze. Triesdorf ist das Zentrum für Schafhaltung in Süddeutschland“, betont Mohr. Zu Beginn seiner Zeit als Abteilungsleiter habe die Geflügelhaltung geschlossen werden sollen. Doch es sei gelungen, sie zu erhalten. „Wir haben elektronische Fallnester eingebaut. So konnten wir die Legeleistung von Hennen erforschen“, sagt der studierte Agrarwissenschaftler.
In einer großartigen Mannschaftsleistung sei es in Triesdorf gelungen, alte Hühnerrassen zu erhalten und wirtschaftlicher zu machen. Das beste Beispiel dafür sei das Triesdorfer Landhuhn, ein Zwei-Nutzungs-Huhn, das aus alten Rassen gezüchtet worden und seit 2012 auf dem Markt sei. „Von Triesdorf aus werden Küken verkauft, die von bäuerlichen und ökologischen Züchtern gut nachgefragt werden“, erläutert Mohr.
In der Schweinehaltung seien derzeit Umwälzungsprozesse hinsichtlich der Stalltechnik zu verzeichnen: „Schweine sollen wieder mehr auf Stroh gehalten werden, was in Triesdorf schon seit 30 Jahren so gehandhabt wird.“ Als Nächstes solle ein Zukunftsstall in Triesdorf entstehen, verrät Mohr. 180 Sauen sollen darin Platz haben. Die eine Hälfte soll ökologisch gehalten werden, die andere konventionell, direkt nebeneinander. So können direkte Vergleiche gezogen werden.
Die politischen Veränderungen der vergangenen Jahre habe auch der Bienenhaltung in Triesdorf Rückenwind beschert. Zahlreiche Imkerkurse seien Angeboten, eine Toleranzzucht gegen die Varroamilbe aufgebaut und 2022 eine neue Stelle für eine Fachkraft für Bienengesundheit geschaffen worden. „Dafür bin ich dem Bezirk sehr dankbar“, betont der 57-Jährige.
Mohr hat in Triesdorf viele Baumaßnahmen und Forschungsprojekte initiiert und miterlebt. Die Sanierung des Roten Schlosses, dem Sitz der Tierhaltungsschule, wird nach sechs Jahren bald abgeschlossen sein.
Als ein Forschungsprojekt, das von Mittelfranken aus bundesweit ausstrahle, fällt Mohr etwa die Triesdorfer Lupine ein. Sie könne bei der Tierfütterung als Eiweißlieferant eine Alternative zu Soja darstellen. Doch Mohr betont, dass all diese Meilensteine in seiner 15-jährigen Tätigkeit als Abteilungsleiter in der Tierhaltung nicht er allein erreicht habe: „Es waren positive Mannschaftsleistungen.“
Wer sein Nachfolger in Triesdorf wird, steht derzeit noch nicht fest. Aber so viel: „Er bekommt ein tolles Team.“