Einen Blackout, ein flächendeckender Stromausfall mit Zusammenbruch kritischer Infrastruktur – dieses Szenario haben die Ortsverbände Feuchtwangen und Rothenburg des Technischen Hilfswerks (THW) für eine Gemeinschaftsübung mit den Stadtwerken und der Stadt Feuchtwangen gewählt.
„Einsatzorte“ waren die Kläranlage im Stadtteil Aichenzell und der Trinkwasserhochbehälter in der Straße „Am Greifenkeller“ im Wohngebiet Wannenbad.
Der sprunghafte, technische Fortschritt innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte „hat unsere Gesellschaft stark abhängig und zudem verwundbar gemacht“, sagte Christopher Beckler, Zugführer beim THW-Ortsverband Feuchtwangen. Dementsprechend müsse die kritische Infrastruktur geschützt und im Falle eines Ausfalls „überbrückt“ werden.
Neben einer Zerstörung durch Naturkatastrophen müssten aus gegebenem Anlass mit Blick auf den Krieg in der Ukraine auch Sabotageakte in Betracht gezogen werden. „Was lange Zeit abstrakt und aus unserem Fokus verschwunden war, wird nun wieder konkreter denn je“, hob Beckler hervor.
Daher müssten bisherige Konzepte zum Zivilschutz grundlegend überdacht und an die aktuelle Lage angepasst werden. Das THW habe sich bundesweit nach den Vorgaben der Bundesregierung bei Versorgungsengpässen innerhalb der kritischen Infrastruktur im Falle eines Blackouts vorbereitet. „Auch intern haben wir uns abgestimmt und Vorkehrungen getroffen“, berichtete Beckler.
Als Probelauf für diese THW-internen Konzepte und Vorkehrungen war nun auch die Gemeinschaftsübung gedacht. Außerdem wollten die Kräfte des THW zum einem die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden der Stadtwerke Feuchtwangen trainieren und sich zum anderen mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen, um einen möglichst standardisierten Ablauf zu finden. „Sich aufeinander einzuspielen“, nannte es Beckler.
Ein Schwerpunkt lag auf der Erzeugung sowie der Einspeisung von Strom in die Pumpwerke des Trinkwasserhochbehälters beziehungsweise der Kläranlage. Am Hochbehälter war die Fachgruppe Notversorgung/Notinstandsetzung des Feuchtwanger Ortsverbands im Einsatz und an der Kläranlage die Fachgruppe Elektroversorgung des Rothenburger Ortsverbands.
Letztere rückte mit einem großen Stromerzeugeraggregat an. Auf kürzestem Weg – unter einem Zaun hindurch – wurden die schweren Kabel zum Anbau, in dem die Stromversorgung der Kläranlage untergebracht ist, gezogen. THWler und Beschäftigte der Stadtwerke arbeiteten Hand in Hand und klemmten die Kabel an.
Sicherheit gehe dabei immer vor, betonte in diesem Zusammenhang Thomas Stöhr, der kaufmännische Leiter der Stadtwerke. Einige Mitarbeiter des Versorgers seien gleichzeitig ehrenamtlich im THW tätig, was von Vorteil sei.
Stöhr war gemeinsam mit Lothar Beckler, dem technischen Werkeleiter, und Bürgermeister Patrick Ruh vor Ort. Sie verfolgten die Übung aufmerksam. Die Kläranlage mit ihrer „komplexen Biologie“ hätten viele bei einem flächendeckenden Stromausfall gar nicht auf dem Schirm, meinte der Rathauschef mit Blick auf das Übungsobjekt.
Nachdem die Kläranlage vom Stromnetz genommen worden war, wurde das Aggregat angeworfen. Anschließend wurde die Kläranlage, um eine Spitzenlast zu vermeiden, nach und nach im Handbetrieb wieder hochgefahren. Die erste Pumpe, die zweite Pumpe, die Belüftung. Laut Betriebsleiter Martin Proff hat alles geklappt.
In der mobilen Einsatzzentrale auf der Mooswiese liefen bei Zugführer Christopher Beckler, Alexander Braun und Zugführer Paul Jüttner aus Rothenburg die Fäden zusammen. Beckler machte darauf aufmerksam, dass bei einem Blackout das für den Digitalfunk genutzte Netz durch herkömmliche Medien zur Nachrichtenübermittlung ersetzt werden muss. Das wurde geübt.
Grundsätzlich brauche es, um die Einsatzfähigkeit des THW auch zukünftig gewährleisten zu können, nachhaltige Investitionen und finanzielle Unterstützung seitens der Politik in den Zivil- und Katastrophenschutz, hieß es seitens der Verantwortlichen abschließend.