So rettet Egenhausen seine Kirchweih - und macht sie „richtig groß” | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.08.2024 17:13

So rettet Egenhausen seine Kirchweih - und macht sie „richtig groß”

Sie sind bei der Organisation der Kirchweih in Egenhausen mit dabei (von links): Fabian Stadlinger, Brigitte Heindel, Lukas Billenstein, Julia Stöhr, Ludwig Heindel, Thomas Heindel und Kathrin Lawrenz. (Foto: Nina Daebel)
Sie sind bei der Organisation der Kirchweih in Egenhausen mit dabei (von links): Fabian Stadlinger, Brigitte Heindel, Lukas Billenstein, Julia Stöhr, Ludwig Heindel, Thomas Heindel und Kathrin Lawrenz. (Foto: Nina Daebel)
Sie sind bei der Organisation der Kirchweih in Egenhausen mit dabei (von links): Fabian Stadlinger, Brigitte Heindel, Lukas Billenstein, Julia Stöhr, Ludwig Heindel, Thomas Heindel und Kathrin Lawrenz. (Foto: Nina Daebel)

Es war eine Hiobsbotschaft, als sich im vergangenen Jahr abgezeichnet hatte, dass das Gasthaus „Zum Kirchenwirt“ in Egenhausen schließen muss. Denn damit stand auch die Kirchweih des Obernzenner Ortsteils auf der Kippe. Doch das Brauchtum sterben lassen? Das wollte die Dorfgemeinschaft unbedingt vermeiden und übernahm die Organisation kurzerhand selbst.

Nachdem klar war, dass man die Kerwa in Eigeninitiative umsetzen will, wurde eifrig die Mitmach-Werbetrommel gerührt. „Wir haben Flyer verteilt und so haben sich schnell viele Interessierte gefunden, die helfen wollten. Wir haben dann alle an einem Strang gezogen“, erinnert sich Julia Stöhr, die sich gemeinsam mit Kathrin Lawrenz um das Kinderprogramm gekümmert hat. Das lockt nun mit Vielfalt, Abwechslung und Neuartigem.

Festzelt in Egenhausen steht beim Lindenplatz

Der Zeltaufbau am und um den Lindenplatz herum startet am morgigen Samstag und wird vor allem von den Mitgliedern der Jugendgruppe Egenhausen unter dem Vorsitz von Ludwig Heindel sowie dessen Stellvertreter Lukas Billenstein gestemmt. Der offizielle Kerwa-Auftakt ist dann am Donnerstag, 15. August. Gefeiert wird bis einschließlich Montag, 19. August. „Richtig groß“ soll die Kirchweih wieder werden. Deswegen gibt es auch ein Zelt, das Platz für 300 Personen bietet. Zusätzlich gibt es ein angrenzendes Küchenzelt sowie ein Barzelt.

Und überhaupt: Bei der Kerwa in Egenhausen wird nichts weggelassen. Für die Speisen im Festzelt sorgt das Landgasthaus Hofmann aus Oberdachstetten, das Bier wird vom Bürgerbräu Bad Windsheim geliefert. Geboten wird zudem Brauchtum pur, mit allem, was dazugehört: Kerwa-Baum-Aufstellen, Kerwa-Umzug, Kerwa-Zeitung, das Aus- und Begraben der Kerwa, Frühschoppen, Hammel-Verlosung, Festgottesdienst, Festzeltbetrieb mit Live-Musik und Kerwa-Ausklang. „Wir wollen dieses Brauchtum erhalten“, betont Ludwig Heindel. Deswegen komme eine abgespeckte Kerwa mit kleinem Zelt und Musik aus der Konserve auch nicht in Frage. Und deswegen wird der Kerwa-Baum auch nicht mit einem Kran in die Höhe gehievt, sondern mit Schwalben und Muskelkraft. Maximal 22 Meter hoch darf er sein. „Sicherheit geht vor“, sagt Fabian Stadlinger. Platziert wird der Baum traditionell vor der Kirche. Musikalisch begleitet wird die Aktion vom Musikverein Obernzenn.

Schlachtschüssel am Donnerstag

Der spielt auch am ersten Kerwa-Abend – am Donnerstag, 15. August – ab 20 Uhr im Festzelt. Dort gibt es bereits ab 17 Uhr Schlachtschüssel. Am Freitag, 16. August, ist das Festzelt in der Zeit von 18.30 bis 19.30 Uhr fest in Kinderhand. Dann dürfen die Jungen und Mädchen zu Disco-Sounds über die Tanzfläche hüpfen. Anschließend feiern die Erwachsenen weiter: mit DJ Freddy und Gegrilltem von „The BBQ Saga“.

