Stadt der Stars: Wo in Prag Kino-Geschichte geschrieben wird | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.04.2026 04:08

Stadt der Stars: Wo in Prag Kino-Geschichte geschrieben wird

Prags bedeutenster Platz: der Altstädter Ring. (Foto: Prague City Tourism/dpa-tmn)
Prags bedeutenster Platz: der Altstädter Ring. (Foto: Prague City Tourism/dpa-tmn)
Prags bedeutenster Platz: der Altstädter Ring. (Foto: Prague City Tourism/dpa-tmn)

Tom Cruise rennt durch die Altstadtgasse Železná aufs Ständetheater zu, wo Mozart eine Oper dirigiert – allerdings nicht zur selben Zeit und im selben Film. Es sind Szenen aus Klassikern der Filmgeschichte, die in Prag entstanden: der Cruise-Agentenstreifen „Mission: Impossible“ (1994) und „Amadeus“ (1984), der acht Oscars gewann.

Zu den neuesten Titeln zählen „Blade Runner 2099“, „Ein Ort, der sich Zuhause nennt“ und künftige Folgen der „Zürich-Krimis“, verrät Hedvika Petrzelkova, Publizistin bei der Tschechischen Filmkommission. Sie sagt: „Pro Jahr sind es etwa 30 bis 40 Projekte von Filmen und Serien.“

Prag, das ist eine Stadt, die bei Produzenten und Crews offenbar ziemlich beliebt ist. Touristisch gemünzt: Wer Filmfan ist und Stadtreisen mag, ist bei der tschechischen Hauptstadt an der richtigen Adresse.

Die Vorzüge von Prag als Filmschauplatz beschreibt Petrzelkova so: „Die historische Stadt mit Gotik, Renaissance und vor allem Barock ist in einem guten Zustand. Außerdem ist es nicht so teuer wie andernorts, hier zu drehen. Und die tschechischen Filmcrews haben goldene Hände, wie man hier sagt. Sie sind bekannt dafür, alles lösen zu können.“ 

Vergleicht man Filme und Wirklichkeit, erkennt man Prag mühelos wieder – auch wenn es nicht immer sich selbst mimt, sondern Paris, Wien, London. Neun prägnanten Stationen für einen Prag-Trip:

Altstädter Ring

Prags bedeutendster Platz, der Altstädter Ring (Staroměstské náměstí), atmet Geschichte, riecht nach den Pferden der Kutschen, stößt an herausgeputzte Fassaden und die doppeltürmige Teynkirche. „Die war im Film ‚Van Helsing‘ Notre-Dame“, weiß Eva Kupr, die Filmführungen für Gäste anbietet. Auch in den US-Actionstreifen „xXx – Triple X“ mit Vin Diesel und „Bangkok Dangerous“ mit Nicolas Cage diente der Altstädter Ring als Szenario.

Infos: prague.eu/de/objevujte/altstadter-ring-staromestske-namesti

Karlsbrücke

Dort, wo Menschenmassen über die Moldau wogen, sprintete Tom Cruise als Agent Ethan Hunt voran - und Oscarpreisträger Jon Voight stürzte in den Fluss. In „Mission: Impossible“ hatten beide keinen Blick für die Schönheiten der Stadt. 

Im Horrorfilm „Das Omen“ überbrachte Pfarrer Brennan (Pete Postlethwaite) dem Protagonisten Robert Thorn (Liev Schreiber) unter der Brücke schockierende Neuigkeiten. Ein Stückchen weiter, im Park auf der Kampa-Insel, versuchte Matt Damon in „Die Bourne Identität“ in seiner ersten Nacht in Zürich zu schlafen. 

Infos: prag.sehenswuerdigkeiten-online.de/sehenswuerdigkeiten/karlsbruecke.html

Rudolfinum

In Sichtweite der Karlsbrücke hebt sich der Neorenaissancebau des Rudolfinums ab. Eine pompöse Treppe, flankiert von Laternenkränzen, führt hinauf. Im Konzertsaal erklingen klassische Töne; hier hat die Tschechische Philharmonie ihren Sitz.

Als Location tauchte der Prunkbau in „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ mit Sean Connery, „Hannibal Rising - Wie alles begann“ und „Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne“ auf. „Da geht es um eine reiche, machtvolle Frau, die Sängerin werden wollte, aber nicht singen konnte. Im Film ist Prag Paris“, erläutert Filmfachfrau Petrzelkova.

Infos: rudolfinum.cz/en

Bluelight Bar

Westwärts spannt sich die Karlsbrücke auf das Viertel Kleinseite (Malá Strana) zu, wo die Bar „Bluelight“ kein blaues, sondern oranges Licht flutet. Im Ehedrama „Endstation Prag“ lässt sich Dänemarks Schauspielstar Mads Mikkelsen am Tresen nieder und lauscht dem Livekonzert einer jungen Tschechin, mit der er eine Kurzaffäre hat.

Barkeeperin Anna Vechtikova kennt den Film von 2006 nicht, hat aber vor Jahren sich selbst in einer Episode der Reihe „Der Zürich-Krimi“ gespielt. Das Resultat fand sie enttäuschend. Die Szene war rasend schnell vorbei. „Dabei wurde den ganzen Tag gedreht, ich war total platt“, erinnert sie sich.

