Steinmeier eröffnet Jubiläumstagung mit 70 Nobelpreisträgern | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.06.2026 04:32

Steinmeier eröffnet Jubiläumstagung mit 70 Nobelpreisträgern

Die Lindauer Wahrzeichen, der bayerische Löwe und Deutschlands südlichster Leichtturm, sind jedes Jahr Ziel von Nobelpreisträgern und Nachwuchswissenschaftlern aus der ganzen Welt. (Archivbild) (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Die Lindauer Wahrzeichen, der bayerische Löwe und Deutschlands südlichster Leichtturm, sind jedes Jahr Ziel von Nobelpreisträgern und Nachwuchswissenschaftlern aus der ganzen Welt. (Archivbild) (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Die Lindauer Wahrzeichen, der bayerische Löwe und Deutschlands südlichster Leichtturm, sind jedes Jahr Ziel von Nobelpreisträgern und Nachwuchswissenschaftlern aus der ganzen Welt. (Archivbild) (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Seit einem Dreivierteljahrhundert ist Deutschlands größter See Treffpunkt herausragender Wissenschaftler aus der ganzen Welt. „An kaum einem Ort der Welt - außer in Stockholm - sind jemals so viele mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler regelmäßig zur gleichen Zeit zusammengetroffen wie in Lindau“, betont die Tourismusgesellschaft der Bodenseestadt stolz.

In diesem Jahr findet die Lindauer Nobelpreisträgertagung zum 75. Mal statt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will am Sonntag (28. Juni) die Eröffnungsrede halten. Worum es den Verantwortlichen der Veranstaltung Jahr für Jahr geht, macht das Motto klar: „bilden, inspirieren, vernetzen.“

Jubiläumstagung ist interdisziplinär

Zu der Veranstaltung werden nach Angaben der Organisatoren in diesem Jahr etwa 70 Nobelpreisträger und Nobelpreisträgerinnen sowie Hunderte Nachwuchswissenschaftler aus der ganzen Welt erwartet. Die jährlichen Tagungen haben wechselnde disziplinäre Schwerpunkte. Aus Anlass des Jubiläums sollen bei dem bis 3. Juli stattfindenden Treffen die verschiedenen Nobeldisziplinen zusammengebracht werden, die Tagung ist daher interdisziplinär ausgerichtet.

Parallel zur Jubiläumstagung kommen am Montag auch die deutschen Wissenschaftsministerinnen und -minister auf einem Konferenzschiff im Lindauer Hafen zusammen. Ein Thema der Wissenschaftsministerkonferenz ist das sogenannte Innovationsfreiheitsgesetz. Mit diesem geplanten Gesetz sollen bürokratische Hürden in der Forschungsförderung abgebaut werden, damit Wissenschaftler weniger Verwaltungsaufwand haben.

Die Geschichte der Nobelpreisträgertreffen am Bodensee reicht zurück bis in die ersten Nachkriegsjahre. Die Lindauer Ärzte Franz Karl Hein und Gustav Wilhelm Parade entwickelten Ende der 1940er Jahre die Idee, um die deutsche Wissenschaft nach den Verbrechen der Nazis aus der internationalen Isolation zu führen.

Mainau-Besitzer nutzte seine guten Verbindungen nach Schweden

Unterstützung bekamen sie damals vom Besitzer der Blumeninsel Mainau, Graf Lennart Bernadotte. Er nutze seine familiären Verbindungen zum schwedischen Königshaus und damit auch zu den Nobelinstitutionen in Stockholm, um herausragende Forscher an den Bodensee zu locken - 1951 gab es das erste Treffen.

Ein Jahr später nahm der deutsche Chemiker Otto Hahn erstmals teil, er hatte den Nobelpreis für die Entdeckung der Kernspaltung schwerer Atomkerne erhalten. In der Folge verpasste Hahn bis zu seinem Tod 1968 keine der Tagungen in Lindau mehr. 1954 nahm mit Albert Schweitzer zum ersten Mal ein Friedensnobelpreisträger an der Konferenz teil.

In den kommenden Jahrzehnten reisten noch viele prominente Ausgezeichnete wie der dänische Physiker Niels Bohr oder Friedensnobelpreisträger Willy Brandt auf die Bodenseeinsel. Schon früh ging es bei den Tagungen darum, den Austausch zwischen den weltberühmten Preisträgern und Nachwuchswissenschaftlern zu fördern.

In diesem Jahr werden mehr als 600 junge Forscher aus aller Welt erwartet. Etwa 35.000 Studierende, Doktoranden und Jungakademiker hätten bislang an den Konferenzen teilgenommen, berichtet der Verein, der die Tagungen veranstaltet.

Verein engagiert sich auch jenseits der Tagungen für Bildung

Letztlich definiert der Verein seine Mission mit einem Wort: Bildung. 

„Das ganze Jahr über verfolgen die Lindauer Nobelpreisträgertagungen ihre Bildungsmission, die darauf abzielt, die Bedeutung der Wissenschaft hervorzuheben und für Wissenschaft und Forschung zu werben“, betonen die Organisatoren. Praktisch wird dies beispielsweise durch eine Online-Mediathek mit Unterrichtsmaterialien für Schulen umgesetzt. Dort können auch deutsche und englische Arbeitsblätter beispielsweise zu Armut und Klimawandel bezogen werden.

Bildung und die Nobelpreisträger sind zudem mittlerweile auf der Lindauer Bodenseeinsel das ganze Jahr über präsent. Denn an mehreren Stellen des historischen Stadtkerns gibt es mit Informationen beschriftete Säulen, die wissenschaftliche Themen erläutern. So steht neben dem südlichsten deutschen Leuchtturm im Lindauer Hafen eine Pylone, auf der die Themen Licht und Farben erläutert werden.

Auf dem Lindauer Wissenschaftspfad mit den Bildungssäulen könnten die Menschen so mehr über die Nobelpreisträger und ihre Beiträge zur Wissenschaft erfahren, erklären die Tagungsverantwortlichen. Erklärt werde, welche Rolle die Preisträger im Alltag spielen.

Neben dem Lindauer Kongresszentrum gibt es seit einigen Jahren auch einen Nobelpreisträger-Steg am sogenannten Kleinen See. Preisträger, die bislang an den Tagungen teilgenommen haben, sind dort mit Namen auf den Geländerstreben verewigt. Zum Jubiläum wurde der Steg um eine Brücke mit Ponton erweitert, an dem nun Wassertaxis in Nähe der Tagungshalle anlegen können.

© dpa-infocom, dpa:260625-930-278762/1


Von dpa
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