Die dunklen Wolken über dem Raubtier- und Exotenasyl in Wallersdorf hellen sich etwas auf: Die Verantwortlichen des Vereins und der Vermieter des Geländes in dem Ansbacher Ortsteil stehen in Verhandlungen über einen Kompromiss. Nach dem derzeitigen Stand scheint eine Einigung nicht ausgeschlossen.
Seit mehreren Jahren gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Verein und dem Vermieter des Geländes, auf dem Serval Bagheera, die eurasischen Luchse Rokko und Anubis, Tiger-Senior Boris und andere Tiere ihr Zuhause haben. Der Streit gipfelte nicht nur in einer gerichtlichen Auseinandersetzung, sondern auch in der Kündigung des Pachtvertrages zum 31. März.
Der Verein steht seit April allerdings nicht auf der Straße. Gesetzlich ist es geregelt, dass die Tiere, die aus schlechten oder illegalen Haltungen stammen, nicht obdachlos werden dürfen. Weil der Verein aber bisher kein neues Grundstück in Aussicht hat, haben sich die Verantwortlichen mit einem Kompromiss-Vorschlag an den Grundstücks-Eigentümer gewandt.
Dieser sieht vor, dass der Verein zumindest noch so lange vor Ort bleiben darf, bis der 19-jährige Tiger stirbt. Hintergrund: Während die Verantwortlichen bei den anderen Tieren guter Dinge sind, sie im schlimmsten Fall an andere Stellen vermitteln zu können, ist das bei Tiger Boris nahezu ausgeschlossen. In der Konsequenz würde das bedeuten, dass das Tier eingeschläfert werden muss. Diesen Schritt will der Verein unter allen Umständen verhindern.
Mittlerweile hat sich der Grundstücks-Eigentümer zu dem Kompromiss-Vorschlag geäußert, wie Vereinsvorsitzende Petra Schmidtke auf Anfrage der Fränkischen Landeszeitung berichtet. Die gute Nachricht: Der Kompromiss wird nicht kategorisch abgelehnt. Allerdings hat „unser Vermieter einige Bedingungen gestellt”.
Nach den Worten von Petra Schmidtke sind unter anderem Rückbaumaßnahmen auf dem Gelände, die Aufhebung des Hausverbotes und die Wiederaufnahme als Mitglied in den Verein unter den Forderungen. „Einige können wir annehmen, andere nicht”, sagt die Vorsitzende, nachdem man sich im Vorstandsteam ausgetauscht hat.
Verschiedene Rückbaumaßnahmen könne der Verein erfüllen. So soll der Vorgarten wieder so hergerichtet werden, dass er ansehnlich ist, nennt Schmidtke ein Beispiel. Auch das Hausverbot gegen den Vermieter werde man aufheben. Die Vereinsmitgliedschaft gehört derweil zu den Punkten, die der Vorstand nicht so ohne weiteres annehmen kann. Der Ausschluss sei eine Entscheidung der Mitglieder gewesen, begründet die Vorsitzende.
Eine finale Entscheidung ist freilich noch nicht gefallen. „Wir stehen in Verhandlungen mit dem Vermieter”, fasst Schmidtke die aktuelle Gemengelage zusammen. „Wir hoffen, dass wir es hinbekommen”, macht sie deutlich. „Wir hoffen, dass wir uns auch außergerichtlich einigen werden.”
Ein Grund für große Freude ist die aktuelle Situation noch nicht. Im Hintergrund arbeitet der Verein weiter an einer Lösung, damit die Tiere anderweitig untergebracht werden können, sollten die Verhandlungen doch scheitern und es keine Lösung geben. Aber dadurch, dass der Vermieter den Kompromiss nicht von Beginn an abgelehnt hat, ist wieder ein bisschen Optimismus vorhanden. „Wir sind auf dem richtigen Weg.”