Sturzflut: Steigende Opferzahl und symbolische Bestattungen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.09.2026 07:32, aktualisiert am 02.09.2026 16:35

Sturzflut: Steigende Opferzahl und symbolische Bestattungen

Menschen, deren Angehörige nach den Sturzfluten weiterhin vermisst werden, vollziehen am Ufer des angeschwollenen Trishuli-Flusses im nepalesischen Distrikt Nuwakot Rituale im Anschluss an symbolische Bestattungszeremonien. (Foto: Rajesh Kumar Singh/AP/dpa)
Menschen, deren Angehörige nach den Sturzfluten weiterhin vermisst werden, vollziehen am Ufer des angeschwollenen Trishuli-Flusses im nepalesischen Distrikt Nuwakot Rituale im Anschluss an symbolische Bestattungszeremonien. (Foto: Rajesh Kumar Singh/AP/dpa)
Menschen, deren Angehörige nach den Sturzfluten weiterhin vermisst werden, vollziehen am Ufer des angeschwollenen Trishuli-Flusses im nepalesischen Distrikt Nuwakot Rituale im Anschluss an symbolische Bestattungszeremonien. (Foto: Rajesh Kumar Singh/AP/dpa)

Auch eine Woche nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya mit mehr als 1.200 Toten suchen Rettungsmannschaften in Nepal weiter nach Überlebenden. Die Priorität liege nach wie vor bei den Such- und Rettungsaktionen, um Vermisste zu finden und den direkt Betroffenen zu helfen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Kathmandu. Zahlreiche Familien von vermissten Personen begannen inzwischen damit, symbolische Bestattungen durchzuführen. Deutschland kündigte an, an Nepal Hilfsgüter zu liefern.

Viele betroffene Gebiete seien nach wie vor unzugänglich, trotzdem gebe es jetzt schon ein klareres Bild von den Schäden an Häusern, Straßen, Brücken, Wasserkraftanlagen und kritischer Infrastruktur, sagte der Ministeriumssprecher. Zahlen nannte er nicht.

Abbruch von Gletschereis und Felsgestein

Als Auslöser der Sturzflut gilt ein Abbruch großer Mengen an Gletschereis und Felsgestein im Himalaya. Technisch richtig sei es in dem Fall, von einer Eis-Felsgestein-Lawine zu sprechen, sagte der Vermessungstechniker und Himalaya-Experte Khimlal Gautam in Kathmandu. Der Aufprall der Stein- und Eis-Massen sei so enorm gewesen, dass einige Messstellen zuerst von einem Erdbeben ausgingen. Gautam betonte zugleich, ein vorläufiger Bericht über die Ursachen werde voraussichtlich in den nächsten Tagen veröffentlicht.

Das Desaster entlang des Flusses Bothekoshi zeige die Risiken, „denen wir im Himalaya-Gebiet ausgesetzt sind“, sagte Nepals Ministerpräsident Balendra Shah in einer Rede vor dem Parlament zur Lage in den Katastrophengebieten. Dazu zählte Shah auch die Folgen des Klimawandels. Er wehrte sich gegen Kritik, die Regierung habe die Rettungsarbeiten zu langsam in die Wege geleitet.

Weiter steigende Opferzahlen

Die Zahl der Todesopfer in Nepal stieg nach aktuellen Angaben des Katastrophenschutzes bis zum Mittwochabend (Ortszeit) 1.204. China hatte zuletzt von 16 Opfer auf der tibetischen Seite berichtet.

Die Totenzahl allein in Nepal hatte am Dienstag die Schwelle von 1.000 überschritten, die Zahl der Vermissten wurde mit mehr als 4.600 Menschen beziffert.

Symbolische Bestattungen

Zusammen mit Cousinen hätten sie bereits Bestattungsriten für ihre vermissten Tanten in der Nähe des zerstörten Orts Betrawati in der an Tibet grenzenden Provinz Bagmati ausgeführt, sagte die Nepalesin Indira Nepal. Dazu hätten sie „Strohpuppen“ verbrannt. Auch aus anderen Landesteilen gab es Berichte über solche symbolischen Bestattungen. Die meisten Opfer sind Hindus und nach hinduistischer Tradition ist eine Einäscherung üblich. 

Suche in Wasserkraftwerken

Im Fokus der Bergungsarbeiten stehen in Nepal dabei auch weiter verwüstete Wasserkraftanlagen, in deren Tunnelsystemen noch hunderte vermisste Arbeiter vermutet werden. Nepalesische Rettungskräfte werden dabei von Spezialisten aus China, Indien und Südkorea unterstützt. Nach Angaben der nepalesischen Armee konnten Suchmannschaften bis zu 150 Meter tief einen Tunnel der Wasserkraftanlage Langtang vordringen. Es sei jedoch bisher nicht gelungen, die Tunneleingänge mehrerer anderer Anlagen zu öffnen. Diese lägen unter Schlamm und Trümmern begraben.

Nach aktuellen Angaben der Abteilung für Elektrizitätsentwicklung wurden elf in Betrieb oder im Bau befindliche Wasserkraftwerke sowie eine Solaranlage von den Wasser- und Geröllmassen erfasst. Der Verband unabhängiger Stromerzeuger Nepals hatte zuvor von zwölf Wasserkraftprojekten gesprochen. 

Hilfe aus Deutschland

Deutschland werde unmittelbar Hilfsgüter nach Nepal liefern, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Dazu zählte er Planen, Wasserfilter und Moskitonetze. Das seien Beiträge, „dass die Menschen in der Katastrophenregion wieder sauberes Trinkwasser erhalten können, dass sie provisorisch untergebracht werden können und weitere Maßnahmen“.

Das Material werde über das EU-Katastrophenschutzverfahren bereitgestellt. Das sei ein internationales Verfahren, bei dem sich Länder an die Europäische Union wenden können. Nach der Sturzflut im Himalaya hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch vor Seuchengefahr gewarnt.

© dpa-infocom, dpa:260902-930-619504/2


Von dpa
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