„Für Kinder bis 99“ sind die Werke gedacht, die zurzeit im Haus für Kunst gezeigt werden. Patchworkarbeiten von Anita Leutwiler und Tiergemälde von Annelies Schindler gehen bei dieser Ausstellung eine reizvolle Symbiose ein.
Tiere sind das große Thema in den Arbeiten beider Künstlerinnen. In ihren phantasievollen, farbenfrohen, detailfreudigen Quilts erzählt die Schweizer Textil-Künstlerin Anita Leutwiler ganze Geschichten. Groß ins Portrait setzt Galerie-Inhaberin Annelies Schindler einzelne Tiere aus diesen Erzählungen. Arbeiten, die vor allem Kinder ansprechen sollen, aber für Erwachsene ebenso anregend sind. Denn Leutwilers Geschichten sind beziehungsreich. Zum einen dient ihr das eigene Leben als Inspiration, zum anderen sind es Märchen, die sie in eine ausdrucksstarke Bildsprache fasst. Und dann gibt es noch universelle Inhalte, die sich mit dem Weltgeschehen als solchem auseinandersetzen.
Anita Leutwiler ist viel herumgekommen. In Lausanne geboren, mit neun Jahren in den deutschen Teil der Schweiz umgezogen, wuchs sie bilingual auf. Später lebte sie mit ihrem Mann, einem Mathematikprofessor, in den Vereinigten Staaten. Dort vertiefte sie ihre Ausbildung in der Textilkunst durch den Schwerpunkt Patchwork.
Dann ging es nach Deutschland. 1998 besuchte sie Indien, eine Reise, die sie künstlerisch anregte. Es entstand das erste einer Reihe von Büchern, damals noch rein englischsprachig, mit dem Titel „Excuse me, is this India?“, bei dem sie die Illustrationen schuf. Natürlich gibt es auch dazu Quilts, die hier in der Ausstellung gezeigt werden.
Immer ist in ihren Arbeiten eine kleine blaue Maus zu finden – ein alter Ego der Künstlerin. Es entstand während ihrer Indienreise. „Als hellhäutiger Europäer fällt man Indien unweigerlich auf. Manchmal wünschte ich aber, mich unsichtbar zu machen, so wie eine kleine Maus, um unbefangener das bunte Treiben und die Menschen um mich herum beobachten zu können.“ Und da Blau ihre Lieblingsfarbe ist, bekam der kleine Nager die entsprechende Felltönung.
Reiseerfahrungen aber auch Märchen oder Fabeln beschäftigen die Künstlerin. Da gibt es die Geschichte von dem Raben, der ein Stück Käse gefunden hat. Das sieht ein Fuchs, der prompt Begehrlichkeiten entwickelt und den Raben austrickst, so dass dieser den Käse schließlich fallen lässt.
Annelies Schindler hat ein Portrait dieser eindrucksvollen Vögel daneben gehängt. Darauf sieht der Rabe gar nicht unklug und düster aus, sondern keck und aufgeweckt. Schindlers Tierbilder sind geprägt von einer tiefen Zuneigung, von dem Anspruch, jedem Tier eine Persönlichkeit zu verleihen, ihm eine Würde zu geben. Auch sie hat ein Buch geschaffen, in dem ein eigentlich recht unscheinbarer Vogel in Szene gesetzt wird: „Der kleine Spatz Pieps.“
Diese enge Verbundenheit zur Kreatur schöpft Schindler aus ihrem Leben. Schon seit vielen Jahren engagiert sie sich zusammen mit ihrem Mann Hans Schindler in der Tierrettung, Schwerpunkt Rehkitze, die mit Hilfe von Wärmebildkameras aus den Wiesen vor der Maat in Sicherheit gebracht werden. Aber auch zahlreiche Hunde hat sie portraitiert, stets mit dem Anspruch, den Dargestellten gerecht zu werden. Ansprechend, aber niemals kitschig. Das gilt auch für Anita Leutwilers Patchwork-Kunstwerke.
Die Ausstellung im Haus für Kunst ist bis zum 25. Mai geöffnet, Mittwoch, Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr.