Die Schulvorbereitenden Einrichtungen (SVE) in Feuchtwangen und Herrieden sind gerettet. Die Lebenshilfe Ansbach übernimmt die Trägerschaft zum 1. September. Das Neuendettelsauer Sozialunternehmen Diakoneo hatte im Winter angekündigt, die Trägerschaft aufzugeben.
Eine SVE ist eine spezialisierte Vorschule, die Kinder mit besonderem Förderbedarf gezielt auf den Übergang in die Schule vorbereitet. Bereits jetzt seien für das nächste Schuljahr 36 Kinder angemeldet, sagte Michael Breuker, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe bei einem Pressegespräch in der Firmenzentrale in Ansbach-Brodswinden. Insgesamt könnten in den vier Gruppen bis zu 46 Kinder aufgenommen werden, 22 in Feuchtwangen und 24 in Herrieden.
Die Lebenshilfe Ansbach ist bereits Träger von drei SVE-Gruppen mit dem Schwerpunkt „geistige Entwicklung“. Mit der Übernahme erweitert die Lebenshilfe ihr SVE-Angebot für Kinder mit den Förderschwerpunkten „Lernen“, „Sprache“ und „emotional-soziale Entwicklung“ an den beiden Standorten.
Reguläre Kitas könnten die notwendige zusätzliche Förderung oft nicht leisten, argumentierte Breuker. Daher sehe es die Lebenshilfe als ihre Aufgabe an, auch die Kinder aus Schulvorbereitenden Einrichtungen zu fördern, die derzeit noch von Diakoneo betrieben werden.
Außerdem sei es gelungen, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Die Regierung von Mittelfranken genehmigte zusätzliche Kinderpflegestellen. Die Städte Feuchtwangen und Herrieden sowie der Landkreis Ansbach leisten ebenfalls Unterstützung.
Langfristig soll ein Ganztagsangebot entwickelt werden, in Feuchtwangen möglicherweise bereits zum Schuljahr 2025/26. In Herrieden würde der Nachmittagsteil an das geplante neue Kinderzentrum (KiZ) angedockt werden, das aber voraussichtlich erst 2026 in Betrieb geht.
Bürgermeisterin Dorina Jechnerer betonte, dass es sich bei den SVE-Gruppen, die im KiZ vorgesehen sind, nicht um die gleichen handelt, um die es aktuell geht. Diese sind fachlich an die Wolfhard-Schule angebunden.
Die Leitung übernimmt Bianca Deininger, die bisher schon für die Heilpädagogische Tagesstätte an der Sebastian-Strobel-Schule verantwortlich zeichnet. Diese komplizierten Strukturen seien historisch gewachsen, hieß es bei dem Pressegespräch.
Zum Auftakt hatte Hans Popp, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Lebenshilfe und Bezirksrat, auf die schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen für soziale Träger hingewiesen. Dennoch müsse man seiner Aufgabenstellung gerecht werden.
„Dem Landkreis ist es wichtig, dass es weitergeht“, ergänzte Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Er lobte, dass der Übergang „innerhalb von ein paar Wochen“ auf einen guten Weg gebracht worden sei.
Die Besorgnis in Feuchtwangen sei „sehr groß“ gewesen, bekannte der dortige Bürgermeister Patrick Ruh. Entsprechend dankbar sei man für die nun gefundene Lösung. Ruh übte scharfe Kritik am bisherigen Träger Diakoneo. Dieser habe im vergangenen Jahr „gemauert“. Entscheider seien für ihn nicht erreichbar gewesen. Angesichts dessen, dass Eltern und Kinder in der Luft gehangen seien, sei das Verhalten von Diakoneo „unsäglich“ gewesen.
Um Weihnachten herum war die Lage „dramatisch“, bestätigte Christian Fischer, Leiter der Wolfhard-Schule. Es sei aber auch bewegend gewesen, wie viele Menschen sich bemüht hätten, „den Laden am Laufen zu halten“. Die jetzige Lösung sei zukunftsträchtig und ausbaufähig.
Für die Eltern wird es etwas teurer als bisher. Statt 48 Euro müssen sie künftig 50 Euro pro Monat zahlen. Dieser Betrag wird elf Mal im Jahr fällig, weil die Einrichtungen im August geschlossen sind. Personal zu finden, ist nach den Worten von Michael Breuker in diesem Fall nicht schwer. Sowohl bei den bisherigen Mitarbeitenden von Diakoneo als auch intern bei der Lebenshilfe und extern sei das Interesse groß.