Sie sind sich klar darüber, dass sie ein Wagnis eingehen. Jasmin und Johannes Bock stellen ihren konventionellen Schweinemastbetrieb in Oberoestheim, einem Gemeindeteil von Diebach, von der niedrigsten Haltungsstufe 1 auf die höchste konventionelle Haltungsstufe 4 um.
Die beiden sind aber optimistisch, dass sie mit ihrem konsequent auf Regionalität ausgerichteten Projekt auf dem richtigen Weg sind. Die Ferkel kommen aus der Region. Und die Bocks transportieren die schlachtreifen Tiere selbst zum nicht weit entfernten Schlachthof in Crailsheim.
In seiner Art und Größe einmalig in der Region ist ihr umgebauter Stall, der inzwischen praktisch fertig ist, erzählt Johannes Bock. Sein Vater hatte den aus dem Dorf ausgelagerten Maststall mit ursprünglich 1200 Plätzen in den vergangenen Jahrzehnten schrittweise aufgebaut. Künftig werden es nur noch 960 in den sechs Kammern sein, weil jedes Schwein mehr Platz bekommt als bisher.
Johannes Bock hat den Hof vor rund zwei Jahren übernommen und machte sich mit seiner Frau daran, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Statt nur auf Stufe 2 umzusteigen, wofür man kaum mehr als größere Fenster gebraucht hätten, wollten sie gleich mehr tun. Kollegen aus der Landwirtschaft hätten zunächst mit einer gewissen Skepsis auf das Projekt geschaut. Nun aber sei das Interesse an dem Stall mit seinem großzügigen Außenbereich groß. Unter dem Namen jb_pigs kann man auf der Social-Media-Plattform Instagram den Umbauprozess verfolgen.
Für die Vorbereitungen und die Planung ging einige Zeit ins Land. Die Genehmigungsbehörden waren zwar sehr kooperativ, aber es war nicht leicht, in Süddeutschland eine Baufirma zu finden. Mit Hilfe der Internet-Suchmaschine und weiteren Informationen fanden sie schließlich eine Spezialfirma aus Vechta, die den Stallumbau vornehmen konnte. Die bestehenden Gebäude werden komplett weiter genutzt. Die Anlage war so gestaltet, dass die Erweiterung um den Außenbereich relativ leicht verwirklicht werden konnte.
„Wir gewährleisten nun höchste Tierwohlstandards mit Auslauf, automatischem Einstreu, Rauhfutterfütterung, verschiedenen Bodenbelägen und vielen weiteren Ausstattungen”, sagt Johannes Bock. Sogar eine „Schweinedusche” gibt es, in der die Tiere aber nicht wirklich nass werden, sondern sich in vernebeltem Wasser erfrischen können.
Rund um den Stall verläuft ein Zaun mit Untergrabungsschutz. Er soll vor allem Tiere fernhalten, aber auch allzu neugierige Menschen, damit keine Krankheiten übertragen werden. Hygiene ist in der Schweinemast sehr wichtig. „Das hier ist ja kein Streichelzoo”, betont Johannes Bock. Öffentlichkeitsarbeit sei wichtig, „aber mit Maß und Ziel”.
Auf der Grundlage des Umbaus durften die Bocks über ihren Vermarkter einen Zehn-Jahres-Vertrag mit einer großen Lebensmittelkette abschließen. „Wir sind somit in einem für den Landwirt fairen Vermarktungssystem angekommen”, berichtet die Familie. Denn sie erhalten einen höheren Preis für das nach besseren Maßstäben erzeugte Fleisch. In die Berechnung, die regelmäßig aktualisiert wird, fließen die Kosten als wesentlicher Faktor ein, sodass extreme Schwankungen der freien Marktpreise nicht durchschlagen.
Der Betrieb der Familie Bock ist GQB-zertifiziert. Geprüfte Qualität Bayern (GQB) ist ein Qualitäts- und Herkunftssicherungssystem für pflanzliche und tierische Lebensmittel aus der Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung. Außerdem haben sie eine Aufnahme in das Bayerische Programm Tierwohl (BayProTier) der Staatsregierung beantragt. Es gleicht laufende Kosten für mehr Tierwohl aus.
Die ersten Ferkel bevölkern seit ein paar Wochen den Stall und werden nach ihrer Schlachtung als „Bauernschätze” schon bald in den Fleischtheken in Supermärkten unter anderem in Ansbach, Feuchtwangen, Dinkelsbühl und Rothenburg ankommen. Jetzt kommt es also darauf an, ob die Verbraucher ihren Worten, dass ihnen mehr Tierwohl auch etwas wert ist, die entsprechenden Taten folgen lassen.
Die beiden sechs- und zehnjährigen Töchter von Jasmin und Johannes Bock finden den neuen Stall jeden Fall klasse und wollen selbst später einmal Bäuerinnen werden. Und Jasmin Bock hat schon die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass aus dem Hof der Familie ein Erlebnisbauernhof wird, den Schulklassen besuchen können.
Jasmin Bock (35 Jahre) ist Agraringenieurin und stammt selbst aus einer Landwirtsfamilie. Sie unterstützt ihren Mann Johannes Bock, ebenfalls 35 Jahre alt, der Landwirtschaftsmeister ist und den Hof vor rund zwei Jahren von seinem Vater übernommen hat, bei der Bewirtschaftung des Schweinemastbetriebs der Familie in Oberoestheim.