Josef Mehringer hat ein Herz für Metal-Fans. Vielleicht, weil er privat selbst schon oft auf Konzerten der härteren musikalischen Gangart unterwegs war. Möglicherweise hat das auch mit seinem Beruf zu tun: Der leitende Polizeidirektor ist für die Sicherheit beim Summer-Breeze-Festival verantwortlich. In diesem Jahr zum letzten Mal.
Fast so, als ob es gestern gewesen wäre, erinnert sich Josef Mehringer noch an den Tag, als Achim Ostertag. an seine Bürotür klopfte. Das war am 1. Juli 2005. Der Summer-Breeze-Erfinder wollte mit seinem Metal-Festival von Abtsgmünd bei Aalen nach Dinkelsbühl umziehen. „Ostertag hat uns seine Pläne beschrieben und wir sind dann dorthin gefahren und haben uns das Festival angeschaut. Das war dort eine lockere Sache“, blickt er zurück.
Aus polizeilicher Sicht stand also dem Vorhaben nichts mehr im Wege, 2006 die erste Dinkelsbühler Auflage des Metal-Festivals über die Bühne zu bringen. Mit 25.000 Fans war die Veranstaltung zwar damals schon groß, aber verglichen mit heute eben doch noch fast beschaulich.
„Weniger beschaulich war aber die Aufregung rund um Summer Breeze“, erzählt Mehringer. Der Widerstand in der Bevölkerung sei anfangs groß gewesen. Vor allem von kirchlicher Seite seien massive Bedenken und Proteste geäußert worden. „Das kam natürlich auch alles bei der Polizei an“, fährt der Leitende Polizeidirektor fort. Sogar die Forderung, das Festival zu verbieten, sei laut geworden.
Dazu kam es natürlich nicht. „Auf welcher Grundlage auch?“, fragt Mehringer. Aus Sicht der Polizei habe es zu keinem Zeitpunkt einen Anlass zu Beanstandungen gegeben: „Alle sicherheitsrelevanten Wünsche hat der Veranstalter stets umgesetzt“, lobt er. „Das ist bis heute so.“
Bis 2009 leistete Mehringer quasi Aufbauarbeit bei Summer Breeze. Dann gab es eine längere Pause. Doch seit 2017 ist er wieder mit im Boot und für den Sicherheitsbereich auf dem Gelände verantwortlich. Besonderen Wert legt er auf das Zusammenspiel von Stadt, Landkreis, den Sanitäts- und Rettungsdiensten und dem Veranstalter. „Wir sind ein familiäres Team, tauschen uns aus und arbeiten lösungsorientiert“, fasst der Polizeidirektor das zusammen.
Der Einsatz auf dem Festival-Gelände ist „nah am Menschen und am Publikum“, sagt Mehringer. Das gefällt ihm. Deshalb lässt er bereitwillig Selfies mit sich machen, hat immer die passende Antwort parat und bekommt viel positive Resonanz, obwohl er in seinem weißen Uniformhemd inmitten der meist schwarz gewandeten Metal-Fans ja leicht als Polizist auszumachen ist: „Danke, dass Sie auf uns aufpassen“, ruft ihm beispielsweise einer zu, als sich Mehringer auf dem „Battlefield“ genannten Bereich vor das Hauptbühne umschaut.
In all den Jahren, in denen er bei Summer Breeze im Einsatz war, sei kaum etwas Gravierendes vorgefallen. Die sexuellen Übergriffe, als Frauen beim Crowdsurfing belästigt wurden, das habe ihn allerdings betroffen gemacht. Trotzdem ist seine Bilanz positiv: „Dieses Festival ist ein positiver Ausreißer nach oben.“ Er sei jedes Mal froh, dass auf dem riesigen Gelände, das sich bis Illenschwang in der Gemeinde Wittelshofen ausdehnt, alles friedlich bleibt.
Mehringer hat immer wieder Behördenleiterinnen und -leiter auf das Gelände eingeladen. „Die sollten diese positive und friedliche Grundstimmung selbst erleben“, erklärt er diesen Ansatz. „Vor Ort bekommt man ein ganz anderes Bild von dem Ganzen. Wenn’s so nur auf der ganzen Welt wäre...“, seufzt er.
Auch wenn es wegen des nahenden Ruhestands sein letzter Einsatz bei Summer Breeze ist – Mehringer geht 2025 in den Ruhestand: Er will auch künftig wiederkommen, privat. Um seine „alte Community“ zu treffen. Und natürlich auch, weil er die härtere musikalische Gangart privat immer noch mag.