Patrick Gröger ist der Neue im Team der Dinkelsbühler Stadtjugendpflege. Der 18-Jährige leistet hier sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), eine besondere Form bürgerschaftlichen Engagements. Weil jetzt Zuschüsse gekürzt werden sollen, ist Stadtjugendpfleger Stephan Putscher in Sorge.
„Die Freiwilligen sind unsere Fixpunkte“, sagt der Sozialpädagoge im Gespräch mit der Fränkischen Landeszeitung. Zu seinem Team gehören die Leiterin des Jugendhauses, Elina Lang, und aktuell Nico Grimm, Erzieher im Anerkennungsjahr sowie die Studierende Hanna Rohe. Weil es nicht immer Bewerbungen für alle Stellen gebe, sei die FSJ-Stelle essenziell, um beispielsweise eine Kinder-Ferienbetreuung anzubieten, so Putscher.
Die Freiwilligendienste sind für Jugendliche und junge Erwachsene gedacht, die die Vollzeitschulpflicht erfüllt und das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Sie dauern in der Regel zwölf Monate. Träger, die ein FSJ anbieten, können über ihre Zentralstelle oder das entsprechende Bundesland Zuwendungen für die pädagogische Begleitung ihrer Freiwilligen beantragen, heißt es auf der Internetseite des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.
Die Stadt Dinkelsbühl ist für ihre Plätze für ein FSJ eine Kooperation mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern eingegangen, da es sonst nicht möglich wäre, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein FSJ auch ausmachen, teilte dazu das Dinkelsbühler Rathaus mit. Denn zu einer solchen Stelle gehören auch pädagogische und gesellschaftspolitische Bildung in Seminaren, erklärt Isabell Oertel, Rechtsdirektorin und Personalchefin der Stadtverwaltung.
Die jungen Menschen, die bei der Stadt ihr FSJ in verschiedenen Einsatzstellen absolvieren, bereicherten nicht nur die Einsatzstellen, sondern seien gerade auch in Zeiten des allgemeinen Personalmangels eine „wertvolle Stütze des Kollegiums“. Darüber hinaus sammeln die jungen Menschen Eindrücke und Erfahrungen, die von enormer Bedeutung für ihre Persönlichkeitsentwicklung und damit ihre weitere Zukunft seien, erklärt Oertel.
Weil der Bund im Juli bekannt gegeben hat, die Zuschüsse für die Freiwilligendienste streichen zu wollen, schlägt das Dinkelsbühler Rathaus jetzt Alarm. Laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern stehen laut einer Pressemitteilung der Stadt 78 Millionen Euro Kürzungen für 2024 an, weitere 35 Millionen Euro im Folgejahr 2025. Das bedeute, dass rund 25 Prozent der bisherigen Zuschüsse auf Bundesebene gestrichen werden könnten
Die Förderung im FSJ besteht laut Pressemitteilung bis August 2024 in volle Höhe, die aktuellen Plätze im Bundesfreiwilligendienst seien also bis dahin finanziert. Die Streichung würde somit für den nächsten Jahrgang 2024/25 greifen. Die Stadt Dinkelsbühl befürchtet trotzdem, dass eine Kürzung des Bundeszuschusses den Wegfall von FSJ-Stellen zur Folge haben würde.
Gemeinsam mit Artur Auernhammer (CSU), Mitglied im Deutschen Bundestag, will sich Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer deshalb für den Erhalt der Zuschüsse einsetzen: Die Stadt Dinkelsbühl wolle auch in Zukunft jungen Menschen diese Möglichkeit bieten. Bundestagsabgeordneter Artur Auernhammer sichert der Großen Kreisstadt dabei Unterstützung in Berlin zu. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wolle sich im Rahmen der Haushaltsberatungen im September für das FSJ einsetzen. Die aktuell geplanten Haushaltskürzungen würden seiner Meinung nach „etablierte, sinnvolle Fördermaßnahmen hart treffen“, wie eben Freiwilligendienste oder auch Jugendmigrationsdienste. Gerade die jungen Menschen, die sich für ein FSJ entscheiden, entschieden sich „ganz bewusst für den Dienst an der Gesellschaft“. Ohne jeden Zweifel verdiene das Anerkennung, auch durch den Staat, ist der CSU-Parlamentarier überzeugt.