Ein Jobcenter kann gute Nachrichten bringen. Das in der Stadt Ansbach steht in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bei einer Frage ganz an der Spitze. Kein anderes in Deutschland integrierte nach IW-Angaben so häufig Hilfeempfängerinnen und -empfänger in Arbeit. Woran liegt das aus Jobcenter-Sicht?
„Manchen Jobcentern gelingt es, binnen eines Jahres mehr als jeden dritten Leistungsbezieher in den Arbeitsmarkt zu integrieren, anderen dagegen nur knapp jeden siebten”, blickt das arbeitgebernahe Institut auf die Ergebnisse seiner Studie.
2020, 2021, 2023 und 2024 hätten in Ansbach als Spitzenreiter mehr als 39 Prozent der erwerbsfähigen Arbeitssuchenden reguläre Jobs gefunden. „Das ist fast doppelt so viel wie im Durchschnitt aller Jobcenter.” Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) habe die Studie finanziell unterstützt.
Wie häufig eine Integration gelingt, hängt nach IW-Angaben auch von örtlichen Gegebenheiten ab. „Mit einem statistischen Modell haben die Forscher daher untersucht, wie stark die Jobcenter ihre strukturellen Voraussetzungen über- oder unterschreiten.” Berücksichtigt habe man unter anderem die Arbeitslosenquote oder das Stellenangebot.
In diesem Vergleich rangiert das Jobcenter Stadt Ansbach auf Platz drei: Es zeigt gemäß den Ergebnissen der Studie eine Integrationsquote, die 9,8 Prozentpunkte über dem liegt, was angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu erwarten war. Vor Ansbach platzieren sich lediglich die Jobcenter Memmingen und Dingolfing-Landau.
Hinter den Zahlen erkennt das Institut ein Muster: Die zehn erfolgreichsten Jobcenter im Land, darunter damit auch jenes in der Stadt Ansbach, „werden sämtlich als gemeinsame Einrichtung von Kommune und Bundesagentur für Arbeit betrieben”. Unter den zehn schwächsten befänden sich dagegen sechs Jobcenter in alleiniger kommunaler Trägerschaft.
Die Ergebnisse für das Jobcenter Stadt Ansbach findet dessen Geschäftsführerin Gabriele Lender-Mieke naturgemäß erfreulich. Die Forschenden hätten die Lage nicht nur punktuell betrachtet, sondern über mehrere Jahre hinweg. Das Jahr 2022 sei noch einmal ein besonderes Corona-Jahr gewesen und fehle in der Untersuchung.
„Dass wir gute Arbeit leisten, wussten wir, aber wenn uns das eine Studie in dieser Form bestätigt, ist das super.” Für sie ist das Jobcenter nahe an den Menschen dran – nicht nur weil die Stadt klein sei. Gabriele Lender-Mieke weist auf eine hohe „Beratungsaktivität” hin; „das heißt, wir laden die Menschen oft ein, reden sehr oft mit ihnen”.
Außerdem gebe es viele besondere Aktionen, um die Kundinnen und Kunden in Richtung Arbeitsmarkt zu bewegen, zum Beispiel Jobbörsen, Arbeitgeberinnen- und Arbeitgebergespräche oder Betriebsbesuche. Hinzu komme: „Wir haben ein sehr gutes Miteinander im Haus.” Die Kolleginnen und Kollegen seien unglaublich engagiert.
Wie reagiert Gabriele Lender-Mieke auf das Vorurteil in Teilen der Bevölkerung, viele Empfängerinnen und Empfänger von Bürgergeld seien faul und renitent? „Bei uns gibt es sehr viele Menschen, die grundsätzlich arbeiten wollen”, legt die Geschäftsführerin dar, „sonst würden wir das Ergebnis auch nicht schaffen.”
Gewiss seien da auch Menschen, die vielleicht nicht könnten oder wollten. Dies sei nicht immer genau zu differenzieren. „Richtige Verweigerer sind schlecht zu identifizieren und gibt's, glaube ich, grundsätzlich gar nicht so viele.” Viele Menschen hätten „Einschränkungen, auch gesundheitliche, auch psychische”.
Arbeitslosigkeit und gerade die psychischen Einschränkungen bedingten sich gemäß den Ergebnissen vieler Studien gegenseitig. „Wer arbeitslos ist, hat ein deutlich höheres Risiko zu erkranken, insbesondere psychisch.” Wer umgekehrt schon psychisch krank ist, trage ein höheres Risiko, arbeitslos zu werden.
„Trotzdem sind wir nicht dagegen, dass jetzt wieder stärkere Sanktionsregeln eingeführt werden”, führt die Jobcenter-Center-Chefin aus. Sie „waren so, wie sie jetzt im Bürgergeld ausgestaltet sind, schwer umzusetzen”. Es sei nicht schön, wenn Kundinnen und Kunden nicht zu Terminen kämen, ohne sich zu entschuldigen, und das vielleicht mehrfach. Das Zusammenleben basiere auf Regeln, auf einem Rahmen.