Das ZDF zeigt endlich den ausgezeichneten Thriller „Promising Young Woman“ als Free-TV-Premiere in Deutschland. Kaum zu glauben, dass dieser Film hierzulande bisher nicht im frei empfangbaren Fernsehen lief.
Fünf Jahre nach dem deutschen Kinostart ist der Streifen jetzt beim ZDF zu sehen - und zwar spätnachts am Freitag (28. August) um 1.30 Uhr. Ab dann ist er auch einen Monat in der Mediathek - im ZDF-Streaming-Portal - abrufbar. Bei Prime Video und Magenta TV ist er derzeit ohnehin im Flatrate-Angebot.
Seine Uraufführung erlebte der amerikanisch-britische „Me too“-Thriller vor bald fast sieben Jahren beim Sundance Film Festival in Park City (Utah) im Januar 2020, also kurz bevor die Pandemie richtig losging.
Für die Oscars 2021 wurde der Film fünfmal nominiert: als bester Film, für die beste Regie, die beste Hauptdarstellerin, den Schnitt und das Drehbuch. Emerald Fennell wurde dann immerhin für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet.
Das Regiedebüt der damals 35-jährigen Fennell geht der Frage nach, ob es wirklich stimmt, dass die meisten Männer „gute Jungs“ seien, wo die Grenze zwischen Gut und Böse tatsächlich verläuft und ob sexueller Missbrauch in unseren Gesellschaften angemessen geahndet wird.
Carey Mulligan spielt hervorragend die traumatisierte Cassandra, die einst im Medizinstudium eine vielversprechende junge Frau war - eben eine promising young woman.
Seit der Vergewaltigung einer Studienfreundin ist Cassie psychisch aus der Spur geraten. Sie wohnt wieder bei den Eltern (als Mutter ist die großartige Jennifer Coolidge zu sehen aus „The White Lotus“).
Cassie jobbt nun in einem Café und scheint in einer Schleife aus Trauer und Wut gefangen zu sein. Sie geht in Bars und Clubs, spielt dort betrunken, lässt sich abschleppen, um dann bei den Männern die Vergewaltigungserlebnisse ihrer toten besten Freundin zu rächen.
Das satirisch angelegte, schwarzhumorige Drama unterläuft allerhand Erwartungen und ist als Rachefantasie gegen die sogenannte Rape Culture zu lesen, also die gesellschaftlichen Strukturen und vorherrschenden Denkmuster, die sexualisierte Gewalt verharmlosen, ignorieren, gar schützen oder normalisieren.
Wie das genau alles ausgeht, weiß man besser nicht vor dem ersten Gucken. Jedenfalls hat der Thriller Hitchcock-Qualität - nur eben feministischer.
In einer Szene des immer wieder überraschenden Dramas geht Cassie auf das Auto eines unverschämten Mannes los, schlägt wie wild auf dessen Truck. Dazu läuft „Vorspiel und Liebestod“ aus der Wagner-Oper „Tristan und Isolde“. Großes Kino.
Die Regisseurin Fennell ist auch Schauspielerin. Sie überzeugte einst etwa als Camilla Parker Bowles in den Staffeln drei und vier der erfolgreichen Netflix-Serie „The Crown“ über das Leben der britischen Königin Elizabeth II. und die Royals im 20. Jahrhundert.
Das ZDF zeigt übrigens zeitnah auch Fennells gefeierte schwarze Komödie „Saltburn“ erstmals im frei empfangbaren Fernsehen. Die Amazon-Produktion kam in Deutschland nicht regulär ins Kino, sondern wurde Ende 2023 beim Streamingdienst Prime Video veröffentlicht.
Ab 31. August steht der Film nach Ausstrahlung (in der Nacht von Sonntag auf Montag) für einen Monat nun auch im öffentlich-rechtlichen ZDF-Streaming-Portal bereit.
Im Mittelpunkt steht hier der Oxford-Student Oliver Quick (Barry Keoghan). Er wird von seinem reichen Kommilitonen Felix Catton (Jacob Elordi) auf das luxuriöse Familienanwesen Saltburn eingeladen.
Dort lernt er dessen exzentrische Familie kennen. Nach und nach wird deutlich, dass Oliver eine gewaltige Oberschicht-Obsession hat.
In diesem Erotik- und Psycho-Thriller wird lüstern mit Sperma versetztes Badewasser geschlürft, Selbstbefriedigung an einem Grab vollzogen und am Ende splitterfasernackt durch ein Schloss getanzt.
Es dürften also eher die Inhalte der Filme - und keineswegs die Qualität der Werke - für die späte, man könnte sagen: versteckte, Programmierung und nächtliche Ausstrahlung gesorgt haben.
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