Als Teil der Identität Bayerns bezeichnete am Sonntag der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Siebenbürger Sachsen. Nach dem Trachtenumzug sicherte er die weitere Unterstützung des Freistaates bei der Bewahrung siebenbürgischer Tradition und Kultur zu.
Tausende Menschen siebenbürgischer Abstammung versammelten sich am Pfingstwochenende in Dinkelsbühl, um ihren 74. Heimattag zu feiern. Der stand in diesem Jahr unter dem Motto „75 Jahre Gemeinschaft – Mach mit!“. Höhepunkt war am Sonntag der Trachtenumzug, an dem nach Angaben des Veranstalters rund 2800 Menschen aller Generationen teilgenommen haben. Mit dem Tragen ihrer Tracht gäben die Siebenbürger Sachsen auch heute noch ein Bekenntnis zu ihrer Tradition und ihrem Brauchtum ab, stellte Moderatorin Ines Wenzel fest.
Kurz nach der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai, nach der in Deutschland die Gründung von Vereinen wieder möglich war, wurde der Verband der Siebenbürger Sachsen und damals noch Banater Schwaben in München ins Vereinsregister eingetragen. Dieses Jubiläum stand heuer besonders im Blick.
Innenminister Herrmann würdigte nicht nur die generationenübergreifende Zusammenarbeit der Siebenbürger Sachsen, sondern auch deren länderübergreifendes Engagement. Die Siebenbürger Sachsen seien ihrer alten Heimat ebenso verbunden wie der neuen, sie seien „echte Brückenbauer“ nach Rumänien und zu einem vereinten Europa geworden.
Der Bundesvorsitzende Rainer Lehni betonte in seiner Festrede, dass es den Siebenbürger Sachsen gelungen sei, trotz Flucht, Aussiedlung und Heimatverlust als Gemeinschaft bestehen zu bleiben und die ihr eigenen Werte an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.
Die Verbandsarbeit der zurückliegenden 75 Jahre lasse sich mit den Schlagworten Tradition, Netzwerk und Gemeinschaft zusammenfassen. Die Siebenbürger Sachsen seien heute ein „integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft und Kultur“, fuhr Lehni fort, der jedoch den Härtefallfonds der Bundesregierung scharf kritisierte.
Fast alle Siebenbürger Sachsen seien von der Ausgleichszahlung als Einmalzahlung ausgeschlossen worden, da die meisten vor dem Stichtag 1. Januar 1993 ins Bundesgebiet zugezogen seien. Das Verbandsanliegen bleibe die Rücknahme dieser Kürzungen „oder zumindest eine substanzielle Abmilderung.“
In diesem Jahr war der Landesverband Nordrhein-Westfalen Mitausrichter des Heimattages. Und weil dieses Bundesland 1957 die Patenschaft für den Bundesverband übernommen hatte, sprach auf der Kundgebung zwar nicht Ministerpräsident Hendrik Wüst, aber in Vertretung der Parlamentarische Staatssekretär Josef Hovenjürgen (CDU).
Er bezeichnete die Siebenbürger Sachsen als „eine der aktivsten und sichtbarsten Gruppen in der großen Familie der Vertriebenen“. Die Integration der Siebenbürger Sachsen in Deutschland sei ein Beispiel, wie Integration gelingen könne. Er forderte, „irreguläre Migration effektiv zu begrenzen“, um den Menschen vor Ort, die Schutz dringend bräuchten, gerecht werden zu können.