Die bevorstehende Rückkehr aus dem Malaysia-Urlaub dürfte sich Ole Werner ganz anders vorgestellt haben. Statt mit Vorfreude auf die Champions League in sein zweites Jahr zu starten, muss er nun gehen. Der Fußball-Bundesligist gab die Trennung bekannt. Dabei hatte Jürgen Klopp Werner noch vor einem Jahr als „absoluten Überperformer“ bezeichnet.
„Wir haben die abgelaufene Saison in den vergangenen Tagen noch einmal intensiv und abschließend analysiert. Am Dienstagabend haben wir dann den Beschluss gefasst, die Position des Cheftrainers neu zu besetzen“, wurde Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer am Mittwoch zitiert. „Dennoch sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass eine inhaltliche Weiterentwicklung und eine veränderte Herangehensweise für die vor uns liegenden Aufgaben erforderlich sind“, hieß es weiter.
Werner hatte in Leipzig einen Vertrag bis 2027 unterschrieben. Auch die Co-Trainer Tom Cichon und Patrick Kohlmann müssen gehen. Über die Nachfolge auf der Position des Cheftrainers, die Zusammensetzung des Trainerteams und eine weitere Zusammenarbeit mit Co-Trainer Jan Zimmermann werde RB Leipzig zeitnah informieren, hieß es in der Mitteilung. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll Ex-Bayern-Profi Martín Demichelis den Trainer-Job übernehmen.
Erstaunlich: Werner führte den Club zurück in die Champions League und soll durch einen Coach ersetzt werden, der gerade mit RCD Mallorca aus der ersten spanischen Liga abgestiegen ist. Eine entscheidende Rolle bei den ganzen Vorgängen spielt offenbar der globale Fußball-Chef Jürgen Klopp, der gerade bei der Fußball-WM mit launigen Kommentaren zur Nationalmannschaft als Experte von MagentaTV für Wirbel sorgt.
Nimmt man den überragenden Punkteschnitt von 1,95 Zählern, gehört Werner zu den erfolgreichsten Trainern der RB-Bundesliga-Historie. Selbst Ralf Rangnick (1,94/zweite Amtszeit) und Julian Nagelsmann (1,94) schafften nicht mehr. Nach dem XXL-Umbruch und den Abgängen von Xavi Simons, Loïs Openda und Benjamin Sesko kam Werner auf 65 Punkte, verpasste den Clubrekord aus der ersten Bundesliga-Saison mit Ralph Hasenhüttl nur um zwei Zähler. Die Königsklassen-Qualifikation wurde mit Platz drei geschafft - alle Vereinsziele erfüllt.
Zudem formte er dank Neu-Kapitän David Raum wieder ein homogenes Team. Noch vor zwei Monaten nach dem 3:1-Sieg gegen Union Berlin lobte RB-Aufsichtsratschef Oliver Mintzlaff: „Wenn wir die Stabilität bis zum Ende halten, dann haben alle hier einen überragenden Job gemacht, dazu gehört der Cheftrainer, dazu gehört Marcel Schäfer und das gesamte Trainerteam und alle Spieler auf dem Platz.“ Zum Saisonausklang gab es allerdings mit dem 1:4 in Leverkusen und dem 1:4 in Freiburg Rückschläge, die nicht ins Bild und nicht zu den Ansprüchen passten.
Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer hat offiziell das Sagen und die Unterschriften-Vollmacht am Leipziger Cottaweg. Das globale Soccer-Team um Klopp und seine Experten Mario Gomez, Jürgen Kramny, Peter Krawietz und Zsolt Löw ist nur beratend tätig.
Der Impuls für einen bereits im Frühjahr angestrebten Trainerwechsel kam nach dpa-Informationen von diesem Team. Auch Mintzlaff, der bisweilen das Geflüster der Experten auf der VIP-Tribüne vernimmt, gehört zu den Antreibern, die Veränderungen wollen. Zweimal konnte Schäfer, der vor Ort die Kaderplanung vorantreibt, Werner vor dem Rauswurf retten.
Für Werner hatte Leipzig erst im Sommer 2025 rund zwei Millionen Euro an Werder Bremen gezahlt. Zwar unterschrieb der Coach damals nur für zwei Jahre, die Intention war aber durchaus eine langfristige Zusammenarbeit.
Die Chefs im RB-Konzern wollen mit dem Erreichen der Champions League offenbar wieder groß denken. Die Dreifach-Belastung trauen die übergeordneten Red-Bull-Experten dem nie als Lautsprecher auftretenden Werner wohl nicht zu. Dafür gab es bei den vielen Trainingseinheiten ohne Europacup-Reisen nach ihrer Ansicht zu wenig Entwicklung.
Nun also Demichelis? Der 45-Jährige gewann 2023 mit River Plate zwar den Titel. Sein Mallorca-Engagement war aber nicht von Erfolg gekrönt, daran änderte auch ein 2:1 gegen Real Madrid nichts. Klopp soll dennoch ein Befürworter sein.
Für Klopp ist die angedachte Verpflichtung von Demichelis in Leipzig mit einem gewissen Risiko verbunden. Floppt die Personalie, ist auch der globale Fußballchef beschädigt. Doch das Soccer-Team von Red Bull hat schon vorgesorgt. Der gebürtige Zwickauer Danny Röhl wurde von den Glasgow Rangers zurück in den RB-Kosmos nach Salzburg geholt.
Der ehemalige Co-Trainer von Hansi Flick beim FC Bayern und der DFB-Elf hatte schon von 2011 bis 2018 in Leipzig gearbeitet und galt auch im vergangenen Sommer als ein möglicher Kandidat.
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