Das Pokalspiel mit dem höchsten Erinnerungswert in der jüngeren Geschichte der SpVgg Ansbach war das Gastspiel des damaligen Erstligisten Karlsruher SC im DFB-Pokal 2008. Ob man sich auch in Jahren noch an das Pokalspiel gegen den SSV Jahn Regensburg am Freitag, 5. September, 19 Uhr, erinnern wird, dürfte vom Ergebnis abhängen.
Es ist eines der raren Pflichtspiele gegen höherklassige Teams, für Niklas Reutelhuber als Trainer des Regionalligisten SpVgg Ansbach sogar eine Premiere. Er rechnet für das Achtelfinale im BFV-Toto-Pokal mit über 2000 Zuschauern und weil der Drittligist von etlichen Fans begleitet wird, ist der Aufwand an Personal hoch.
Das Personal des Trainers hat sich die Woche über nochmal geändert. Ben Müller ist neu im Kader, dessen Vater Jörg Müller vor über 20 Jahren mal drei Tore in einem Spiel für Ansbach gegen die Regensburger erzielt hat.
Ob der Sohn Gelegenheit bekommt, in die Fußstapfen des Papas zu treten, was eine ja unfassbar schöne Geschichte wäre? „Denkbar, er ist in jedem Fall dabei”, sagt Reutelhuber über den letzten Neuzugang. Obwohl dem Spiel- und Trainingspraxis nach einer längeren Pause abgehen, ist sich Reutelhuber sicher, dass Müller „uns weiterhelfen kann”.
„Wir wollen und werden mutig sein in manchen Phasen, aber es wird auch Phasen geben, in denen wir viele Situationen am Stück wegverteidigen müssen”, sagt Reutelhuber voraus. Für die ersehnte Überraschung gegen „die bessere Mannschaft mit den besseren Einzelspielern” (Reutelhuber) braucht es eine stabile Defensive und Spielglück. Sollte es nach 90 Minuten unentschieden stehen, geht es direkt ins Elfmeterschießen.
Regensburg tut sich als Zweitliga-Absteiger in der 3. Liga noch schwer. Vier Punkte nur holte die Elf von Trainer Michael Wimmer aus den ersten vier Spielen, schoss nur vier Tore und steht damit wieder in der unteren Tabellenhälfte. „Wir müssen aufwachen”, forderte Wimmer nach dem 0:4 in der Liga daheim gegen den MSV Duisburg. Doch so ganz ausgeschlafen war seine Elf wenige Tage später immer noch nicht, mühte sich im bayerischen Pokalwettbewerb zu einem 2:1-Erfolg beim TSV Kornburg mit den Ex-Ansbachern Bastian Herzner und Christian Kestel.
Die Regensburger führten nach einer Stunde 2:0 beim Bayernligisten, verpassten mehrfach das dritte Tor und fingen sich durch eine Unachtsamkeit spät den Anschlusstreffer ein, was zu einer intensiven Schlussphase führte.
Dem Erfolg im BFV-Toto-Pokal folgte eine gute Leistung und eine bittere 1:2-Niederlage im DFB-Pokal gegen den 1. FC Köln mit Gegentreffern in der 96. und 98. Minute, sowie endlich der erste Saisonsieg in der Liga (3:0 gegen den FC Schweinfurt). Das Gastspiel bei Viktoria Köln ging dann wieder verloren (0:1). Der letzte Auswärtssieg in der Liga gelang den Regensburgern im April 2024 (!). Seither gab es in 22 Partien vier Remis und 18 Niederlagen.
In der Liga ist Noel Eichinger mit zwei Treffern der beste Jahn-Stürmer. Er besetzt meist eine der drei Offensivpositionen im System von Wimmer, der in der Abwehr auf eine Dreierkette und baut und meist ein Vierer-Mittelfeld aufbietet.
Nach dem Abstieg gab es in Regensburg einen Umbruch mit über 20 Abgängen, einem Trainerwechsel und rund einem Dutzend Neuzugängen. Vor wenigen Tagen erst wurde noch Florian Dietz vom 1. FC Köln nachverpflichtet. Der 27-jährige Angreifer lief in 16 Bundesligaspielen (ein Tor) sowie in der Uefa-Conference-League für die Kölner auf, die ihn zuletzt in die zweite Mannschaft abgeschoben hatten.
Eine wichtige Rolle im Mittelfeld spielt Adrian Fein, der einst beim FC Bayern München seinen ersten Profivertrag unterschrieb, früher schon in Regensburg zweite Liga spielte und der nach diversen Stationen, darunter Hamburger SV, PSV Eindhoven, SpVgg Greuther Fürth und Dynamo Dresden, wieder an der Donau gelandet ist.
Den Regensburger Philipp Müller (ehemals SpVgg Greuther Fürth) kennen die Ansbacher aus Regionalligaspielen gegen das Kleeblatt und Angreifer Dustin Forkel hat gegen die nullneuner sogar mal ein Tor geschossen. Im Testspiel im Juli 2024 in Ansbach, damals noch im Trikot des 1. FC Nürnberg.
Der BFV-Toto-Pokalwettbewerb ist auch für die Regensburger von einiger Bedeutung, unter anderem in wirtschaftlicher Hinsicht. „Der Pokal ist total wichtig für uns. Das ist eine der Möglichkeiten, in den DFB-Pokal einzuziehen“, so Achim Beierlorzer, Sport-Geschäftsführer beim Jahn.