Thomas Kastner kämpft mit den Tränen. Seine geliebte Katze „Engelchen“ ist tot. Irgendjemand hat sie mit einem Luftgewehr erschossen. Einfach so. Das Ganze muss unmittelbar in der Umgebung seiner Wohnung in der Hennenbacher Straße passiert sein. Für Kastner hat die idyllisch gelegene Straße deshalb ihren Reiz verloren: „Ich ziehe auf jeden Fall hier weg.“
Der 39-Jährige wunderte sich, dass „Engelchen“ eines Abends nicht heimkam. „Sie hat nachts immer drinnen geschlafen“, erzählt der alleinstehende Lagerlogistiker. Spätestens wenn er sie an der Haustür gerufen habe, sei seine Katze immer reingekommen. Doch an diesem Abend fehlte jede Spur von ihr.
Gegen 22 Uhr setzte er sich auf seinen Roller und suchte die Gegend ab – ohne Ergebnis. Als er kurz vor Mitternacht noch einmal vor die Tür schaute, hörte er ein leises Miauen aus den Büschen am Haus. Mit Handschuhen und Taschenlampe arbeitete sich Kastner durchs Geäst – da lag „Engelchen“, mit einer stark blutenden Wunde an der Seite.
„Ich habe zuerst gedacht, ein Marder hätte sie vielleicht gebissen“, erzählt Kastner, der das verletzte Tier in die Wohnung brachte.
Die Nacht verbrachte der Katzenfreund bei seinem Haustier: „Ich habe noch geschaut, ob es irgendwo einen Notdienst gibt, vergeblich. Ich habe ihr dann ein Schmerzmittel gegeben – und keine Minute geschlafen.“ Gleich um 9 Uhr in der Früh brachte er „Engelchen“ zum Tierarzt. Eine Röntgenaufnahme brachte Gewissheit: Gestochen scharf war das Projektil im Bauch der Katze zu sehen.
Die Not-Operation sei gut verlaufen, ließen die Tierärzte verlauten. Doch als „Engelchen“ aus der Narkose erwachte, „hörte sie einfach auf zu atmen“, erzählt Kastner. „Das Projektil hat wohl doch zu viel in ihrem Körper kaputtgemacht.“
Er ist immer noch fassungslos über das Handeln des unbekannten Schützen: „Wie kann man so krank im Kopf sein, auf ein wehrloses Wesen zu schießen?“ Die Polizei habe von einem gezielten Schuss gesprochen. Und dass der Schütze in unmittelbarer Nähe von Kastners Wohnung zugeschlagen haben müsse, weil sich das schwer verletzte Tier nicht weit habe schleppen können.
Einige seiner Nachbarn haben ebenfalls Katzen – die hat Kastner sofort informiert. Man sei in der Nachbarschaft in großer Sorge wegen des unbekannten Tierquälers, sagt Kastner. Und er denkt weiter: „Wahrscheinlich hat das das kranke Schwein so richtig aufgeputscht. Und wie weit kann der noch gehen? Hier spielen auch überall Kinder im Garten.“
Wie ein Kind sei „Engelchen“ für ihn gewesen, erzählt der 39-Jährige. Bevor er sie sterilisieren lassen wollte, habe „Engelchen“ einmal Mutter werden dürfen. Das Ergebnis tollt durch die kleine Wohnung: Fünf Junge hat „Engelchen“, selbst erst 16 Monate alt, vor knapp drei Monaten zur Welt gebracht. