Der Name dürfte zwar bislang meist nur Insidern geläufig sein. Doch die Autos kennen längst die allermeisten. Denn still und heimlich hat sich der chinesische Geely-Konzern über eine Beteiligung an Mercedes, die Führung von Smart, die Übernahme von Volvo, Lotus und dem London Taxi sowie die Einführung der Marken Polestar, Lynk & Co und Zeekr auch in Europa zu einer großen Nummer aufgeschwungen. Aber dabei soll es nicht bleiben.
Nun startet Geely bei uns auch unter eigenem Namen und will vor allem als Budget-Marke punkten, die mit niedrigen Preisen und langen Garantien gegen bürgerliche Größen wie Volkswagen und Opel, Toyota oder Hyundai und Kia antritt. Los geht es mit zwei SUV für die gehobene Kompaktklasse, eines mit Plug-in-Hybrid und eines voll elektrisch. Bis 2028 soll das Modellportfolio vom billigen Kleinwagen bis zum repräsentativen SUV auf ein knappes Dutzend Baureihen wachsen.
Am meisten erhoffen sich die Chinesen vom Starray, der zu Preisen ab 32.990 Euro als SUV von 4,74 Metern gegen Modelle wie Toyota RAV-4, Kia Sportage oder VW Tiguan antritt. Es gibt ihn ausschließlich als Plug-in-Hybrid, der in Kombination aus 1,5-Liter-Benziner und E-Maschine bis zu 193 KW/262 PS an die Vorderachse bringt und maximal 170 km/h ermöglicht.
Allerdings haben die Kunden die Wahl zwischen zwei Akkus mit 18,4 kWh für 83 Kilometer oder 29,8 kWh für 136 Kilometer elektrische Fahrstrecke, die entweder vom Benziner geladen werden oder mit bis zu 78 kW am Gleichstromanschluss. Sie drücken den Normverbrauch auf bestenfalls 1,5 Liter (CO2-Ausstoß 33 g/km) und sorgen zudem im E-Betrieb für eine angenehm ruhige Atmosphäre.
Wer dauerhaft in Stille stromern will, dem verkaufen die Chinesen für 37.990 Euro aufwärts den E5. Er misst 4,62 Meter, erinnert beim Design ein klein wenig an den entfernten Cousin Smart #1 und tritt gegen Fahrzeuge wie Kia EV5, VW ID.4 oder Toyota C-HR+ an.
Auch ihn gibt es nur in einer Leistungsklasse mit 160 kW/218 PS-Frontantrieb für bestenfalls 165 km/h, aber mit zwei Akkus: Das Einstiegsmodell hat 60,2 kWh, schafft 430 Normkilometer und lädt mit bis zu 120 kW, für 2.000 Euro mehr gibt es 68,4 kWh, 475 Kilometer und 135 kW Ladeleistung.
Antrieb und Auftritt der beiden SUV aus der Startaufstellung sind zwar unterschiedlich. Auch die Ausstattung unterscheidet sich im Detail, wenngleich beide Modelle anders als manche Konkurrenten Extras wie Sitzklimatisierung, Massage, Panoramadach und Head-up-Display bieten.
Doch das Ambiente ist dagegen vergleichbar: Hier wie dort wirkt die Materialauswahl solide, die Verarbeitung ist gründlich. Und für das Cockpit gibt es ein Layout, das mit einem schlanken Display-Balken hinter dem Lenkrad und einem riesigen, quer montierten Tablet daneben gewaltig an den neuen Volvo EX60 erinnert.
Allerdings sind ausgerechnet die Chinesen etwas konservativer als die Schwester aus Schweden und bauen drumherum noch mehr Schalter und Knöpfe ein. Egal, ob Klima oder Musikprogramm – ein paar Tasten auf der Mittelkonsole und im Lenkrad erleichtern auch jenen Zeitgenossen die Bedienung, deren Adoleszenz noch analog geprägt war.
Dass man trotzdem nicht umhin kommt, tief in die digitalen Menüs einzutauchen, liegt zum einen an der umfangreichen Zusatzausstattung. Denn Sitzklimatisierung oder Massage lassen sich nur auf dem Touchscreen steuern.
Zum anderen liegt es aber vor allem an den Assistenzsystemen. Die sind ebenfalls in üppigem Umfang verbaut - aber leider zugleich so nervös, dass sie schnell nervig werden und man deshalb binnen weniger Minuten nach dem entsprechenden Bedienfeld sucht, um das Gepiepse zu stoppen.
So weit, so typisch für chinesische Hersteller. Doch hinsichtlich des Fahrverhaltens sind Starray und E5 erfreulich europäisch: Es gibt zwar bestimmtere Autos in dieser Klasse, die engagierter lenken und den Fahrer enger einbinden ins Geschehen. Aber verglichen mit anderen China-Modellen bieten beide Geely zum hohen Fahrkomfort auch eine vergleichsweise präzise Rückmeldung und entsprechend viel Spaß am Steuer.
Erst recht, wenn man in den Sportmodus wechselt und den Autos damit die Sinne schärft. Dann reagiert das Fahrpedal spontaner und die Lenkung noch etwas direkter. Da haben die Entwickler im europäischen Entwicklungszentrum in Raunheim einen guten Job gemacht. So gut, dass auch andere Kontinente das hiesige Set-up mittlerweile übernehmen.
Aber viel wichtiger als das gelegentliche Grinsen auf den Lippen des Fahrers sind bei solchen Familienkutschen die Platzverhältnisse für Insassen und Gepäck. Die sind trotz unterschiedlicher Längen vergleichbar, weil der kürzere E5 auf einer elektrischen Skateboard-Plattform steht, die weniger Bauraum verschenkt. Hier wie dort sitzen deshalb selbst in der zweiten Reihe auch Erwachsene bequem.
Und während man sich vor allem im E5 darüber ärgert, dass es im Bug keinen Stauraum zumindest fürs Ladekabel („Frunk“) gibt, überraschen die Chinesen dafür mit einem riesigen Souterrain im Heck des Elektroautos: Unter dem mit 461 Litern ohnehin schon großen Kofferraum befindet sich ein zweites Staufach mit über 100 Litern Volumen, und unter der Rückbank gibt es noch zwei praktische Schubladen.
Im Starray bleibt allerdings nicht ganz so viel Platz. Mit dem Vierzylinder unter der Haube hat auch er keinen Frunk, und bei ihm passen insgesamt nur 528 Liter durch die Luke am Heck.
Ja, Geely ist spät dran mit dem Start unter dem eigenen Namen. Und nein, weder der Starray noch der E5 stechen aus der schier unendlichen Welle der China-Autos heraus. Sie sind nicht besonders auffällig gezeichnet und ihre technischen Eckdaten sind allenfalls gehobener Durchschnitt.
Das macht sie bei Auftritt und Antrieb im wahrsten Sinne unauffällig. Doch die Ausstattung ist üppig, die großzügige Garantie schafft Vertrauen, und die Preise sind eine Kampfansage an Koreaner und Europäer. Mit Zeekr, Polestar & Co. mögen die Chinesen Klasse beweisen, aber mit der Eigenmarke und Geely die Chance, jetzt auch Masse zu machen.Datenblatt: Geely Starray | Geely E5 Max+
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