„Eigentlich müssten wir eine Europafahne aufstellen“, erklärte Harry Scheuenstuhl, SPD-Landtagsmitglied aus Wilhermsdorf, als er Matthias Dornhuber am Mittwochmorgen an der neuen Freizeitanlage seiner Heimatgemeinde begrüßte.
Dornhuber (40), in Nürnberg geboren, im Emskirchner Ortsteil Pirkach aufgewachsen und seit 2008 in der Fürther Südstadt beheimatet, tritt als SPD-Kandidat bei der Europawahl 2024 an. In Wilhermsdorf konnte er einige Projekte sehen, von denen bestimmt nicht alle Menschen wissen, dass diese wohl nur wegen Fördergeld aus EU-Töpfen verwirklicht werden konnten.
Die Freizeitanlage ist so ein Beispiel. 400.000 Euro habe die gekostet, dafür seien 180.000 Euro Förderung über den Leader-Verein im Landkreis Fürth bewilligt worden, den Rest habe die Gemeinde gestemmt, erläutert Herbert Kropstat, SPD-Ortsvorsitzender und Gemeinderatsmitglied.
Doch wer denkt, der Geldsegen stamme nur von der hiesigen Regierung, irrt: Der Freistaat Bayern schlägt nämlich nur noch einmal so viel obendrauf, wie vom Europäischen Fonds für ländliche Entwicklung kommt; Kofinanzierung heißt dieses System. So konnte die Gemeinde vor Jahren auch den ersten Bürgerbus beschaffen, wurde der Kreisverkehr nach Meiersberg verschönert, konnten die Dorfgemeinschaftshäuser in Dürrnfarrnbach und Meiersberg errichtet werden, zählt Kropstat auf.
Für Matthias Dornhuber sind Finanzhilfen nur ein Aspekt der EU. Aus seiner Sicht mindestens genauso wichtig sei das gemeinsame Agieren der EU-Länder. Für diese echte Einigung sei die in Brüssel regierende „konservative Kommission“ nicht mehr die treibende Kraft. Und deshalb engagiere er sich voll und ganz für seine Kandidatur, „werbe um jede Stimme. 35 Sitze mehr für die sozialistische Fraktion, und wir stellen den Kommissionspräsidenten“, nennt Dornhuber als wichtigstes Wahlziel.
Ob der auf Platz 22 der deutschlandweiten SPD-Liste Kandidierende nach der Wahl im EU-Parlament selbst sitzt, ist offen: Derzeit stellt die SPD nur 16 Abgeordnete. Doch bekomme er dort einen Sitz, werde er sich engagieren, „um mit den europäischen Strukturen weiterzukommen; damit ein echter Binnenmarkt mit besseren Sozialstandards und Steuergerechtigkeit entsteht; für mehr Einfluss der Gewerkschaften auf die multinationalen Konzerne. Und natürlich für eine gemeinsame Sicherheitspolitik.“ Heute, so Dornhuber gegenüber unserer Redaktion, werde die EU stattdessen oft wahrgenommen als eine Institution, „die in Detaillösungen versinkt“.