Im Meeting wird Ihre Idee übergangen - und fünf Minuten später von jemand anderem gefeiert. Oder eine Aufgabe landet plötzlich auf Ihrem Tisch, obwohl Sie klar gesagt haben, dass Sie sie nicht übernehmen wollen.
Solche Situationen sind mehr als schlechte Stimmung: Oft stecken Machtspiele dahinter, die das Arbeitsklima vergiften und Teams ausbremsen. Dabei geht es nicht nur um Sätze wie „Egal, was du davon hältst: Ich bin der Chef und ich allein entscheide, was jetzt richtig ist“. Vielmehr zeigen sich Machtspiele im Job höchst unterschiedlich.
Meist geht es um informelle, teils hinter den Kulissen laufende Versuche, andere zu beeinflussen, Macht zu sichern oder eigene Ziele durchzusetzen, nicht immer entlang offizieller Rollen und Prozesse. Solche Muster können in jeder Organisation vorkommen, besonders dort, wo Informationen knapp sind, Entscheidungen intransparent wirken oder Zuständigkeiten unklar bleiben.
„Jeder im Berufsleben verfolgt eigene Interessen, das ist normal“, sagt Gerhard Blickle, Universitätsprofessor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie am Institut für Psychologie der Universität Bonn. So ist es völlig legitim, Netzwerke zu pflegen, um über Kontakte beruflich voranzukommen. Wenn aber persönliche Interessen zum Nachteil für andere im Team werden und vielleicht sogar über den Unternehmenserfolg gestellt werden, wird es destruktiv.
Machtspiele können ganz dabei unterschiedlich aussehen. Mitunter beginnt es offen, etwa wenn eine Führungskraft eine Beschäftigte zu einer Aufgabe drängt, die sie eigentlich überhaupt nicht machen möchte. „Die Führungskraft kann aber qua ihrer hierarchischen Funktion zumeist durchsetzen, dass die Beschäftigte gegen ihren ausdrücklichen Willen die Aufgabe erledigt“, sagt Blickle.
Häufiger sind subtilere Signale: Wenn bestimmte Personen ausgegrenzt und in Entscheidungsprozessen nicht einbezogen werden, spreche das für Machtspiele, so Eva Boos, Business Coach in Berlin. Auch wenn Beschäftigten ohne Begründung Aufgaben entzogen werden, die sie in der Vergangenheit top erledigt haben, kann das ein Hinweis sein.
Typisch sind außerdem übermäßige Kontrolle, mangelnde Transparenz oder ständige Rückfragen – ebenso wie das Abschieben von Verantwortung bei unliebsamen Aufgaben oder Fehlern.
Powerplay kann sich auch in Meetings zeigen. Ein Mitarbeiter macht dort einen konstruktiven und überzeugend klingenden Vorschlag, danach herrscht zunächst Schweigen. Das Meeting läuft weiter – und kurz darauf präsentiert eine Kollegin quasi den identischen Vorschlag, diesmal mit sehr positivem Echo. „Augenscheinlich hat sich im Team eine Gruppe gebildet, die gegen andere intrigiert“, so Boos.
Auf lange Sicht führen Machtspiele dazu, dass Beschäftigte zunehmend unzufrieden werden. Auch die Motivation sinkt, wenn bestimmte Menschen am Arbeitsplatz immer wieder versuchen, ihre Position auszunutzen und auf dem Rücken anderer durchzusetzen. Wer sich dagegen wappnen will, sollte sich ein paar zentrale Strategien aneignen. „Wichtig ist vor allem, Grenzen zu setzen“, sagt Boos. Was dabei hilft:
Nicht alles lässt sich allein im Zweiergespräch lösen. Teams können gemeinsam darauf schauen, Machtspiele möglichst zu unterbinden. „Hilfreich ist, alle an einen Tisch zu holen und gemeinsam Team-Regeln aufzustellen“, sagt Blickle. Dabei gelte es, eindeutige Zuständigkeiten zu schaffen sowie klare Regeln für alle aufzustellen.
Boos rät zudem, eine professionelle Moderation bei Meetings zu vereinbaren. Hierzu gehöre, jeden zu Wort kommen und ausreden zu lassen. Ergebnisse und Entscheidungen werden dokumentiert, damit sie später niemand umdeuten kann. „Kein Unternehmen sollte sich eine Angstkultur leisten“, sagt Boos. Denn sie vergiftet das Arbeitsklima – und schadet letztendlich auch dem Unternehmenserfolg.
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