So geht es Till Ramming heute: Vater Erwin erzählt vom verlorenen Sohn | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.05.2024 19:43

So geht es Till Ramming heute: Vater Erwin erzählt vom verlorenen Sohn

Moderator Rudi Cerne suchte in einer Sondersendung von „Aktenzeichen XY...“ über Vermisste nach Zeugen in dem Fall. (Foto: ZDF/Nadine Rupp)
Moderator Rudi Cerne suchte in einer Sondersendung von „Aktenzeichen XY...“ über Vermisste nach Zeugen in dem Fall. (Foto: ZDF/Nadine Rupp)
Moderator Rudi Cerne suchte in einer Sondersendung von „Aktenzeichen XY...“ über Vermisste nach Zeugen in dem Fall. (Foto: ZDF/Nadine Rupp)

Es ist eine Sensation, die das Polizeipräsidium Mittelfranken am Dienstag um exakt 10.08 Uhr verkündete: Till Ramming ist wieder da. Der Markt Bibarter galt seit September 2017 – damals war er 15 Jahre alt – als vermisst. Seine Familie hatte sieben Jahre kein Lebenszeichen erhalten. Seit Ende April ist er wieder daheim – und seine Eltern sind ihm nicht einmal böse.

Vater Erwin Ramming wirkt am Telefon gefasst. Schon eine Weile hat er sich auf diesen Moment vorbereitet. Jenen Moment, in dem die Presse anruft und nach der Geschichte seines Sohnes fragt: Till Ramming. Der Vermisstenfall hatte hohe Wellen geschlagen, in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...“ wurden noch im Juni 2022 Zeugen gesucht, die den jungen Mann möglicherweise gesehen haben, Sat.1 widmete der Geschichte gar eine eigene Sendung. Aber nichts tat sich. Bis vor wenigen Wochen.

Botschaft vom vermissten Till im Facebook-Messenger

21. April: Im Hause Ramming schlug über den Facebook-Messenger eine Nachricht auf – von Till Ramming. Sieben Jahre hatten sie die Stimme ihres Sohnes und Bruders nicht mehr gehört, ihn nicht mehr gesehen. Dann ist da plötzlich diese Botschaft. „Das war sehr überraschend“, sagt Erwin Ramming. „Man zweifelt dann schon, ob er es auch wirklich ist.“ Er stellte ihm Fragen über Ereignisse, die nur der echte Till beantworten kann – und er wusste auf jede eine Antwort. „Da habe ich gemerkt: Das kann nur der Till sein.“

Am nächsten Tag meldete sich der mittlerweile 21-Jährige telefonisch. Er sei in Berlin, untergekommen in einer Wohngemeinschaft. Sein Handy sei kaputt, er habe keinerlei Kommunikationsmöglichkeit gehabt. Viele lange Jahre habe er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. „Und es ist ihm nicht schlecht gegangen“, sagt der Vater. Ein kräftiger Bursche sei er, im Prinzip schaue er noch so aus wie auf dem Fahndungsfoto als 15-Jähriger. „Er hat sich wirklich kaum verändert.“

Till Ramming hatte nur einen Wunsch: zurückzukehren, ins Elternhaus nach Markt Bibart. „Das ist kein Problem, das darfst du gerne tun“, habe die Familie geantwortet. Wenige Tage später holten ihn zwei seiner Brüder mit dem Auto in Berlin ab. „Und dann standen sie da plötzlich zu dritt in der Tür. Es war so, als ob er nie weggewesen wäre.“

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„Er hat sich eben gut versteckt.”

Erwin Ramming

Aber wie kann ein Jugendlicher, nach dem überall gefahndet wird, so lange unerkannt bleiben? „Er hat sich eben gut versteckt“, sagt Erwin Ramming, „und er hat gelernt, Polizeikontrollen aus dem Weg zu gehen.“ Er habe keine Straftaten begangen, keine Drogen genommen, ist der Vater überzeugt, sondern ein unauffälliges Leben geführt.

Böse sind seine Eltern nicht, versichert Erwin Ramming. Warum der Sohn damals einfach abgetaucht ist? Für den 64-Jährigen liegen die Gründe auf der Hand: „Mobbing in der Schule.“ Von Schülern, „aber auch von Lehrern, was man so gehört hat“. Till Ramming sei „durch den Wolf gedreht worden. Das war eine Unverschämtheit.“ Dann sei er eben los. Erwin Ramming zieht einen Vergleich zur Walz so mancher Handwerkerzunft. Bei sich und seiner Familie sieht er keine Schuld.

Von Markt Bibart ins Emsland

2017 war der damals 15-Jährige ins Emsland zu einer Internetbekanntschaft gegangen. „Er war im Emsland, ganz klar.“ Dort, so sagt Erwin Ramming, sei er von Behördenvertretern sogar aufgegriffen worden. Die hätten ihn einfach in den Zug Richtung Neustadt/Aisch gesetzt – mit den Worten: „Du sollst heimfahren.“

Da kam der Jugendliche aber nie an. Das Jugendamt habe nur gefragt: „Wo ist er denn?“ Erwin Ramming schüttelt darüber nur mit dem Kopf. „Über die Erlebnisse mit den Behörden und der Polizei könnte ich ein ganzes Buch schreiben.“ Die Behörden waren am Dienstag nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.


„Till hat keine Flausen im Kopf.”

Erwin Ramming

Doch wie geht es weiter? Der 21-Jährige hat keinen Schulabschluss, keine Ausbildung. Noch nicht. Denn laut dem Vater ist er gerade auf der Suche nach einer Stelle, will in der Abendschule seinen Abschluss nachholen. Der Impuls dazu, betont Erwin Ramming, kam von Till, nicht von den Eltern. „Ich habe vier Kinder. Drei davon sind groß und verdienen ihr eigenes Geld. Das wird auch der Till bald machen.“ Er habe „keine Flausen im Kopf“, sondern wolle sein Leben ordnen.

Die Hoffnung, Till eines Tages wieder lebend zu sehen, hat die Familie nie aufgegeben, obwohl Gerüchte die Runde machten, er sei Opfer eines Gewaltverbrechens geworden – sogar die Kripo hatte in diese Richtung ermittelt. Dem Vater sei aber klar gewesen, dass sein Sohn lebt. Der wisse schließlich, wie man sich im Wald ernährt, das habe er seinem Sohn als Jagdpächter freilich beigebracht.

Viele Anrufe und schwere Vorwürfe

Erwin Ramming berichtet von vielen skurrilen Anrufen. „Einer hat uns sogar geraten, die Trovatos aus dem Fernsehen einzuschalten.“ Ramming: „Ich werde 65 Jahre alt und habe schon einiges mitgemacht. So ein Blödsinn, da leg ich sofort auf.“ Böse Menschen hätten im Netz sogar gegen die Eltern gehetzt, die Zeit sei nicht einfach gewesen. Gedanken und Sorgen um die Zukunft macht sich der Vater aber nicht: „Wir leben unser Leben. Was andere denken und machen, das ist deren Problem.“

Till Ramming selbst wollte sich gegenüber der FLZ am Dienstag nicht äußern.

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