Der Wassertrüdinger Bürgermeister Stefan Ultsch gibt die Hoffnung nicht auf, dass der Geflügelschlachthof in der Stadt noch gerettet werden kann. Helfen soll nun Ministerpräsident Markus Söder.
Am Mittwoch schickte das Stadtoberhaupt einen Brief an Söder. Darin bittet er den Ministerpräsidenten, „für eine klare staatliche Haltung im Hinblick auf die beabsichtigte Betriebsübernahme zu sorgen”. Ohne ein zeitnahes positives Signal von staatlicher Seite werde der Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft von dem Projekt Abstand nehmen. „Will man, oder will man nicht?”, sei die zentrale Frage.
Im Kern geht es um Geld, genauer gesagt um eine staatliche Bürgschaft für Bankkredite an die potenziellen Investoren. Ultsch kann sich vorstellen, dass mehrere Banken gemeinsam den Millionenkredit vergeben, um das Risiko streuen.
Für die Stadt Wassertrüdingen steht einiges auf dem Spiel. Neben einem erheblichen Verlust an Gewerbesteuern, würden auch die Bürger ein endgültiges Aus im Geldbeutel spüren. Zwei Firmen verbrauchten bisher die Hälfte des Trinkwassers in der Kommune, eine davon war der Schlachthof. Wenn so ein großer Verbraucher wegfällt, würde der Wasserpreis pro Kubikmeter für die Einwohnerinnen und Einwohner zwangsläufig steigen, weil die Fixkosten für die Infrastruktur weitgehend gleich bleiben.
Nach der Überzeugung von Ultsch hat der Betrieb Bedeutung für ganz Süddeutschland und darüber hinaus – nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch weil die Wassertrüdinger Firma kleineren Hühnerhaltern ihre Legehennen abgenommen und zu Suppenhühnern verarbeitet hat. Durch das schuldhafte Verhalten einiger Mitarbeiter, eventuell auch durch ein Organisationsversagen, sei nun der gesamte Betrieb in Misskredit geraten.
Der Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft habe sich – zusammen mit Kollegen aus Baden-Württemberg – dafür entschieden, im Rahmen einer Betriebsübernahme durch einen Zusammenschluss im Rahmen einer Genossenschaft die Geflügelschlächterei wieder zum Laufen zu bringen. Noch vor wenigen Wochen sei man übereinstimmend der Meinung gewesen, auf einem guten Weg zu sein. Vorausgegangen waren zahlreiche Gespräche mit Vertretenden des Umwelt-, des Wirtschafts- und des Landwirtschaftsministeriums sowie des zuständigen Landesamts. Es sei nicht immer einfach gewesen, die Beteiligten an einen Tisch zu bringen, berichtete Ultsch. Er war mehrfach vermittelnd tätig.
Die potenziellen Investoren, darunter ein großer Geflügelschlachtbetrieb, wollten die Anlage in Wassertrüdingen nicht einfach weiterbetreiben, sondern zum Beispiel modernere Betäubungsmethoden einsetzen, die für mehr Tierwohl sorgen. Würde man einfach weitermachen wie bisher, so Ultsch, wäre es so gut wie sicher, dass Tierschützerinnen und Tierschützer erneut gegen den Schlachthof vorgehen würden.
Allerdings würde die Umsetzung des Konzepts, das in den letzten Monaten bereits praktisch fertig erarbeitet wurde, Investitionen in Millionenhöhe erfordern. So viel Geld bekäme man aber nur, wenn es durch eine Staatsbürgschaft abgesichert ist. Der Wassertrüdinger Bürgermeister hält das Risiko eines Scheiterns aber für überschaubar. Schließlich habe die Geflügelschlachterei über viele Jahre hinweg profitabel gearbeitet.
Außerdem drängt die Zeit. Eigentlich wollte man möglichst schon zum Jahreswechsel die Arbeit wieder aufnehmen. Wenn insbesondere die Fachkräfte erst einmal entlassen seien, werde es schwer werden, in einer Region mit niedriger Arbeitslosigkeit neue Mitarbeitende zu finden.