Streit in Münchsteinach um die „alte Dreckshütt’n“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.02.2025 17:20

Streit in Münchsteinach um die „alte Dreckshütt’n“

Bisher das alleinige Objekt der Begierde – zumindest bei der Mehrheit in Altershausen: Das so genannte Faust-Anwesen unter der Adresse An der Steige 3 könnte/sollte/müsste/dürfte zum Dorfhaus umgebaut werden. Oder eben nicht. (Foto: Christa Frühwald)
Bisher das alleinige Objekt der Begierde – zumindest bei der Mehrheit in Altershausen: Das so genannte Faust-Anwesen unter der Adresse An der Steige 3 könnte/sollte/müsste/dürfte zum Dorfhaus umgebaut werden. Oder eben nicht. (Foto: Christa Frühwald)
Bisher das alleinige Objekt der Begierde – zumindest bei der Mehrheit in Altershausen: Das so genannte Faust-Anwesen unter der Adresse An der Steige 3 könnte/sollte/müsste/dürfte zum Dorfhaus umgebaut werden. Oder eben nicht. (Foto: Christa Frühwald)

Emotionale Grundsatzdebatte statt rationaler Diskussion: Als es am Dienstagabend im Münchsteinacher Gemeinderat um das Dorfgemeinschaftshaus im Ortsteil Altershausen ging, flogen die sprichwörtlichen Fetzen.

Mit dem Titel „Dorfgemeinschaftshaus Altershausen – Sachstand und weiteres Vorgehen“ kam der entsprechende Tagesordnungspunkt in der Gemeinderatssitzung recht unscheinbar daher. Und doch offenbarte er abermals das schwelende Konfliktpotenzial im Münchsteinacher Gemeinderat.

Wie ist der Sachstand um das Dorfgemeinschaftshaus? Die Fronten sind verhärtet. Auf der einen Seite präferieren die Gemeinderatsmitglieder Thomas Jordan und Johanna Huber, beide in Altershausen wohnhaft, sowie zahlreiche Mitglieder der Vorstandschaft der Dorferneuerung die bislang erarbeitete Variante, das so genannte Faust-Anwesen „An der Steige 3“, gemäß entsprechender Denkmalschutz-Auflagen umzubauen. Auf der anderen Seite hatten unter anderem Bürgermeister Jürgen Riedel, dessen Stellvertreter Harald Kern und laut Riedel „auch einige Anwohner aus Altershausen“ angeregt, ein komplett neues Haus auf einem passenden Grundstück zu bauen.

Gespräch über einen Kompromiss

Neu war seit der vergangenen Diskussion, die sich schon über mehrere Jahre hinzieht, ein Gespräch zwischen Bürgermeister Riedel und weiteren Gemeinderäten, darunter auch Jordan und Huber, Ende Januar vor Ort. „Wir haben uns gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Verantwortlichen des Landratsamtes sowie Landrat Christian von Dobschütz getroffen. Ziel war es, einen Kompromiss für die bislang verfolgte Variante ,An der Steige 3‘ zu finden“, berichtete Riedel den Räten. Dabei seien die Denkmalpfleger „einige Schritte auf uns zu gekommen“.

Zudem hatten Erich Wacker und weitere Verantwortliche aus dem Vorstand der Dorferneuerung einen neuen Plan erstellt, der die Unterbringung der Feuerwehr in den Räumen vorsieht.

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Nachdem der Bürgermeister jedoch offenbarte, dass aus der ursprünglich geplanten Saalkapazität von 40 Menschen wohl nichts werde, platzte Riedels Stellvertreter Harald Kern der sprichwörtliche Kragen.

„Ich bin es langsam leid. Wir diskutieren seit Ewigkeiten und wenn es so weiter geht, wird das nichts. Es geht nichts voran“, warf Kern ein. „Doch, wir sind doch mit dem Gespräch jetzt weitergekommen“, erwiderte Ratskollege Jordan. „Aber in das Haus passt doch nichts g'scheid rein. Was wollt ihr mit der alten Dreckshütt’n?“, fragte Kern wiederum nach. Schließlich habe die Gemeinde immer Alternativen präsentiert, die deutlich leichter zu realisieren seien.

Das wollte Johanna Huber so jedoch nicht stehen lassen. „Die Vorschläge haben nicht die Eckpunkte erfüllt, die wir erarbeitet hatten“, argumentierte sie. Dem entgegnete dann Gemeinderat Reiner Ströbel, dass „das jetzt ja auch nicht mehr der Fall ist“. Und Frieder Popp ergänzte, „dass die Alternativen immer wegdiskutiert wurden“.

Kern befürchtet weiter steigende Kosten

Dem stimmte Huber dann zu: „Ja. Weil die ganzen Standorte, die im Spiel waren, nicht so gepasst haben wie das Anwesen An der Steige 3“. Hubers Präferenz konterte Kern schließlich abermals: „Bis der Denkmalschutz kam. Wir reden mittlerweile über rund eine Million Euro. Und wenn wir das Bauen anfangen, kommen weitere Kosten durch den Denkmalschutz. Lasst die Finger davon!“, forderte der stellvertretende Bürgermeister.

Auch die Gemeinderäte Bernd Meller und Bernd Kaiser hätten „Bauchweh“ bezüglich des bisher verfolgten Standorts. Während Meller „der Denkmalschutz“ auf den Magen schlage, ist es bei Kaiser die Raumhöhe der angedachten Wirtsstube.

Rößner desillusioniert, Huber wenig begeistert

Bevor die Diskussion noch weiter hochkochte, intervenierte Bürgermeister Riedel mit der Frage nach dem weiteren Vorgehen. „Machen wir so weiter oder suchen wir eine Alternative?“, fragte Riedel. Darauf entgegnete Gemeinderat Dieter Rößner, dass es ihm mittlerweile an einer konkreten Alternative mangele. „Ich denke dabei an das Grundstück schräg gegenüber, das Anwesen ,An der Steige 2‘“, so Riedel daraufhin. Er könne sich vorstellen, Fachplanerin Luise Fröhlich mit einer weiteren Skizze zu beauftragen.

Gemeinderätin Huber zeigte sich davon wenig begeistert: „Wenn man gegen alles ist, ist das auch nichts“, erwiderte sie und goss damit weiter Öl ins Feuer. „Ich bin nicht gegen alles. Lassen wir es doch endlich fallen und wissen, dass es gestorben ist“, betonte daraufhin Kern. Bernd Kaiser glättete mit seinem Zuspruch für Rößners Einwand wieder etwas die Wogen. „Für eine Grundsatzabstimmung macht es mehr Sinn, die Alternative vernünftig zu prüfen“, regte er an. Dem trug Bürgermeister Riedel Rechnung: „Also gut. Ich habe kein Problem damit, aber das ist dann wirklich die allerletzte Runde. Irgendwann bin ich diese endlose Diskussion leid.“

Und so fand auch diese, in Teilen hochemotionale, Debatte mit einem Beschluss ihr Ende: Mehrheitlich votierte das Münchsteinacher Gremium dafür, Fachplanerin Fröhlich mit einer Skizze für das Anwesen „An der Steige 2“ als Alternative zum bisherigen Plan zu beauftragen und in der nächsten Sitzung eine finale Lösung zu finden. Nur Harald Kern und Frieder Popp stimmten dagegen.


Von Volker Raab
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