Und auch am Samstag, 17. August, werden die Gäste mit Gegrilltem verwöhnt. Als Band stehen ab 19.30 Uhr „Die Wittmann’s Buam“ auf der Bühne des Festzelts. Vorher aber muss noch gekämpft werden: beim Kerwa-Spiel der Altherren-Mannschaft am Sportplatz.

Am Sonntag, 18. August, folgt dann ein Höhepunkt auf den nächsten. Gestartet wird um 9 Uhr mit dem Festgottesdienst in der Allerheiligenkirche, gefolgt vom Kerwa-Baum-Aufstellen ab 10.15 Uhr. Mittagessen im Festzelt wird von 11 bis 13.30 Uhr serviert. Direkt im Anschluss schlängelt sich der Umzug durch den Ort. Ab 15.30 Uhr gibt es ein weiteres Kerwa-Spiel am Sportplatz. Das Festzelt wird an diesem Tag nicht geöffnet, stattdessen lässt man den Abend direkt am Sportheim ausklingen – bei Currywurst und Musik aus der Dose.

Die Organisation ist ein Kraftakt

Der letzte Tag der Kerwa, der Montag, 19. August, beginnt um 9.30 Uhr mit einem musikalischen Frühschoppen im Festzelt. Ab 11.30 Uhr gibt es Mittagessen, die Hammel-Verlosung am Kerwa-Baum folgt ab 17 Uhr und ab 18 Uhr trifft man sich zum Abendessen „mit Musik wie anno dazumal“ im Festzelt. Dann wird gemeinsam der Kerwa-Ausklang gefeiert. Für die Kleinen gibt es zwischen 14 und 18 Uhr ein Extra-Programm am Kerwa-Baum: mit Glücksrad und Kinderschminken, mit dem Kinder-Musiker Tim Mohr, der ein Mitmachkonzert ab 15 Uhr gestaltet, und auch ein Eismann schaut vorbei.

Das Feierabendlied beschließe den Kerwa-Abend. „Alle weinen und gehen getrennte Wege“, heißt es. So ganz wird es das dann aber doch noch nicht gewesen sein: Denn am Dienstag wird abgebaut und aufgeräumt. „Da tut man wochenlang rum, dass man es aufbaut, und dann ist es in sieben Stunden wieder abgebaut“, sagt Fabian Stadlinger. Am Dienstag-Abend wird der harte Kern der Kerwa-Mitmacher ein letztes Mal zusammenkommen. Wie es das Brauchtum nun mal will, muss der Kerwa-Krug wieder vergraben werden. Fürs nächste Jahr. Vorher wird er mit Unterschriften verziert und es kommen allerlei Gegenstände hinein, unter anderem die Kerwa-Zeitung. „Gut gepolstert und wasserdicht verpackt“ wird der Krug schließlich irgendwo in Egenhausen vergraben.

„Aber auf keinen Fall in der Mitte des Sportplatzes“, so Stadlinger. Das sei wohl einmal gemacht worden. Doch im darauffolgenden Jahr hatte sich der Mittelpunkt des Sportplatzes irgendwie verschoben, so dass lange und viel gebuddelt werden musste, um den Krug zu finden. „Das machen wir nicht noch einmal.“

Viel Liebe zum Detail

Dass die Kerwa-Organisation „ein Kraftakt“ ist, betont Ludwig Heindel ausdrücklich. Aber man mache das gerne. „Wir freuen uns, wenn unsere Kumpels zum Fest kommen und wir gemeinsam Gaudi haben können.“ Und andersrum sei man auch froh, wenn man sich in anderen Orten die Mühe macht, eine Kerwa mit allem Drum und Dran auszurichten.

Deswegen werde auch in den Bau der Wagen, die beim Umzug mitfahren, viel Zeit und Liebe zum Detail gesteckt. Drei Geschichten sollen in diesem Jahr erzählt werden. Welche genau und wer dabei möglicherweise nicht ganz so gut wegkommen wird? Das ist noch streng geheim. Genauso wie das, was in der Kerwa-Zeitung stehen wird. „Liebesgeschichten und Trauergeschichten“ werden sich darin wohl wieder finden, mutmaßt Julia Stöhr. Davon würde es auch nach jeder Kirchweih wieder viele neue geben. Die werden dann aber erst wieder im nächsten Jahr erzählt.

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