Der Stadtteil Jochsberg soll weiter wachsen, auch wenn das im Stadtrat nicht unumstritten ist. Mit elf zu sechs Stimmen hat das Gremium die Erweiterung des Baugebietes Sommerleite westlich von Höhenweg und Lämmerbuck beschlossen.
Der Bebauungsplan ist, wie Bauamtsleiter Markus Schmitt erläuterte, „schon länger fertig in der Schublade, aber leider noch nicht rechtskräftig”. Schon 2012 sei er als Satzung beschlossen worden. Der erste Abschnitt sei bereits voll bebaut. Die beiden weiteren Teile seien zurückgestellt worden mit dem Ziel einer schrittweisen Entwicklung.
Heuer im März sei indes eine Unterschriftenliste bauwilliger Bürger und Bürgerinnen eingereicht worden. Somit bestehe nun „konkreter Erschließungsbedarf”. Im Westen Jochsbergs sollen auf einer städtischen Fläche von 0,9 Hektar zehn Grundstücke entstehen. Im Abschnitt C, der 1,14 Hektar umfasst und noch in Privatbesitz ist, hätten weitere 15 Parzellen Platz. Sechs bauwillige Personen seien der Stadt derzeit bekannt, so Schmitt.
Der Bauamtsleiter sprach von einem steigenden Bedarf an familienfreundlichem Wohnraum, es gebe aber auch Bauwillige von außerhalb der Stadt. In der Siedlung sei keine mehrgeschossige Blockbebaung geplant, sondern Häuser mit Erd- und Dachgeschoss in Vollausbau. Die Zufahrt werde über den ersten Abschnitt der Sommerleite erfolgen. Die Entwässerung werde im Trennsystem erfolgen, und es gebe eine Zisternenpflicht.
Generelle Zweifel am Bedarf hegt Stadträtin Renate Götzenberger (ALL/Grüne). „Uns muss klar sein, dass ein Neubau einen wesentlich schlechteren CO2-Fußabdruck hat als ein Altbau”, sagte sie. Der Stadt fehle das Wissen über Leerstände. Bei der Innenentwicklung sei man „nicht wirklich vorangekommen”. Bevor man sich nicht verstärkt dieses Themas annehme, könne kein Bedarf an zusätzlichen Siedlungsflächen festgestellt werden. Zudem sei eine reine Einfamilienhaus-Bebauung „nicht zeitgemäß”. Auch den Umgang mit Niederschlagswasser kritisierte Götzenberger.
In dieselbe Kerbe hieb ihr Fraktionskollege Harald Domscheit. Der Architekt sprach von einem „absolut schlanken Bebauungsplan”, der keinerlei Festsetzungen in puncto Dachneigung oder Wandhöhen beinhalte und „verhältnismäßig große Grundstücke” vorsehe. Er plädierte dafür, die Bebauung zu komprimieren und beispielsweise Doppelhäuser vorzusehen, um eine zusätzliche Verdichtung zu erzielen. „Wir müssen wegkommen von der klassischen Einfamilienhaussiedlung”, sagte Domscheit. Zudem dürfe es nicht passieren, dass große Grundstücke zu noch größeren zusammengelegt werden. Im ersten Bauabschnitt seien 15 Parzellen vorgesehen gewesen. Realisiert habe man nur elf.
Dagegen plädierte Raimund Walz (CSU/Freie Wähler) dafür, „kommunalpolitischen Pragmatismus” walten zu lassen, und erinnerte an den „Lebenstraum, frei zu bauen”. Der Nachwuchs vor Ort wolle vor Ort bleiben, „und es wäre schlimm, wenn er wegginge”. Der erste Abschnitt der Sommerleite sei ein „voller Erfolg” gewesen. „Der Markt regelt das”, sagte Walz und sprach sich dafür aus, „schnell zu Potte” zu kommen, ohne in eine neue Planungsschleife zu rutschen.
Auch Bürgermeister Markus Liebich betonte, es gebe Leute, „die wollen konkret nach Jochsberg bauen”. Allerdings räumte er ein, man würde den Bebauungsplan heute nicht mehr so entwickeln, sondern „anderes berücksichtigen”. Indes würde es mindestens zwölf Monate Zeit kosten, das Verfahren neu aufzurollen. Deshalb sei es zielführender, den Abschnitt zwei in der vorliegenden Form rechtskräftig werden zu lassen.
Beate Boch (SPD/Bürgerforum) schloss sich dem an, um das Vertrauen der Bevölkerung nicht zu enttäuschen. Sie appellierte aber dafür, Leerstandsmanagement parallel zu betreiben.
Auf den Bürgerwillen ging auch Markus Schmitt noch einmal ein. „Wir können hier keine urbanen Planungsansätze ansetzen. Wir leben auf dem Land, da haben die Bürger andere Vorstellungen”, sagte er. Zudem habe sich zwischenzeitlich das Wasserrecht geändert. Den Plan entsprechend zu ändern, „dauert und kostet wahnsinnig viel Geld“, so Schmitt: „Dann können wir es gleich sein lassen.”
Das Wasserrecht habe sich aus gutem Grund geändert – „dem sollten wir Rechnung tragen aus Verantwortung für nachfolgende Generationen”, wandte Renate Götzenberger ein. Dass eine schlankere Erschließung Bauwerbern auch Geld sparen könnte, führte Harald Domscheit an: „Das Privileg Wohnen sollten wir einer möglichst breiten Schicht ermöglichen. Wenn aus zehn Grundstücken nur sieben werden, haben wir einen Fehler gemacht.”
Der Beschlussvorschlag, den Bebauungsplan für den Abschnitt B öffentlich bekannt zu machen und nach Rechtskraft die Erschließung einzuleiten, fand letztlich eine Mehrheit im Gremium. Die Fraktion ALL/Grüne, Alexander Scholl (CSU/Freie Wähler) und Dr. Bastian Wojek (SPD/Bürgerforum) stimmten dagegen.