Der Finanz- und Heimatstaatssekretär Martin Schöffel eröffnete am Dienstag anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Bayerischen Landesluftbildarchivs die Sonderausstellung „50 Jahre Bayerisches Luftbildarchiv 1975 bis 2025“. Die Gästeschar reichte von Vertretern aus Politik, Finanzen, Vermessung bis zu Fans von Luftfotos.
Das Landesluftbildarchiv besitzt über eine Million Luftbilder von ganz Bayern. Es zählt damit zu den größten dieser Art in Deutschland. Das Archiv wurde 1975 gegründet und gehört zur Bayerischen Vermessungsverwaltung. Es ist in Neustadt und in München angesiedelt.
Die analogen Luftbilder werden in Neustadt aufbewahrt, die digitalen Luftbilder am Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in München gespeichert.
Schöffel bezeichnete das Landesluftbildarchiv im ehemaligen Brauhausareal als „eine sensationelle Einrichtung“. Zwar ist der Oberfranke selbst in einer Brauerei aufgewachsen, da blute das Herz doch ein wenig, wenn eine solche nicht mehr existiert. Doch die neue Nutzung mit den detailgetreuen Bildern von oben ermögliche „völlig neue Perspektiven“.
Davon profitiere die Wissenschaft. Entwicklungen von Ortschaften lassen sich studieren – der Raumzuwachs von Iphofen wurde später im Vergleich großformatig an die Wand geworfen. Verkehrswege könnten ebenfalls erforscht worden.
„Das alles hat eine hohe Bedeutung“, so Schöffel. Seit 2009 sind alle Luftbilder digitalisiert, seit 2020 werden sie mit Künstlicher Intelligenz ausgewertet und 2026 wird die Satellitenmission gestartet. „Dann gibt es alle drei Tage ein neues Bild“, so Schöffel. Als Nutzung nannte der Staatssekretär die „Kampfmittelräumung“ – Luftbilder der Kriegszeit könnten mit topaktuellen verglichen werden, falls Baumaßnahmen an jenen Stellen geplant sind. Nicht zu vergessen der Breitbandausbau, wozu er meinte: „Wir machen viel.“
Wir sollten das, was über Jahrzehnte gewachsen ist, weiterführen.
Pro Jahr wird aktuell 60 Prozent der Fläche in Bayern im Bild aufgenommen. Dieses professionelle Archiv könne von jedem genutzt werden – beispielsweise die Schülerinnen und Schüler der Grund- und Mittelschule Diespeck tun das auch regelmäßig, so Rektor Ulrich Schöttle.
„Wir sollten das, was über Jahrzehnte gewachsen ist, weiterführen“, betonte Schöffel. Es gewähre faszinierende Einblicke. Die Grenzen mit Vermessungsamt und Siebenern, die es schon seit 600 Jahren in Deutschland gebe, zu sichern, sei „das beste System, das es in Deutschland gibt und das kostengünstigste für die Bürger. Es gibt kein zuverlässigeres System.“
Stellvertretender Landrat Hans Herold, nun Landtagsabgeordneter a. D., habe damals gesagt. „Eigentlich muss das Landesluftbildarchiv nicht in München sein.“ Westmittelfranken sei auch ein guter Ort dafür. Nun sind hier nicht nur das Landesluftbildarchiv, sondern auch das BayernLab und eine Abteilung des Landesamtes für Steuern angesiedelt. Das Technologietransferzentrum kam ebenfalls nach Neustadt.
Dass dieser Erfolgsgeschichte ein Gespräch mit dem heutigen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder in einem Hallenbad im Rahmen einer Parteiklausur vorausging, erzählte Herold „aus seinem Nähkästchen“ und stellte fest, dass im Landesluftbildarchiv nur Frauen arbeiten.
Dr. Michael Unger, stellvertretender Generaldirektor der staatlichen Archive in Bayern, hielt das dritte und letzte Grußwort. Er verwies auf die hohe Authentizität, welche das Landesluftbildarchiv gewähre. Es sei sehr sinnvoll, diese Bilder langfristig zu speichern.
Die Leiterin des Amtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Neustadt, Uta Kubaschek-Arz, moderierte den Grußwort-Reigen.
Die Bilder zeigen die Zerbrechlichkeit der Natur.
Die Veranstaltung sei „ein besonderer Tag für uns“. Die Sonderausstellung dokumentiere „fünf Jahrzehnte wertvoller Arbeit. Luftbilder sind eine unverzichtbare Ressource für die Wissenschaft. Sie zeigen, wie sich Bayern verändert hat, sie zeigen die Zerbrechlichkeit der Natur.“
In den Keller führte die Leiterin des Landesluftbildarchives, Silvia Pertschi, die große Gruppe. Besagtes Untergeschoss war früher das Flaschenlager der Brauerei. Wichtig seien hier die konstante Temperatur von 17 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von etwa 50 Prozent, damit die Negative – 900.000 lagern dort – möglichst lange erhalten bleiben. Pertschi zeigte in diesem Zusammenhang auch ein Negativ, das unsachgemäß behandelt worden war, was für Aha-Effekte sorgte.
Die ältesten Bayern-von-oben-Aufnahmen stammen übrigens aus dem Ersten Weltkrieg.
Geöffnet ist das Landesluftbildarchiv in der Bamberger Straße 48 in Neustadt von Dienstag bis Freitag zwischen 10 und 17 Uhr. Während der Sonderausstellung finden jeden Mittwoch ab 14.30 Uhr Führungen statt. Die Teilnahme ist kostenlos und erfordert auch keine Anmeldung. Die Sonderausstellung ist bis zum Sonntag, 14. September, zu sehen.