„Todesstoß für das Dorf”: Die Menschen in Rudolzhofen wollen sich wehren | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.10.2025 17:56

„Todesstoß für das Dorf”: Die Menschen in Rudolzhofen wollen sich wehren

Den Rudolzhöfern reicht's. An Bürgermeister Wolfgang Lampe (Vierter von rechts) haben sie eine Unterschriftenliste übergeben. 104 von 120 Einwohnerinnen und Einwohnern unterschrieben gegen das Umspannwerk. (Foto: Johannes Zimmermann)
Den Rudolzhöfern reicht's. An Bürgermeister Wolfgang Lampe (Vierter von rechts) haben sie eine Unterschriftenliste übergeben. 104 von 120 Einwohnerinnen und Einwohnern unterschrieben gegen das Umspannwerk. (Foto: Johannes Zimmermann)
Den Rudolzhöfern reicht's. An Bürgermeister Wolfgang Lampe (Vierter von rechts) haben sie eine Unterschriftenliste übergeben. 104 von 120 Einwohnerinnen und Einwohnern unterschrieben gegen das Umspannwerk. (Foto: Johannes Zimmermann)

Der Stromnetzbetreiber Tennet will südlich von Rudolzhofen ein Umspannwerk bauen – dort befindet sich zumindest der favorisierte Standort. 28 Hektar Maximalfläche, nur wenige hundert Meter vom Dorf entfernt. Bürgerinnen und Bürger äußern in einer Infoveranstaltung nun Unmut – wegen der Nähe und vor allem der „miserablen Kommunikation”.

Nein, begeistert ist von den Plänen niemand im überfüllten Schützenhaus des Uffenheimer Ortsteils. Manche fürchten um ihre Gesundheit und den Wert ihrer Immobilien, wollen beim Blick aus dem Fenster nicht auf einen solchen „Riesen” schauen. Ein Besucher sieht in dem Projekt, wenn es tatsächlich gebaut werden sollte, gar den „Todesstoß für das Dorf”. Emotional äußern die Anwohner Bedenken, bleiben dabei aber auf sachlicher Ebene, was Bürgermeister Wolfgang Lampe und die Tennet-Vertreter hervorheben.

Dass die Netze überlastet sind, PV-Anlagen und Windräder deshalb immer wieder abgeregelt werden müssen, obwohl sie eigentlich Strom erzeugen könnten – das ist bekannt und zweifelt an diesem Montagabend auch niemand an. Was für massiven Unmut sorgt, ist allerdings die Kommunikationspolitik. Ein Landwirt, dessen Flächen für das große Umspannwerk überplant sind, erfuhr aus der Zeitung davon. Er moniert die „Eiseskälte” der Tennet-Vertreter.

Hinweis auf das frühe Stadium

Wirklich auskunftsfreudig sind diese auch am Montag nicht. Viele konkrete Fragen – etwa der genaue Abstand zum Dorf oder die Anzahl der Transformatoren – bleiben unbeantwortet. Planer Axel Puttkammer verweist immer wieder auf das frühe Stadium, zu diesem Zeitpunkt lägen noch keine konkreten Daten vor. So stellt auch Lampe fest: „Ich hätte mir mehr Informationen gewünscht.”

Ein paar Zahlen und Fakten sind dann aber doch zu hören. 700 auf 400 Meter lauten die Maße des Umspannwerks, das höchste Bauteil ist ein Mast als Stahlgitterkonstruktion mit 27 Metern. Und: „In den 28 Hektar ist alles enthalten, wir wollen das Größte darstellen, um dann hoffentlich kleiner zu werden”, so der Referent für Bürgerbeteiligung bei Tennet, Daniel Wölki. Auf dem Areal fänden sich dann sowohl die technischen Einrichtungen für die „Stromautobahn” von Tennet (380 kV) als auch für die „Stromlandstraße” der N-Ergie (110 kV).

