TCM-Kongress in Rothenburg: Genderspezifische Unterschiede im Fokus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.05.2026 09:42

TCM-Kongress in Rothenburg: Genderspezifische Unterschiede im Fokus

Wie setzt man die Nadeln richtig? Das lernten die Gäste bei einem Workshop in der Mehrzweckhalle.<br> (Foto: Margit Schwandt)
Wie setzt man die Nadeln richtig? Das lernten die Gäste bei einem Workshop in der Mehrzweckhalle.
(Foto: Margit Schwandt)
Wie setzt man die Nadeln richtig? Das lernten die Gäste bei einem Workshop in der Mehrzweckhalle.
(Foto: Margit Schwandt)

„Lebensphasen – genderspezifische Krankheits- und Schmerzmuster“ standen im Mittelpunkt des 57. TCM-Kongresses in Rothenburg. Er gilt seit Jahrzehnten als internationales Forum für die traditionelle chinesische Medizin.

Der Kongress wurde im Wildbad und in der Mehrzweckhalle veranstaltet, ein Shuttle-Bus brachte die Teilnehmenden zu den jeweiligen Veranstaltungen. Man liebe die Location, es sei wie ein „Heimkommen“ in eine große Familie, so Juliane Papendorf von der Pressestelle. Die Teilnehmenden seien oft aus großen Entfernungen angereist, haben sich auf den Kongress gefreut, viele kennen sich. Im Rokokosaal fand der Eröffnungsabend der viertägigen Veranstaltung statt – mit fachlichen Impulsvorträgen und einer besonderen Ehrung.

Verbesserung der medizinischen Versorgung

Für Oberbürgermeister Christoph Rösch war es seine erste Begrüßung im Amt in englischer Sprache. Er freue sich, dass dieser wichtige TCM-Kongress, der als einer der größten außerhalb Asiens gilt, in Rothenburg stattfinde. Rösch dankte den Organisatoren und wünschte inspirierende Vorträge, anregende Diskussionen und neue Erkenntnisse.

Die Vorsitzende des AGTCM (Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin), Birgit Ziegler, stellte die Frage der geschlechtsspezifischen Unterschiede in Gesundheit und Krankheit in den Mittelpunkt: Diese sei nicht mehr nur ein akademisches Spezialthema. In der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion werde immer deutlicher, dass die medizinische Versorgung dann besser werde, wenn sie die geschlechtsspezifischen Unterschiede systematisch berücksichtige.

Hier zeige sich die besondere Stärke der Traditionellen Chinesischen Medizin. Diese habe den Menschen von jeher individuell, differenziert und ganzheitlich im Blick. Konstitution, Lebensphase, Belastung, Umwelt und auch geschlechtsspezifische Faktoren würden in der TCM nicht isoliert betrachtet, sondern in ihrem Zusammenhang verstanden. Sie biete damit wertvolle Impulse für eine Medizin, die präziser, menschlicher und gerechter werden will.

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Erstmals ein Forschungspreis verliehen

Für die AGTCM sei das Kongressthema ein Zeichen der Weiterentwicklung, so Ziegler. Es zeige, dass man nicht nur die Tradition bewahre, sondern sie im Dialog mit aktuellen wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Entwicklungen weiterdenke. Die AGTCM setze damit ein wichtiges Signal für fachliche Offenheit, Forschungsfähigkeit und die Zukunftsfähigkeit der Medizin.

In diesem Jahr wurde erstmals ein Forschungspreis gestiftet: von der ehemaligen Vorsitzenden Dr. Martina Bögel-Witt und ihrem Ehemann. Der mit 1000 Euro dotierte Preis ging an Dr. Joanna Dietzel für ihre Arbeit zur „Akupunktur bei peripherer diabetischer Neuropathie, einer diabetesbedingten Nervenschädigung“.

Die Ergebnisse ihrer Studie stellte Dr. Joanna Dietzel beim Kongress vor. Untersucht wurden Menschen, die ihre Füße nicht mehr richtig spüren oder an Missempfindungen leiden. Die Hälfte der Probanden sei mit Akupunktur behandelt worden. Dabei habe man beobachten können, dass sich schon während der Behandlung sowohl die Missempfindungen als auch die Taubheit verbesserten. Dr. Dietzel und ihr Team haben inzwischen einen Antrag auf weitere Fördergelder gestellt: Sie möchten die Möglichkeiten der Akupunktur bei Patienten testen, die infolge einer Chemotherapie unter einer toxischen Neuropathie leiden.

Akupunktur demonstriert

Als besonderer Gast wurde Professor Liu Yi von der Chengdu University of Traditional Chinese Medicine, der langjährigen Partneruniversität, begrüßt. Er hielt ebenso ein Impulsreferat zur genderspezifischen Medizin, wie Dr. Edward Neals und Dr. Gali Stoffman.

Die Referentensprache während des Kongresses war überwiegend Englisch, teils Chinesisch mit englischen Untertiteln, manchmal auch Deutsch. Das Programm war umfangreich, reichte von Qigon am Morgen und Abend über „Grundlagen der Balance-Methode bei geschlechtsspezifischen Schmerzen und inneren Erkrankungen“ hin zur „Mykotherapie: Medizinisch wirkende Großpilze“. Die Heilpraktikerin Susanne Hill beleuchtete die „Zyklen des Lebens – die Elemente der Frau von der Pubertät bis zur alten Weisen im Spiegel der chinesischen Medizin“. In der Mehrzweckhalle waren Liegen aufgebaut: Dort wurden unter anderem Basiskurse für Einsteiger zur „ASHI-Akupunktur zur gezielten Behandlung von Schmerzsyndromen“ angeboten.

Kräuter, Spezialtees und Vitalpilze

Eine „Shopping-Street“ mit Produkten aus der Chinesischen Medizin war im Theatersaal aufgebaut. Neben unterschiedlicher Literatur zur chinesischen Medizin gab es Akupunkturmodelle und das nötige Zubehör, Kräuterrezepturen, Spezialtees und hochwertige Vitalpilze in verschiedenen Varianten.

In Rothenburg trifft man sich gerne, denn es stimme einfach alles, war im Verlauf des Kongresses immer wieder zu hören. Die Lage und Ausstattung des Wildbads als Tagungszentrum inmitten des vielen Grüns seien inspirierend, zudem seien die Wege zur Mehrzweckhalle kurz und durch den Shuttle gut zu bewältigen. Und dann ist da noch die wunderschöne Altstadt: Sie ist auf jeden Fall einen Abstecher wert, so die einhellige Meinung.

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