Das Taubertal-Festival gibt es seit fast drei Jahrzehnten; am zweiten August-Wochenende geht die 28. Ausgabe über die Bühne. Über all die Zeit hat sich das Festival immer weiterentwickelt und verändert. Und auch dieses Jahr wird einiges neu sein. Die wohl größte Veränderung: Der Steinbruch fällt weg.
Dafür werden die Hauptbühne unten auf der Eiswiese und auch der Campingplatz Berg mehr in den Fokus rücken. Der Pressesprecher des Festivals, Florian Zoll, erklärt die Gedanken und Überlegungen hinter den Neuerungen im Gespräch mit der Redaktion. Wichtig: Das „normale“ Programm mit den Bands auf der Hauptbühne und der Sound-for-Nature-Stage läuft ganz normal ab wie immer. Die Neuerungen betreffen speziell die Zeiten nach dem Hauptprogramm und den Donnerstag.
Große Änderungen im Lauf der Zeit gab es beim Festival immer wieder. Im Jahr 2007 wurde die Hauptbühne gedreht – sie war früher quasi auf der anderen Seite der Eiswiese, dort, wo es jetzt in Richtung Verpflegung geht.
Auch das, was das Publikum möchte, hat sich verändert
Ein Jahr später wurde dann erstmals die „After Party“ im Steinbruch angeboten. Ein Grund dafür war, dass man den Campingplatz „befrieden“ wollte. Die Camping-Szene war damals „ein bisschen außer Kontrolle geraten“, erinnert sich Zoll. „Da gab es tolle Partys und da sind tolle Sachen gelaufen. Aber es ist auch ein Raum entstanden, der einfach nicht überschaubar war. Wir mussten das Ding einfangen.“ Auch mit Blick auf Lärm.
Das war ein Erfolg. Der Steinbruch hat sich über die Jahre vor allem bei den einheimischen Festival-Besuchenden so stark etabliert, dass es eigentlich jedes Jahr Einlassstopps gab, vor allem donnerstags. „Da ist einfach die Feierenergie am höchsten.“ 3500 Leute dürfen gleichzeitig im Steinbruch feiern. Pro Tag rechnen die Festival-Macher aber mit insgesamt rund 10.500 Besucherinnen und Besuchern. Ein großer Unterschied. Und entsprechend auch ein Problem.
Zoll sagt dazu: „Das ist natürlich frustrierend. Du verquatschst dich, vergisst die Zeit, bist zu spät dran und kommst nicht rein. Das ist etwas, was wir die letzten Jahre wirklich immer hatten.“ Es sei zwar von Anfang an klar gewesen, dass der Steinbruch nicht die gleiche Kapazität wie das Tal hat, aber anfangs sei auch klar gewesen, dass zum Beispiel donnerstags nicht so viele Leute da sind. Das hat sich geändert.
„Auch das, was das Publikum möchte, hat sich verändert.“ Vor 20 Jahren, so erinnert sich Zoll, stand das Thema Duschen zum Beispiel nicht im Vordergrund. „Da war ich auf einem Festival und wusste: Da dusche ich mich ein Mal und dann ist es gut.“ Das sei heute komplett anders. „Jetzt kommen die Menschen mit dem Kosmetikkoffer. Und das ist ja auch alles in Ordnung. Das sind einfach Veränderungen, die stattfinden. So verändert sich eben auch der Anspruch vom Publikum an die Veranstaltung.“
Doch zurück zum Steinbruch. Der Entscheidung, diesen Ort zum Feiern aufzugeben, liegt die Erkenntnis „Wir müssen Leute wegschicken“ zugrunde, betont Zoll. Eine Lösung ist hier das Festival-Village – das Festival-Dorf – am Campingplatz Berg, das wiederum eine Folge aus dem Burggarten sei. Hier hatte es zwischenzeitlich ebenfalls ein Angebot gegeben. Zoll erklärt: „So inspiriert eines das nächste.“
Das Festival-Village wurde laut ihm im vergangenen Jahr „extrem gut“ angenommen. „Daraus entsteht dann dieser Schritt: Wir können den Steinbruch am Donnerstag ins Tal verlegen. Wir können dann aber auch im Festival-Village den Freitag und Samstag adäquat kompensieren.“
Und so sehen die neuen Planungen aus: Schon am Donnerstagabend wird es Live-Acts auf der Hauptbühne bis 23 Uhr geben. Danach wird bis zwei Uhr eine „Silent-Disco“, also eine Köpfhörer-Disco, angeboten – dafür werden mindestens 6000 Kopfhörer vorgehalten. Auf der Bühne am Campingplatz Berg gibt es am Freitag und Samstag bis Mitternacht Live-Musik, anschließend bis zwei Uhr morgens ebenfalls eine „Silent-Disco“. Vom Konzept der Kopfhörer-Disco sind die Taubertal-Leute komplett überzeugt und wollen das Ganze dieses Jahr austesten.
Ein großer Vorteil, den sie sehen: weniger Lärm. Aber auch die Idee an sich überzeuge und berge ein „unfassbares Potenzial“, erzählt Zoll. „Sie wertet die Veranstaltung massiv auf.“ Die Leute können zwischen mehreren Programmen auswählen. „Da finden sich die entsprechenden Gruppen zusammen.“
Die Taubertal-Leute haben sich Funktionsweise und Reaktion des Publikums bei anderen Festivals angesehen. „Die, die es gemacht haben, sagen: Das ist für den Event mal tatsächlich etwas richtig Spannendes.“ Und: „Das macht schon ziemlich Spaß.“
Taubertal ist das, was du daraus machst.
Mit Blick auf jene, die vielleicht traurig sind, dass der Steinbruch Geschichte ist, sagt Zoll: „Ich kann verstehen, dass für jemanden, für den der Steinbruch das Wichtigste an der Veranstaltung war, natürlich etwas fehlt. Ganz klar. Ich kann aber nur sagen, dass sich das Festival immer weiterentwickelt hat und auch immer weiterentwickeln wird und wir schauen, dass wir ein Setting haben, mit dem wir alle ansprechen können.“
Er spricht auch noch einmal die Einlassstopps am Steinbruch an und meint dazu: „Das ist Unzufriedenheit mit Ansage.“ Er bittet, sich die Neuerungen in diesem Jahr einfach mal „ergebnisoffen“ anzuschauen. Und sagt: „Taubertal ist das, was du daraus machst.“