Archäologische Funde sorgen immer wieder für Spannung, insbesondere wenn sie unerwartet entdeckt werden. So auch in Ruffenhofen, wo eine kürzlich entdeckte Holzkonstruktion aus der Römerzeit für großes Interesse bei Archäologen und Studierenden sorgt.
Bereits Mitte Juli fanden am Limeseum in Ruffenhofen am Hesselberg (Landkreis Ansbach) erstmals seit 19 Jahren wieder archäologische Grabungen statt. Normalerweise wird aus Sorge um den Erhalt der Bodendenkmäler auf Ausgrabungen verzichtet. Allerdings waren bei Bohrungen im Jahr 2022 Holzreste entdeckt worden, die den Forschern damals Rätsel aufgaben. Dies gab letztlich den Anlass für die Grabung.
Erste Vermutungen von Museumsleiter Dr. Matthias Pausch deuteten damals auf eine Struktur von 60 bis 70 Metern Länge hin. Doch was war das für eine Struktur? War sie Teil des nahe gelegenen Römerkastells oder handelte es sich um etwas ganz anderes?
Die Entdeckungen führten zu einer Ausnahme: Studierende der Universität Leipzig unter der Leitung von Dr. Caroline von Nicolai führten die Grabung durch. Bei den tiefergehenden Grabungen mit einem Bagger, die unter archäologischer Aufsicht stattfanden, wurde eine hölzerne Oberfläche entdeckt. Der Fund musste aufgrund der benötigten Planungen vorübergehend wieder abgedeckt werden. Erst im September konnte das Forscherteam erneut an die Arbeit gehen und die Untersuchungen fortsetzen.
Die Studierenden begannen im Rahmen eines Praktikums ihres Studienganges mit den systematischen Grabungen. Auch Museumsleiter Pausch war in die Untersuchungen involviert. Neue Vermutungen deuteten auf eine Struktur von beachtlicher Größe hin, möglicherweise ein Lager oder eine temporäre militärische Einrichtung, wie sie oft entlang des Limes errichtet wurden.
Mit großer Sorgfalt wurde der Holzbalken freigelegt. Er ist 120 Zentimeter lang, 54 Zentimeter breit und acht Zentimeter dick. Trotz seines Alters befand er sich in einem gutem Zustand. Obwohl keine Zapflöcher zu erkennen waren, deuteten die Spuren auf eine handwerkliche Bearbeitung hin. Der Balken selbst lag, wie Pausch berichtete, „noch absolut waagerecht im Boden“, was nach dieser langen Zeit für ihn außergewöhnlich ist.
Vor Ort machten sich die Archäologen bereits erste Gedanken über den Zweck dieses Balkens. Er könnte eine Art Unterlage für einen Pfosten gewesen sein, wie sie häufig in der römischen Bauweise verwendet wurden. Die Pfostenlöcher waren bereits bekannt, doch der hölzerne Unterbau, auf dem die Pfosten ruhten, war ein neues Puzzlestück, das die Forscher nun zu deuten versuchen.
Die genaue Altersbestimmung des Holzes steht noch aus. Dendrologen vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege entnahmen sofort Proben des Balkens. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Balken aus der Zeit um 110 bis 115 nach Christus stammt, also aus der gleichen Periode, in der das Kastell errichtet wurde.
Pausch hatte ursprünglich vermutet, dass das Holz aus einer früheren Zeit stammte. Dies hätte bedeutet, dass es sich um eine Struktur handelte, die weit vor dem Bau des Kastells existierte. Diese Theorie konnte jedoch nicht bestätigt werden.
Für Pausch steht allerdings eines fest: „Dass dieses Gebäude doch so weit außerhalb von dem Kastell liegt, ist dennoch sehr spannend.“ Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Interpretation. Es könnten Versorgungslager oder Speicherbauten sein, welche für eine kurzzeitige Versorgung zur Verfügung standen, wie Pausch erklärt. Allerdings bleibt eine genaue Deutung weiterhin offen.
Am Donnerstag, 3. Oktober, findet im Limeseum der Familienaktionstag statt. Von 11 bis 17 Uhr ist das Museum geöffnet. Es gibt zwei öffentliche Führungen (11 und 14 Uhr). Um 14 Uhr können Kinder beim „Maustüröffnungstag“ hinter die Museumskulissen blicken, Anmeldungen hierfür unter der Telefonnummer 09854/9799242. Um 17 Uhr rundet eine Abendserenade der Blaskapelle Frankenhofen den Tag ab.