In dem Gebäude fand Europas berühmtestes Findelkind bis zu seinem mysteriösen Tod 1833 eine Bleibe im Ansbacher Zentrum. Für das Haus gibt es jetzt neue Pläne.
An die Baugerüste, den Kran und ein eingerüstetes Haus hat man sich am Montgelasplatz schon beinahe gewöhnt. Die Umbauarbeiten des einstigen Gebhardt-Hauses ziehen sich in die Länge. Nun wurde ein grundlegender Wandel in der Ausrichtung vollzogen – damit das ehrgeizige Projekt deutlich an Fahrt aufnimmt.
Es ist inzwischen mehr als drei Jahre her, dass die ersten Pläne zum Umbau des in die Jahre gekommenen ehemaligen Schreibwarengeschäfts der Familie Gebhardt öffentlich präsentiert worden waren. Dort sollte das Kaspar-Hauser-Zentrum mit heilpädagogischer Werkstatt, Hotel, Restaurant und Café entstehen. Sein offizieller Name: „Kaspar-Hauser-Zentrum für heilende Pädagogik“,
Bereits im Spätherbst 2021 wurde die Baustelle eingerichtet, sämtliche Genehmigungen waren längst erteilt. Es konnte losgehen. Das bislang gültige Geschäftsmodell sah vor, dass Architekt und Hausbesitzer Hermann Pfeiffer das drei Gebäude umfassende Ensemble langfristig an das Parzival-Zentrum in Karlsruhe vermietet. Doch jetzt erfolgte eine radikale Kehrtwende. „Wir haben alles einmal durchgeschüttelt“, sagt Projektleiter Stefan Weber und lässt das einigermaßen bedeutungsschwanger klingen.
Tatsächlich bezieht sich dieses „durchgeschüttelt“ gleich auf einige Aspekte rund um das Gesamtprojekt, das in den zurückliegenden Monaten mehr und mehr ins Stocken geraten war. Immer wieder mussten geplante Eröffnungstermine verschoben werden.
Was und wer für den zeitlichen Verzug verantwortlich ist, will Weber nicht explizit herausstellen. Wenn aber in Ansbach gebaut und in Karlsruhe entschieden wird, mag man sich vorstellen, dass derart lange Wege nicht zielführend sind.
Die Federführung dieses Projekts liegt nach der Gründung der eingetragenen Genossenschaft „incluDO“ nun vermehrt bei Architekt Pfeiffer. „Wir haben mit ihm vereinbart, dass er uns im Mai 2025 den fertigen Rohbau übergibt“, skizziert Weber den ambitionierten Fahrplan für die kommenden Monate. Im Anschluss soll der bereits fertig geplante Innenausbau erfolgen.
Mit der Gründung der Genossenschaft einher geht auch eine grundlegende Neuausrichtung. Dabei ist der Name „incluDO“ Programm. Vom Findelkind bleibt lediglich der Vorname in „Kaspars Hotel“ erhalten. Stattdessen steht Inklusion im Mittelpunkt, die beiden Großbuchstaben zielen darauf ab, dass „wir etwas tun und nicht nur reden“, erklärt Weber die etwas sperrig klingende Wortschöpfung.
Wir haben das Konzept auf den Kopf gestellt.
Anstelle von der bisher geplanten „heilenden Pädagogik” wird nun also Inklusion „konkret und direkt umgesetzt“, wie es Weber in einem Arbeitspapier formuliert hat. Soll heißen: Die künftigen Angestellten mit Handicap sind Teil eines gemeinschaftlichen und nachhaltigen Systems, in dem Selbstverantwortung, Kompetenzen und Handlungsfähigkeit im Alltag gefördert werden – nicht nur in kurzfristigen Projekten, sondern dauerhaft.
Weil solche Leuchtturmprojekte eine gesellschaftliche Leistung darstellen, darf das Vorhaben auf staatliche Förderung setzen. Zudem können in die neue Genossenschaft „viele Interessengruppen eingebunden werden“, stellt Weber in den Raum. Das Wichtigste aber ist: „Jetzt hat jeder das Gefühl, dass es funktioniert.“