Für das Uffenheimer Gollachgaumuseum ist es nichts weniger als eine Sensation: Am Mittwoch wurde der neue Liebling angeliefert, der 2014 bei Gallmersgarten gefundene und rund 5000 Jahre alte Statuen-Menhir. Nach einer wahren Reise-Odyssee kam das gute Stück nun in seinem künftigen Heim am Schlossplatz an. Für das Relikt verlängert das Museum eigens die Saison um einen Monat.
Der Menhir war schon in zwei Ausstellungen – in Konstanz und in Berlin – gewissermaßen der Star, erläutert Ernst Gebert vom Uffenheimer Heimat- und Museumsverein. „Der ist schon mehr rumgekommen als ich.“ Doch jetzt fand das Exponat seinen neuen Stammplatz im Gollachgaumuseum. Vor allem für das Eulengesicht wird dort ein neuer Ausstellungsraum eingerichtet.
Die finalen Arbeiten stehen noch aus, am 27. Oktober ab 13.30 Uhr wird der neue Höhepunkt dann erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. „Normalerweise ist dann Schluss. Aber wir haben heuer die Sonntage im November noch offen“, damit jeder das Prunkstück sehen kann – von 13.30 bis etwa 16 Uhr, „je nach Ansturm“. Die Bevölkerung von Ippesheim und Gallmersgarten wird separat eingeladen, so Gebert.
Umrahmt wird der Menhir in der Ausstellung von einer Bespannung, auf der die „Gegend von damals“ dargestellt wird, betont Ernst Gebert. Die Kreisgrabenanlage Ippesheim samt Bullenheimer Berg werden genauso zu sehen sein wie der Fundort Gallmersgarten mit der Frankenhöhe. „Der Mittelpunkt der Ausstellung wird der Original-Statuen-Menhir sein.“ Auch die Nachbildung des berühmten „Ippsi“-Skeletts mit Grab-Beigabe bereichert die Schau. Ob die Original-Knochen jemals in Uffenheim ausgestellt sein wird, steht noch in den Sternen.
Walter Gebert gab am Mittwoch eine erste kleine Führung. Im neuen Raum werden die Besucherinnen und Besucher erleben, dass im Gollachgau „die ältesten sesshaften Bauern zu verzeichnen“ waren, erläutert Walter Gebert. „Wie hat sich die Kultur entwickelt? Dieser Frage gehen wir hier nach.“ Exponate und Wissenswertes vom Alt- bis zum Endneolithikum werden präsentiert. „Aus jedem Jahrtausend der Jungsteinzeit haben wir ein herausragendes Ereignis“, betont Gebert. Eine Siedlung der Linearbandkeramischen Kultur bei Wallmersbach wird Thema sein, typisch hierfür sind Exponate – häufig auch mit organischen Materialien gefertigt –, die sehr weich sind.
Für das fünfte Jahrtausend vor Christus steht die Kreisgrabenanlage Ippesheim, für das vierte Jahrtausend das Hauptexponat, die Stele von Gallmersgarten, und so geht es weiter. Später, erzählt Walter Gebert, entwickeln sich neue Wirtschafts- und Siedlungswesen auch in kleineren Dörfern. Ab sofort herrschte nicht mehr nur Ackerbau vor, auch halbnomadische Hirten mit ihren Viehherden kamen dazu.
Um die Mitte des 3. Jahrtausends vor Christus gibt es Erkenntnisse über Zuzügler aus der Eurasischen Steppe, die auf der Suche nach Weideland waren. Zum Ende dieser Entwicklung, erläutert Gebert, stehen zwei Bevölkerungsgruppen: die Schnurkeramiker und die Glockenbecherleute. „Es gab starke Unterschiede zwischen diesen Kulturen. In unserer Gegend hat sich das überlagert, vermischt.“ Beide aber nutzten schon erstes Metall: Kupfer. Ein Kupferpfriem aus Marktbergel wird in der Ausstellung zu bewundern sein, weitere Überraschungen kündigen die Gebert-Brüder ebenso an. Zu viel verraten wollen sie aber noch nicht.
Mittwoch, 10 Uhr, Uffenheim: Im Gollachgaumuseum herrscht eifriges Gewusel – Vertreter des Uffenheimer Heimat- und Museumsvereins, Bauhofmitarbeiter und Handwerker schieben auf einem kleinen Rollbrett den originalen Statuen-Menhir von Gallmersgarten ins Museum. Eine Lieferung direkt aus Nürnberg, wo das Exponat eingelagert wurde, wenn es nicht gerade auf großer Tour durch die Bundesrepublik war.
Im Quintett – Walter Gebert mitgezählt – hieven sie den Menhir ganz vorsichtig auf sein Podest. Gebert dirigiert, nordet ein. Seine Augen seien die Wasserwaage, kommentiert Bruder Ernst Gebert. Ein strenger Blick, dann grinsende Gesichter bei den Helfern. Geschafft. Das Eulengesicht steht auf seinem neuen Stammplatz, wo es nun möglichst viele Menschen erfreuen und mit Hilfe der Sonderausstellung weiterbilden soll.
Das rund 5000 Jahre alte neue Hauptexponat steht also bereit. Noch allerdings gibt es im Ausstellungsraum einiges zu tun. Nur noch rund zweieinhalb Wochen bleiben bis zur Eröffnung – im Museumsverein löst das aber keine Panik aus. In aller Ruhe werden noch fehlende Informationstafeln angebracht und die schon bereitstehenden Exponate in Szene gesetzt. Endspurt. Endlich.