Tolle Bands und mäßiger Sound in Immeldorf | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.08.2024 11:30

Tolle Bands und mäßiger Sound in Immeldorf

Hat das Potenzial, eine Rockikone zu werden: Amy Montgomery. Die Sängerin sorgte für den Höhepunkt des Immeldorf Open Airs. (Foto: Jens Plackner)
Hat das Potenzial, eine Rockikone zu werden: Amy Montgomery. Die Sängerin sorgte für den Höhepunkt des Immeldorf Open Airs. (Foto: Jens Plackner)
Hat das Potenzial, eine Rockikone zu werden: Amy Montgomery. Die Sängerin sorgte für den Höhepunkt des Immeldorf Open Airs. (Foto: Jens Plackner)

Das kultige Immeldorf Open Air, veranstaltet von der Musikkneipe „Weißes Ross“ in Immeldorf und durch deren sehr engagierten wie kompetenten Helferkreis, war auch in diesem Jahr ein chilliges, interessantes, ein wenig chaotisches und doch liebenswertes und friedliches Event.

Das gute Wetter am Freitag und Samstag, ein sehr facettenreiches Programm und eine fantasievoll gestaltete Location taten ihre Wirkung beim Immeldorf Open Air.

Das Programm spannte sich weit, sehr weit. Von Punk über Rock bis zu Elektro Pop bot es kein einheitliches Bild, hatte keinen Schwerpunkt, wirkte zufällig zusammengestellt. Das verlangte vom Publikum viel Akzeptanz und Anpassungsfähigkeit. Klar, die meisten Bands hatten einen Bezug zur Kneipe, traten dort schon auf. Es gab Local Heros und weit gereiste, fast schon weltweit tätige Künstler. Somit war zumindest für Vielfalt gesorgt.

Mefisto Brass spielt auf

Für einen bulligen Einstieg mit viel Tanzmöglichkeiten sorgte Mefisto Brass, eine Straßenband aus Mailand. Mit viel Lungenkraft brachte sie einen beeindruckenden Sound auf die Bühne und ins Publikum.

Das erste Highlight in puncto Qualität war die Aaron Brocks Band, die das Flair der Flower-Power-Ära auf die Bühne brachte. Der US-Musiker Aaron Brooks verkörpert auf seine Art das Urbild dieser Zeit und brachte in einer sehr gelungenen Weise den Charme der Events der 70er mit. Ein musikalisches Highlight des Abends war Aaron Brocks Interpretation von David Bowies Kulthit „Space Oddity“.

Mit Loonaloop aus Australien, Dauergast und Dauerklassiker des Immeldorf Open Air, bog das Programm wieder in Richtung tanzbare Sounds ab. Loonaloop hielt das Publikum mit elektronisch geprägtem Sound bis spät in die Nacht in Bewegung.

Am Samstagnachmittag eröffneten Black Pepper, eine Coverband aus Ansbach, und die Punk-Band Lycris aus Gunzenhausen den Haupttag des Festivals. Ihnen folgte Relativ Rapid aus München, die mit kraftvollem, ideenreichem und mehrsprachig vorgetragenem Ska das Feiern mit gesellschaftlicher Reflexion verband. Es konnte nachgedacht und gleichzeitig ausgiebig getanzt werden.

Amy Montgomery bot Top-Auftritt

Der absolute Höhepunkt beider Tage war Amy Montgomery, eine werdende Rockikone aus Belfast, die mittlerweile in Filderstadt wohnt und eine Top-Performance bot. Extravagantes Outfit, Power im Ausdruck, erstklassiger Gesang, begleitet von tollen Musikern, machten ihren Auftritt zu einem herausragenden Erlebnis. Amy Montgomery hat das Potenzial, die nächste Power- und Traumfrau der deutschen Rockszene zu werden.

Großer Sprung – weg vom Rock, hin in die Welt der elektronischen Tanzmusik. Die Fliegenden Haie, ein Electro-Pop-Duo aus Augsburg und München erforderten einen harten Perspektivwechsel, der allerdings durch interessante Texte, einen aktivierenden Sound und einen sehr schönen Gesang belohnt wurde. Auch an diesem Abend konnte bis spät in die Nacht getanzt werden, was das Publikum dankend annahm.

Die Umbaupausen gestalteten Ludwig Thoma jun. und seine Freunde, die in Immeldorf fast schon zum Inventar gehören, in gewohnt humorvoller, netter Art.

Halbdunkle Bühne

Alles gut? Nicht ganz. Die Künstlerinnen und Künstler waren allesamt auf ihre Art und ihrem Niveau hörenswert. Aber: Die PA-Anlage war leider in keiner Weise in der Lage, deren volles Potenzial darzustellen und ans Ohr zu bringen. Eine Stunde Sound-Check bei Aaron Brooks, der mit Engelsgeduld versuchte, die Beschallungstechnik in Einklang mit seinen Intentionen zu bringen, nur um danach im Halbdunkeln mühevoll die Orientierung auf der Bühne zu suchen – so etwas ist nicht gut für den Ruf eines Festivals.

Zwei junge, engagierte Mitglieder des Helferteams retteten dann in Eigeninitiative wenigstens das Bühnenlicht – damit die Show von Musikern wie Amy Montgomery auch zu sehen war. Der Förderverein des „Weißen Rosses“ und der Helferkreis werden sich zusammen mit Kneipenwirt Walter Hertle überlegen müssen, wie sich das Festival verbessern lässt. An der Technik zu sparen, ist ein falscher Weg.


Von Jens Plackner
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