„Ich bin so froh, dass er da ist“, erklärt Ellen Hufnagel. Ein bis zwei Mal wöchentlich kann sie auf die Unterstützung von Rudolf Glück zählen. Der 68-Jährige und die 24-Stunden-Kraft Medea Bria aus der Slowakei sorgen dafür, dass die Seniorin nach zwei Schlaganfällen und mit eingeschränkter Mobilität weiter zu Hause wohnen kann.
Das möchte die 83-Jährige noch möglichst lange. Rudolf Glück ist als Ehrenamtlicher für die Fachstelle für pflegende Angehörige im Einsatz – und das schon seit vielen Jahren. Bereits 2014 absolvierte er die für diese Aufgabe notwendige Laienhelferschulung für die häusliche Betreuung demenzkranker Menschen.
Dabei lernte er viel über die Situation pflegender Angehöriger, gerontopsychiatrische Krankheitsbilder und Demenzerkrankungen sowie den Umgang mit Betroffenen. Auch mit Themen wie Kommunikation und Gesprächsführung setzt man sich in der Schulung auseinander, tut dies auch bei den aktuellen Angeboten.
Während die 24-Stunden-Kräfte, die bei Ellen Hufnagel wohnen und unter anderem im Haushalt unterstützen, häufig nur wenige Wochen blieben und in einem Jahr gar 13 Mal wechselten, kommt Rudolf Glück schon seit längerem zur Seniorin. Ein bis zwei Mal wöchentlich holt er die 83-Jährige in Burghaslach ab und fährt sie zum Arzt, zum Einkaufen, zur Physiotherapie oder zur Bank.
Diese ist froh über das Angebot, muss sie so doch nicht immer auf Bekannte zurückgreifen. Von ihrer Familie wohnt keiner vor Ort, sie leben vielmehr Hunderte oder Tausende Kilometer entfernt. Hinzu kommt, dass sie zum Teil – wie beispielsweise ihr Sohn – viel unterwegs sind. Wenn es irgendwie möglich ist, schauen Kinder oder Enkel vorbei.
„Wir sehen zu, dass die Ehrenamtlichen wortortnahe Einsätze haben“, sagt Svenja Zimmermann, Leiterin der Fachstelle für pflegende Angehörige der Diakonie Neustadt. Das ist bei Rudolf Glück der Fall, der ebenfalls in Burghaslach lebt. Seine Frau Martina brachte ihn auf die Idee, als Ehramtlicher in diesem Bereich aktiv zu werden. Sie selbst hatte die Aufgabe lange ausgeübt, es dann aber berufsbedingt nicht machen können.
Ihr Mann stellte sich der Herausforderung, hatte er doch nach seiner krankheitsbedingten Frühverrentung nach einer neuen Aufgabe gesucht. Für ihre Einsätze bekommen er und die derzeit rund 20 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer eine Aufwandsentschädigung von neun Euro in der Stunde. Neben Ellen Hufnagel betreut der 68-Jährige noch eine weitere Frau.
In der Regel geschieht das bei den Betreuten daheim. Fahrdienste bilden eher die Ausnahme. „Durch die Hausbesuche der Ehrenamtlichen wird den pflegenden Angehörigen Zeit geschenkt, damit sie durchschnaufen und Sachen erledigen können“, betont Zimmermann. Die Betreuung durch die Helferinnen und Helfer richtet sich nach den Bedürfnissen des Erkrankten und seiner Familie.
Vorlesen, zuhören, spazieren gehen oder Gesellschaft leisten, bilden das Einsatzspektrum ab. „Jeder Fall ist anders“, resümiert Zimmermann. Diese Vielfalt gefällt Rudolf Glück, der allerdings eines unterstreicht: „Wir sind kein Notdienst und keine Krankenpfleger.“ Und noch eines ist ganz wichtig: die Chemie zwischen Betreutem und Ehrenamtlichem muss stimmen. Das ist bei Ellen Hufnagel und Rudolf Glück der Fall. „Ich habe Glück mit Herrn Glück“, sagt die Burghaslacherin und schmunzelt.
Wer wie der 68-Jährige dem Helferkreis bei der Fachstelle für pflegende Angehörige angehören möchte, sollte sich zu der Anfang Oktober beginnenden Schulung anmelden. Sie umfasst 40 Unterrichtseinheiten je 45 Minuten, zusammengefasst werden sie zu fünf Terminen. Die Schulungen finden im evangelischen Gemeindezentrum in Neustadt statt. Auch als Angehöriger eines zu Pflegenden kann man sich anmelden, betont Zimmermann.
Sie kann nur empfehlen, sich mit der Diakonie-Fachstelle in Verbindung zu setzen. Dort gibt es viele Informationen rund um das Thema Pflegebedürftigkeit und Demenz. „Wir informieren über Hilfs- und Entlastungsangebote.“
Es gibt etwa Unterstützung, wenn es darum geht, zu klären, welche Leistungen es von der Pflegeversicherung gibt, oder wie die Einstufung erfolgt. „Wenn jemand in der Familie pflegebedürftig wird, bricht für manche erst einmal alles zusammen. Viele fühlen sich überfordert und fragen sich, was auf sie zukommt“, weiß Svenja Zimmermann aus etlichen Gesprächen. Anderen, die schon länger pflegen, können irgendwann einfach nicht mehr.
Oft hat das zeitaufwendige Engagement Auswirkungen auf die Partnerschaft, auf Kinder, auf den Job. Damit es nicht so weit kommt, sollte man rechtzeitig Unterstützung suchen. Svenja Zimmermann ist unter 0 91 61/89 95 23 oder unter zimmermann.svenja@dw-nea.de erreichbar.