Städte und Gemeinden wollen in den sozialen Medien aktiv bleiben | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.02.2025 17:03

Städte und Gemeinden wollen in den sozialen Medien aktiv bleiben

Auf unterschiedliche Art und Weise glauben Kommunen in der Region von sozialen Netzwerken zu profitieren. Doch nicht überall besteht der Bedarf. (Symbolbild: Stefan Neidl)
Auf unterschiedliche Art und Weise glauben Kommunen in der Region von sozialen Netzwerken zu profitieren. Doch nicht überall besteht der Bedarf. (Symbolbild: Stefan Neidl)
Auf unterschiedliche Art und Weise glauben Kommunen in der Region von sozialen Netzwerken zu profitieren. Doch nicht überall besteht der Bedarf. (Symbolbild: Stefan Neidl)

Hasskommentare, Beleidigungen, wirre Verschwörungstheorien: Das Niveau in den sozialen Netzwerken sinkt immer mehr, der Umgangston ist rau. Dennoch nutzen auch Städte und Gemeinden aktiv die Online-Plattformen. Der Präsident des Landkreistages Achim Brötel rät ihnen nun zum Rückzug. Ob sie dem nachkommen?

Als „Biotope der Respektlosigkeit“ bezeichnete er die sozialen Netzwerke. Ob es die richtige Lösung ist, aus der Social-Media-Welt zu verschwinden, ist aber strittig. Für befragte Behörden und Politikerinnen der Region ist die Antwort ziemlich klar.

„Die Hemmschwelle, derbe Beschimpfungen zu äußern und die Kommune als doof oder unfähig zu titulieren, ist natürlich niedrig“, bestätigte Markt Erlbachs Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß auf FLZ-Nachfrage. Neben dem Account der Marktgemeinde im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ist sie mit einem eigenen Account seit Jahren sehr aktiv auf Instagram und Facebook. Sie postet von Bürgerversammlungen, von größeren Ereignissen – wie dem Besuch des Bundeskanzlers Olaf Scholz im vergangenen Jahr in Mettelaurach –, aber auch von Missständen in der Gemeinde wie Vandalismus.

Informationen aus erster Hand

„Der Ton in den sozialen Netzwerken ist oft provokativ und grenzwertig“, ergänzte sie. Dem Aufruf des Landkreistags-Präsidenten wird die Rathauschefin dennoch nicht folgen. „Wir dürfen das Feld nicht einfach den Aufwieglern und den Menschen überlassen, die Hass und Hetze schüren, sondern wir müssen dagegenhalten“, ergänzte sie. Ein Rückzug komme nicht in Frage. Zu groß sind die Chancen und der positive Nutzen.

Einerseits kann die Kommune so schneller ihre Botschaften kommunizieren und auf Anregungen der Bevölkerung eingehen, sagte Kreß. Die Gemeinde Markt Erlbach habe zudem die Erfahrung gemacht, dass über die Online-Kanäle mehr Menschen erreicht werden als über das Mitteilungsblatt. Dieses werde in weiten Kreisen kaum beziehungsweise zu wenig gelesen.

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Den direkten Austausch sieht auch das Landratsamt Ansbach als „positives und bereicherndes Element“ der Online-Plattformen. „So konnten bereits offene Fragen schnell beantwortet und auch konstruktive Kritik in die tägliche Arbeit einbezogen werden“, teilte die Behörde mit. Veranstaltungen, Stellenanzeigen oder aktuelle Informationen – wie den witterungsbedingten Schulausfall oder den Ausbruch der Geflügelpest – veröffentlicht das Amt auf seinen Accounts. Beleidigende Inhalte seien bei der Ansbacher Behörde die absolute Ausnahme. Es „bestehen aktuell keine Überlegungen, sich von den sozialen Netzwerken zurückzuziehen.“

„Ein weiterer Vorteil ist, dass die Bevölkerung alle Informationen aus erster Hand erhält“, teilte das Landratsamt Neustadt/Aisch-Bad Windsheim mit. Hierdurch könne auf Falschmeldungen und Spekulationen reagiert und gegengesteuert werden.

Seit Beginn des Social-Media-Auftritts des Landkreises konnte die Neustädter Behörde zudem eine Steigerung der Bewerbungszahlen feststellen. Ebenso könne mehr Transparenz und Akzeptanz bei Abläufen und Entscheidungen geschaffen werden. „Die genannten Vorteile überwiegen aus heutiger Sicht die Bedenken.“

Es steckt viel Arbeit dahinter

Für große Städte und Kommunen der Region ist die Social-Media-Nutzung schon fast selbstverständlich. Dahinter steckt jedoch viel Arbeit. Für kleine Gemeinden ist das in einigen Fällen kaum stemmbar.

Personell gesehen fehlt der Marktgemeinde Dürrwangen (Landkreis Ansbach) die nötige „Manpower“, um dienstliche Accounts zu bedienen, wie Bürgermeister Jürgen Konsolke mitteilte. Die Finanzen der Gemeinde spielen dabei ebenfalls eine Rolle. „Da haben wir auch nicht die Notwendigkeit gesehen“, sagte er mit Blick auf die Plattformen Facebook und Instagram. Stattdessen pflegt die Gemeinde intensiv ihre Website, um dort die Bevölkerung auf dem Laufenden zu halten.

Zudem ist eine eigene App in Planung. Diese sieht der Rathauschef als „zielführender“ an. Sollte ein Notfall auftreten, würde die Gemeinde zusätzliche Maßnahmen ergreifen wie das Gehen von Tür zu Tür. Besorgniserregend in den sozialen Netzwerken findet Konsolke die Kommentarfunktion. Jeder kann „fast unkontrolliert Sachen kommentieren“. In diesem Zusammenhang hat er rechtliche Bedenken.

Kleine Gemeinden, kurze Wege

Bei einer Einwohnerzahl von etwa 1200 sei in der Gemeinde Insingen (Landkreis Ansbach) die Nutzung von sozialen Netzwerken nicht erforderlich. Dennoch: „Die Bürger sind gut informiert.“ Davon ist Bürgermeister Peter Köhnlechner überzeugt. Warum seine Gemeinde online nicht aktiv ist? „Der Datenschutzbeauftragte des Freistaats Bayern empfiehlt, das nicht zu nutzen, da halten wir uns dran“, sagte er. Die Wege in Insingen sind kurz. „Bei mir kann jeden Tag jemand reinkommen und mit mir sprechen. Das ist beim Oberbürgermeister in Ansbach schwieriger“ – dieser nutzt die Plattformen intensiv.

Neuigkeiten machen schnell die Runde. Köhnlechner veröffentlicht bei Bedarf auch auf seinen privaten Kanälen. „Ich habe dann auch eine große Reichweite“, sagte er. Über eine Gemeinde-App wird ebenfalls nachgedacht. Doch die Diskussionen stünden noch am Anfang.

Den sozialen Netzwerken ist er aus behördlicher Sicht aber nicht abgeneigt. „Für größere Kommunen ist das eine Riesenchance, Politik zu erwähnen.“


Luca Paul
Luca Paul
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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