Golf ist ein Sport, der sich auch und gerade zwischen den Ohren abspielt. Wer entspannt und ohne Druck an den Start geht, hat gute Chancen auf ein passables Ergebnis. Sebastian Schalt ist dafür das beste Beispiel. Er gewann am Wochenende die Clubmeisterschaft im GC Lichtenau. Trotz denkbar schlechter Voraussetzungen.
Irgendwie klingt das schon ein wenig verrückt: Als sich der frisch gebackene Clubmeister am Samstag zum ersten Abschlag begab, sah das alles andere als rund aus. Schalt plagten Rückenschmerzen, so dass seine Bewegungsfreiheit trotz der Einnahme von Schmerzmitteln doch ganz erheblich eingeschränkt war. Dennoch spielte der 33-Jährige mit nur einem Schlag über der Platzvorgabe eine herausragende Runde und setzte sich zur Halbzeit der zweitägigen Veranstaltung mit 73 Schlägen an die Spitze der Konkurrenz.
„Der kann sich ja kaum bücken, das sieht doch aus wie in der Altersklasse der über 80-Jährigen“, kalauerte sein Bruder Michael Schalt, Club-Manager in Lichtenau zwischenzeitlich. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – gelang es dem jüngeren der Schalt-Brüder, sein Spiel zusammenzuhalten, Bälle auf dem Fairway und nicht nebenan im dichten Rough landen zu lassen und insgesamt wenig Fehler zu machen. Das A und O in einem Wettbewerb, in dem jeder Schlag zählt.
Schon direkt nach dem ersten Tag machten sich etliche Spieler an die Aufarbeitung der ersten Runde. Ungezwungen, auf der Bierbank hinter dem Clubhaus, bei dem einen oder anderen Kaltgetränk. „Das ist unser Gefühl im Club, in dem sich jeder zu Hause fühlt“, beschrieb Manager Michael Schalt die Atmosphäre. „Das war eine rundum gelungene Veranstaltung mit einer super Stimmung“, durfte auch GCL-Präsident Peter Pohl später bilanzieren und einmal mehr mit dem Vorurteil aufräumen, dass der Golfsport elitär sei.
Dabei hatten die insgesamt 85 Teilnehmer in vier Klassen auch am zweiten Tag mit den hohen Temperaturen zu kämpfen. Bei rund 30 Grad waren Schattenplätze heiß begehrt – zudem war ein mobiler Getränkedienst auf den 18 Bahnen unterwegs, um einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt der Spieler zu gewährleisten.
Dennoch ging es am Sonntag an die Substanz, Sebastian Schalt benötigte sechs Schläge mehr als am Vortag und musste gegen Tim Carpenter, Mitspieler in der ersten Mannschaft, ins Stechen. Schalt platzierte seinen rund 300 Meter langen Abschlag mustergültig und lochte mit dem vierten Schlag ein. Carpenter, der offenkundig den Druck spürte, setzte seinen Drive in den Wald, musste seinen Ball seitlich herausspielen und hatte sich damit den entscheidenden Rückstand eingehandelt, der nicht mehr aufzuholen war.
Der Jubel bei Mannschaftsspieler Sebastian Schalt nach dem letzten Putt war entsprechend groß: erstmals bester Golfer in dem Club, dem er bereits seit 2003 und damit Kindesbeinen angehört. „Es war ein riesiger Spaß, mit den Jungs zu zocken. Ich hätte den Titel auch Tim gegönnt, aber so ist eben Golf“, lautete das Fazit des neuen Clubmeisters, der nach vierjähriger Abstinenz erst vor dieser Saison wieder mit dem Golf begonnen hatte.
An Training war freilich in den zurückliegenden Wochen für Schalt aufgrund seiner Rückenprobleme nicht zu denken. Umso bemerkenswerter, dass er die versammelte Konkurrenz einschließlich des Titelverteidigers Valentin Gegner hinter sich ließ. „Ich bin super happy mit meiner Leistung“, durfte der neue Champions bei der Siegerehrung durch Präsident Peter Pohl auf der proppenvollen Terrasse aufatmen.
In Lichtenau sehen sie sich als große Golf-Familie, so wurden jeweils die besten Frauen und Männer in gleich vier Kategorien geehrt. Der Zusammenhalt wurde auch dabei als überdurchschnittlich beschrieben – dennoch forciert der eingetragene Verein die Suche nach neuen Mitgliedern. Dazu wurden in diesem Jahr die „Open Golf Days“ als eine Art erweiterter Schnupperkurs etabliert. „Das kommt sehr gut an“, ließ Präsident Pohl vor den abschließenden Terminen am 7. und 21. September wissen.
Ein alter Hase ging derweil am Sonntag nicht nur sprichwörtlich baden und diente damit den Meisterschaften als weitere Attraktion: Stefan Tremel, spielender Captain der zweiten Mannschaft, stellte seine anhaltend gute Form am Wochenende unter Beweis und verbesserte sein Handicap auf unter 10: Es ist lieb gewonnene Tradition im Golfsport, dass bei Unterschreitung dieser magischen Marke ein Sprung in den Weiher ansteht. Spaß muss sein.