Infos: bluelightbar.cz

Nationalmuseum

Bond. James Bond. Ja, auch der war hier, in Gestalt von Daniel Craig. In „Casino Royale“ fungierte das elegante Riesenfoyer des Museums am Wenzelsplatz mit seinen Bögen, Läufern und Laternchen als Hotellobby. In „Mission: Impossible“ war es das Double für die US-Botschaft, in „From Hell“ mit Johnny Depp für eine Medizinschule.

Und ansonsten ist das Národní muzeum die Adresse Nummer eins, wenn es um die Natur und Kulturgeschichte des Landes zählt, zu der sich auch der 100 Meter breite Bau im Neorenaissancestil selbst zählen darf. 

Infos: nm.cz/en

Burg

Der weitläufige Komplex der Prager Burg (Pražský hrad), Welterbe der Unesco und heute Sitz des Präsidenten von Tschechien, hat es vielfach zu cineastischen Ehren gebracht: von „Brothers Bloom“ mit Rachel Weisz und Adrien Brody bis zu „Shanghai Knights“ mit Jackie Chan, wo das Matthiastor den Eingang zum Buckingham Palace vorgaukelte.

Ebenso prägnant ist der benachbarte Platz Hradschin (Hradčanské náměstí), der sich in „Les Misérables“ mit Leben füllte. In „Amadeus“, einem Meisterwerk von Regisseur Miloš Forman, war das Haus Nummer sieben Mozarts Haus. Wunderbar dort: das Holzportal und der Türbeschlag.

Infos: hrad.cz/en/prague-castle-for-visitors

Kloster Strahov

Die geheimnisvolle Aura des Klosters (Strahovský klášter) spüren Besucher bis heute, wenn sie an die Absperrungen zur barocken, in zwei Teile gesplitteten Klosterbibliothek treten. Umrahmt von Deckenfresken und zehntausenden Büchern, spielte die Bibliothek in „Das Omen“ den Vatikan und in „Casino Royale“ das britische Oberhaus.

In der Bibliothek werden geführte Touren angeboten. Auch längere Touren, die andere Bereiche des Klosters umfassen, kann man buchen.

Infos: strahovskyklaster.cz/en

St. Cyrill und Method

Diese orthodoxe Kirche ist ein Unikat, da sich Realität und Kinostoff vermischen wie nirgendwo sonst. 1942 fanden die Widerstandskämpfer, die das tödliche Attentat auf Nazi-Größe Reinhard Heydrich verübt hatten, in der Krypta Zuflucht – doch ihr Versteck wurde verraten.

Im Film „Operation Anthropoid“ (2017) spielte der spätere Oscarpreisträger Cillian Murphy („Oppenheimer“) eine Hauptrolle. Laut Filmkennerin Petrzelkova kombinierte man das kirchliche Original Kostel sv. Cyrila a Metoděje mit einer Kopie in den Prager Filmstudios Barrandov.

Infos: prague.eu/de/objevujte/kirche-st-cyrill-und-method-kostel-sv-cyrila-a-metodeje/; barrandov.cz

Flussuferzone 

Expertin Petrzelkova schildert die Szene so: „Ana de Armas kommt in einem Boot an und geht durch den runden Glaseingang ins „Avoid Café”, doch im Film war das der Eingang zu einem Hotel.“ Gemeint ist der Film „From the World of John Wick: Ballerina“, der Mitte 2025 in die Kinos kam.

„Mit Keanu Reeves wurde „Ballerina” auch ein Stück weiter am Fluss auf dem Schiff „Avoid Floating Gallery” gedreht“, weiß Barkeeper Emil Obsluha. Kürzlich haben er und sein Kollege Michael Kadlec einen anderen Hollywoodstar hautnah kennengelernt: Orlando Bloom, der im „Avoid Café“ einen Bierwerbespot drehte.

Links, Tipps, Praktisches:

Reiseziel: Prag liegt im historischen Landesteil Böhmen und ist die Hauptstadt der Tschechischen Republik.

Anreise: Mit dem Zug erreicht man Prag zum Beispiel ab Berlin ohne Umsteigen in unter vier Stunden. Mit dem Auto ist man ab Berlin zwischen vier und fünf Stunden unterwegs, ab München vier, ab Köln über sieben Stunden unterwegs. Auf Autobahnen und Schnellstraßen in Tschechien benötigen Pkw eine elektronische Vignette.

Einreise: Der Personalausweis genügt.

Touren: Über die offizielle Prag-Website lässt sich unter prague.eu/de/produkt/kamera-klappe-prag ein zweistündiger Rundgang zu den Drehorten der berühmtesten Filme buchen; ab 3.000 Kronen für bis zu zwei Teilnehmer.

Geld: Währung ist die Tschechische Krone. Vielerorts werden Euro akzeptiert; 100 Kronen sind etwa 4 Euro.

Mobilität: Das Netz der Straßenbahnen, Busse und Metros ist gut ausgebaut; eine 24-Stunden-Karte kostet 120 Kronen.

Weitere Informationen: http://prague.eu

© dpa-infocom, dpa:260419-930-963457/1


Von dpa
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