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Doch warum all das? Die Main-Franken-Leitung, die von Raitersaich in Mittelfranken bis nach Südosthessen führt, stammt aus den 1940er-Jahren und muss erneuert werden, so Wölki. In diesem Zuge werde sie gleich von 220 auf 380 kV verstärkt. Hierfür braucht es zwei Umspannwerke, wovon eines für die Region Wallmersbach geplant ist, weil sich dort die Leitungen von Tennet und N-Ergie treffen. Entsprechend musste sich Tennet auf die Suche nach geeigneten Flächen machen – drei Suchräume wurden definiert, schnell kristallisierte sich Rudolzhofen als ein Favorit heraus.

Auch andernorts noch keine Gespräche

In den anderen Gebieten seien bislang auch keinerlei Gespräche mit Grundstücksbesitzern geführt worden, Wölki begründet dies mit Kapazitätsgrenzen. Man habe mit Rudolzhofen anfangen wollen, werde aber auch die anderen beiden Areale noch prüfen.

Für die Magnetfelder und das Brummen gebe es Grenzwerte, die ab dem Zaun eingehalten werden, heißt es von Tennet, weil das Projekt sonst gar nicht „genehmigungsfähig” wäre. Es werde alles geprüft, denn genehmigt ist das Umspannwerk bislang noch nicht, immer wieder betonen die Vertreter das frühe Stadium. Bis 2026 will das Unternehmen das finale Areal gefunden haben. Die Genehmigungsphase soll bis 2030 abgeschlossen werden. Die Inbetriebnahme wird dann bis spätestens 2037 erfolgen.

Angst vor Lärm und Bränden

Die Rudolzhöfer fürchten den Anblick, Lärm, Großbrände (in den Transformatoren sind große Mengen Öl) und womöglich Angriffe auf die Infrastruktur. „Für unser Dorf ist das ein katastrophaler Standort”, betont ein Bürger. „Wir haben eh schon die Bahn, die B13 – warum muss das hier sein?” Landwirte sehen durch einen möglichen Flächenverlust ihre Existenz in Gefahr. Und die Befürchtung wird laut, dass sich an einem Umspannwerk womöglich noch weitere Projekte ansiedeln könnten: PV-Anlagen, Windräder, Batteriespeicher.

Das Dorf will sich wehren, eine Unterschriftenliste wird an Lampe übergeben: 104 von 120 Einwohnerinnen und Einwohnern haben laut der Initiative unterzeichnet. „Das ist der Hilferuf eines Dorfes, das sich nie beschwert, es reicht jetzt.” Letztlich klingt vor allem der Wunsch durch, die Anlage weiter weg vom Ort zu rücken, mindestens 600 Meter.

Können die Rudolzhöfer das Projekt verhindern? „Wenn alle sich sträuben, ihre Flächen zu verkaufen, was passiert dann?” Puttkammer: „Wir haben einen gesetzlichen Auftrag, dann müssen wir uns die Fläche über ein Planfeststellungsverfahren sichern”, sprich: Enteignung. Puttkammer selbst musste nach eigener Aussage noch nie zum Äußersten gehen, habe bisher immer einvernehmliche Lösungen gefunden. Doch ein Grundbesitzer ruft: „Ich werde das Dorf nicht verraten, von mir bekommt ihr keinen Quadratmeter.”

Die dritte Bürgermeisterin Ruth Halbritter aus Rudolzhofen hofft, dass mögliche Verkaufsentscheidungen akzeptiert werden und die Gemeinschaft weiter gut zusammenlebt: „Niemand im Dorf ist ein Verräter und niemand übt den Aufstand.”

Landratsstellvertreter Reinhard Streng bietet an, dass der Landkreis mit auslotet, „damit die Belange der Bürger gehört werden”. Denn: „Wir sind daran interessiert, so weit wie möglich eine einvernehmliche Lösung zu finden.” Das sei auch die Stadt, sagt Lampe. Letztlich müsse ein Kompromiss gefunden werden, mit dem jeder leben kann.

Stadt und Landkreis reichen Tennet also die Hand und hoffen, einbezogen zu werden. Ob das passieren wird? Rechtlich nötig sei das nicht, schließlich ist so ein Umspannwerk privilegiert – Stadt und Landkreis haben also kein Mitspracherecht. Lampe hofft trotzdem, dass die Gremien mitgenommen werden und sich die Kommunikation verbessert.

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