Auch wenn es gerade mal etwas regnet: Das Frühjahr ist bisher sehr trocken. Das merken nicht nur Gartenbesitzerinnen und Feuerwehrmänner, sondern auch Störche. Sie reagieren mit drastischen Methoden.
Überregional berichtete eine Boulevard-Zeitung groß über Störche aus dem Raum Hamburg, die ihren Nachwuchs aus dem Nest werfen, weil sie nicht mehr alle Jungen versorgen können. Im hiesigen Landkreis beobachtet der Storchen-Fachmann des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz, Erwin Taube, Ähnliches: Am Mittwoch erfuhr er von einem herausgedrängten Jungvogel in Langenfeld und am vergangenen Wochenende ereignete sich in Ipsheim dasselbe Szenario.
Dass ein nicht ganz junges Storchenbaby von alleine aus dem Nest fällt, sei nicht anzunehmen. Bei den Beringungen, die er und vor allem Heike Seefried bisher vorgenommen haben, schien es ihnen auch, als ob die Nachkommenanzahl in diesem Jahr geringer ist. Der Durchschnitt liegt sonst etwa bei drei Jungen.
Dass es tatsächlich eine schwierige Aufgabe für die Eltern ist, die hungrigen Mäuler im Nest zu stopfen, sehe man vor allem daran, dass viele Störche – auch von weither – in Dettendorf auf der Deponie gesichtet wurden. Eine noch wesentlich größere Deponie in Ansbach werde ebenfalls von vielen Störchen angeflogen, was sich anhand zweier Vögel, die mit Sendern ausgestattet sind, nachvollziehen lasse.
Ein Problem sei, dass im Biomüll auch oft Plastikteile landeten. Taube hatte schon Störche mit Gummiringen um den Schnabel gefunden, aber auch Plastikschnüre im Nest.
Im Einzelfall sei es natürlich nicht schön, wenn kleine Störche aus dem Nest geschubst werden, weil das Futter nicht für alle Familienmitglieder reicht. Insgesamt sei aber die Storchenpopulation im Landkreis groß – manche sagen gar: zu groß. Es würden sogar Stimmen laut, die befürchten, dass die vielen Störche sich negativ auf die Population der Wiesenbrüter auswirke. „Aber das ist Quatsch“, urteilt Taube. Das werde schon deutlich dadurch belegt, dass Uehlfeld zugleich über die größte Population an Kiebitzen und an Störchen verfügt.
Trotzdem ist die Storchenanzahl vor allem dort, wo regelrechte Kolonien brüten, groß genug. „Wir bauen keine neuen Storchenunterlagen mehr“, so Taube. Freude herrscht dagegen dort, wo die Störche sich wieder neu ansiedeln – in diesem Jahr in Marktbergel und Markt Erlbach. In Dachsbach wurde jetzt ein zweites Nest gebaut.
Die Zeiten ohne Störche im Landkreis sind lange her. Seit Ende der 1980er Jahre steigt die Population. Das liegt vor allem daran, dass immer mehr auf die strapaziöse Reise nach Afrika verzichten. Die hiesigen Störche, die Sender tragen, überwintern rund um Barcelona.