Lange mussten sich die mittelfränkischen Listenkandidaten gedulden, bis sie Gewissheit darüber bekamen, ob sie in den neuen Bayerischen Landtag einziehen. Gestern Nachmittag war es endlich so weit.
Als einer der letzten Stimmkreise in ganz Bayern meldete der Stimmkreis Ansbach-Nord die detaillierten Bewerberstimmen und machte damit das mittelfränkische Wahlergebnis komplett.
Für den Stimmkreis Ansbach-Nord zieht neben Andreas Schalk (CSU) wie seit Sonntag erwartet auch Johannes Meier von der AfD in den Landtag ein. Mit 48.543 Gesamtstimmen sicherte er sich die mit Abstand meisten AfD-Stimmen in Mittelfranken. „Ich bin hochzufrieden und habe mich natürlich richtig über diese Zahlen gefreut“, erklärte Meier. Den enormen Zuspruch bezeichnete er als große Verantwortung. Über seinen erstmaligen Einzug in den Landtag stellte er fest: „Ich habe da richtig Bock drauf.“
Klar gereicht hat es auch wieder für Martin Stümpfig von den Grünen. Er sicherte sich mit 44.022 Gesamtstimmen den zweiten Platz bei den mittelfränkischen Grünen, die in der kommenden Wahlperiode fünf Abgeordnete aus dem Regierungsbezirk nach München entsenden werden. Insgesamt werden dem neuen Landtag 27 Abgeordnete aus Mittelfranken angehören.
Martin Stümpfig zeigte sich mit dem letztlich souveränen Wiedereinzug in den Landtag zufrieden. Mit Blick auf seine Verluste bei den Erststimmen im Stimmkreis Ansbach-Nord sprach er allerdings von einem Rückschlag: „Da muss ich mich natürlich schon fragen, wie das passieren konnte.“
Die Freien Wähler schicken einen Abgeordneten aus dem Stimmkreis Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen nach München ins Maximilianeum. Wolfgang Hauber, der als Direktkandidat Zweiter hinter Helmut Schnotz (CSU) geworden war, schaffte den erneuten Einzug nun über die Liste.
Michael Kempf (AfD), Philipp Hörber und Harald Dösel verpassten dagegen das Landtagsmandat. Kempf wurde Fünfter auf der AfD-Liste, die Partei wird vier mittelfränkische Vertreter stellen. Für Hörber und Dösel reichte es deutlich nicht.
Auf Elke Homm-Vogel (Ansbach-Nord) von den Freien Wählern entfielen 12.368 Gesamtstimmen. Das reichte auf der Parteiliste für Mittelfranken für den fünften Platz. Die Freien Wähler werden im neuen Landtag mit drei mittelfränkischen Abgeordneten vertreten sein. Homm-Vogel, die erst Mitte Juli kurzfristig als Kandidatin nominiert wurde, fehlten etwa 1800 Stimmen für den Einzug in den Landtag.
Eine herbe Enttäuschung wurde die Auszählung dagegen für Kathrin Pollack. Die SPD-Politikerin hatte sich auf Platz 2 der mittelfränkischen SPD-Liste gute Chancen ausgerechnet. Seit gestern Nachmittag aber steht fest: Die Ansbacherin hat den Einzug in den Landtag knapp verpasst. Mit 14.448 Gesamtstimmen landete sie auf Rang vier der mittelfränkischen SPD-Liste.
Doch die Sozialdemokraten werden im Maximilianeum aufgrund ihres schwachen bayernweiten Ergebnisses nur noch mit drei Mittelfranken vertreten sein, nach der Wahl 2018 waren es noch vier Abgeordnete. Pollack fehlten für Rang drei knapp 1100 Stimmen. Schon am Wahlabend hatte sie sich enttäuscht über ihr Abschneiden gezeigt. Sie hatte vergeblich gehofft, in der Stadt Ansbach an ihr relativ gutes Ergebnis bei der Oberbürgermeisterwahl anknüpfen zu können – genau diese Stimmen fehlten ihr offenbar am Ende.
Deshalb sei sie nach der Auszählung auch nicht aus allen Wolken gefallen. Pollack erklärte am Dienstagabend: „Das ist sehr bitter und wird auch sicher noch einige Zeit lang bitter bleiben. Aber es geht weiter.“ Sie betonte, dass sie auf Landesebene eine Politik-Newcomerin ist. „Ich habe einen sauberen und fairen Wahlkampf gemacht, darauf bin ich stolz“, sagte sie.
Auf dem dritten Platz der mittelfränkischen SPD landete stattdessen Harry Scheuenstuhl aus dem Nachbar-Stimmkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, Fürth-Land, der damit in den Landtag einzieht. Gerechnet hatte er mit diesem Erfolg eigentlich nicht mehr. Scheuenstuhl hatte unter anderem bei der letzten Kommunalwahl vergeblich für den OB-Posten in Rothenburg kandidiert.