Ist eine lockere Podiumsplauderei zur Frage angebracht, ob ein Todkranker mit Schluckbeschwerden wohl noch einmal Schäufele mit Kruste essen könnte? Wieso nicht über so etwas reden, dachten sich die Verantwortlichen des Hospizvereins. Die zwei Männer, die sie dafür gewinnen konnten, trafen den richtigen Ton.
Schauplatz war der Theatersaal des Wildbads. Vor etwa 150 Leuten setzten sich dort der einheimische Gourmetgastronom Christian Mittermeier und Comedian Martin Rassau aus Fürth zusammen, um sich über das Thema „Genuss bis zum Schluss“ zu unterhalten.
Rassau ist bekannt als eine Hälfte des fränkischen Kult-Duos „Waltraud und Mariechen“. Ehrenamtlich engagiert er sich für den Hospizverein seiner Heimatstadt, der freundschaftlich verbunden ist mit der Rothenburger Gruppe. So kam die Verbindung zustande.
Bevor beide loslegten, formulierten Hospizvereins-Vorsitzende Petra Underbrink und Pfarrerin Heidi Wolfsgruber einige Gedanken zur Situation Sterbender. Deren Wille, die letzte Phase des Lebens so selbstbestimmt, würdevoll und sinnlich wie möglich zu verbringen, müsse respektiert werden, so die Botschaft.
Den ersten starken Beifall der Veranstaltung rief Pfarrerin Wolfsgruber mit der Feststellung hervor, dass „der wundervolle Saal hier“ durch die für das Wildbad gefundene Zukunftslösung„Gott sei Dank“ für die Bevölkerung erhalten bleibe.
Dieses Stichwort nahm auch Martin Rassau gerne auf. Es sei schön, „dass die Stadtwerke a weng a Geld zammbrachd hamm“. Wie viel sie der evangelischen Landeskirche für den Wildbad-Kauf überweisen müssen, wusste aber auch er nicht. Die Vertragsparteien haben darüber Stillschweigen vereinbart.
Danach wandte Rassau sich gleich dem fränkischen Klischee-Gericht schlechthin zu. Was tun bei Lust auf Schäufele mit Kruste, wenn das Kauen und Schlucken nicht mehr funktioniert, fragte er seinen Nebenmann auf der Bühne.
Da gebe es schon Möglichkeiten, erklärte Christian Mittermeier. Um „den Geschmack, den Geruch und die Textur“ dieser Speise transportieren zu können, helfe es vielleicht schon viel, die Bestandteile so klein wie möglich zu schneiden, obgleich die Konsistenz der harten Kruste da eine Herausforderung sei.
Theoretisch lasse sich auch alles mit dem Mixer zu Mus pürieren. Davon halte er in diesem Fall aber wenig, so der Gastronom. Die Chance, hier eine Pointe zu setzen, ließ sich Rassau nicht entgehen: „Schäufele-Gelee, Hauptgang, 39 Euro“, so sein Vorschlag für ein fränkisches Gourmetmenü.
Christian Mittermeier lachte mit und schob den Hinweis hinterher, dass in der innovativen Küche viel möglich sei im Bemühen, den Geschmack vertrauter Speisen in unterschiedliche Konsistenzen zu bringen, etwa in die Form eines Bonbons, das im Mund aufgehe. Und schon fühle es sich so an, wie man es sich vorstelle. „Dafür schreiben wir Rezepturen“, so Mittermeier.
Das Schmecken sei ein wichtiger Aspekt. Aber zum sinnlichen Gesamterlebnis gehöre es auch, „eine Atmosphäre zu schaffen, die Genuss ermöglicht“. Da könnten auch todkranken Menschen noch wunderbare Momente bereitet werden.
Es gehe darum, Erinnerungen zu aktivieren und Überraschungen zu bereiten, waren sich die beiden einig und sinnierten über die Idee, ein Candlelight-Dinner in einem Hospiz auszurichten. Vielen schwerkranken Menschen könne im Übrigen mit Speiseeis großer Genuss bereitet werden, berichtete Mittermeier. Das schmecke, und die Kühle habe auch häufig einen lindernden Effekt.
Der Gastronom verriet schließlich, dass er an einem Buch mit Rezepten für Genüsse am Lebensende arbeite. Martin Rassau hatte noch einen philosophischen Rat auf Lager. „Jeder sollte so leben, dass er jederzeit gehen kann“, lautete der.
Den beiden gefiel ihr Gespräch im Übrigen selber so gut, dass sie das Format im Frühjahr 2025 im Hotel Mittermeier wiederholen wollen, und zwar zugunsten des Hospizvereins, der auch den Spendenerlös der Veranstaltung im Wildbad erhielt. Das Publikum, das sich gut unterhalten und informiert fühlte, ließ insgesamt 1066 Euro da.