Länger als erwartet blieb die Auszählung der Stimmen bei der Bezirkswahl spannend. Wie Bezirks-Pressesprecher Wolf-Dieter Enser auf Anfrage der FLZ bestätigte, hatten drei Stimmkreise ihre Zahlen in einem zu frühen Stadium gemeldet.
Deshalb wurden Bewerber-Zweitstimmen aus den Stimmkreisen Ansbach-Nord, Erlangen-Höchstadt und Fürth-Stadt zunächst nicht addiert. Am Dienstagabend und Mittwoch Vormittag war die Seite des Bezirks vorübergehend nicht erreichbar. Zu viele Anfragen waren laut Enser die Ursache. Viele Internetsurfer glaubten wohl, schon das vorläufige amtliche Endergebnis vor sich zu haben.
Mittwoch früh fiel der Fehler dann auf – und zwar ausgerechnet Marco Meier (Freie Wähler), dem „Shooting Star“ der Bezirkswahl, wie es sein Parteifreund Hans Henninger ausdrückte.
Der Ornbauer Bürgermeister Meier sammelte so viele Zweitstimmen, dass er von Listenplatz 8 auf Platz 2 vorrückte und somit in den Bezirkstag einzieht. „Wahnsinn“, kommentierte Meier seinen Erfolg, von dem er auf dem Rückflug von seinem Urlaub in den USA erfuhr. In der Luft hatte er genug Zeit, die Zahlen zu prüfen und entdeckte den Fehler. „Hoffentlich kriege ich noch ein Bier spendiert dafür“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Er ist „sehr dankbar“, dass auch junge Leute wie er gewählt wurden. Seine „volle Konzentration“ gelte aber auch weiterhin dem Bürgermeisterposten. Er ärgert sich darüber, dass AfD-Kandidaten gewählt wurden, obwohl sie sich „nirgendwo blicken lassen“.
Auch Hans Henninger (Freie Wähler), der schon bisher dem Gremium angehört, wurde bestätigt. Der Bürgermeister von Flachslanden landete auf Platz drei der erfolgreichen FW-Listenkandidaten. „Ich bin zufrieden, das ist ein gutes Ergebnis“, meinte er dazu. Nun müssten alle demokratischen Kräfte miteinander reden, um angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse eine gute Einigung für die Wahl des Bezirkstagspräsidenten zu finden.
Von den Grünen wurde aus dem Stimmkreis Ansbach-Nord Lisa Renz-Hübner, ebenfalls aus Flachslanden, in den Bezirkstag gewählt. „Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat“, sagte sie. Einen Schwerpunkt will sie auf die Perspektive des ländlichen Raums mit seinen weiten Wegen legen. Von der Pflege bis zur Kultur laufen viele Dinge dort anders, erläuterte sie. „Die Brandmauer steht“, betonte sie zur Abgrenzung von der AfD.
Siegfried Lang (AfD), Direktkandidat im Stimmkreis Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen, wurde von den Wählern über die Liste in den Bezirkstag geschickt. Er wolle „das Beste geben, um unsere Wähler und Bürger in Mittelfranken ordentlich zu vertreten“, kommentierte er das Ergebnis. Von der Stimmenzahl her hätte auch Johannes Meier (AfD) aus Ansbach einen Sitz, aber er hatte schon vor der Wahl angekündigt, ein Bezirkstagsmandat nicht anzunehmen, wenn er in den Landtag gewählt wird. Es wird also ein Nachrücker zum Zug kommen.
Als Einzelkämpfer für die Linke ging ein Sitz an Uwe Schildbach (Ansbach). „Ich bin sehr froh, dass wir als Partei, die auf Bundesebene strauchelt, in den Bezirkstag gekommen sind“, sagte er. Die Menschen, die auf die Unterstützung des Bezirks angewiesen seien, brauchten einen „verlässlichen Sozialpartner“ angesichts der „Inklusionsfeindlichkeit“ der AfD.
Für die CSU hatten Herbert Lindörfer im Stimmkreis Ansbach-Nord und Hans Popp im Stimmkreis Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen ihre Direktmandate verteidigt.
Dem neuen Bezirkstag gehören 30 Räte an, elf von der CSU, fünf von den Grünen, jeweils vier von den Freien Wählern und der AfD, drei von der SPD und jeweils einer von FDP, ÖDP und von der Linken. Eine Fünf-Prozent-Hürde gibt es auf Bezirksebene nicht. Der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ging einmal mehr leer aus: Von dort schaffte es kein Kandidat in das Gremium.
Der neue Bezirkstag hat sechs Mitglieder mehr als gesetzlich vorgesehen. Ursache ist, dass die CSU aufgrund ihres Gesamtstimmenergebnisses zwei Überhangmandate hat. Jeweils ein Ausgleichsmandat entfällt auf Bündnis 90/Die Grünen, die Freien Wähler, die AfD und die ÖDP.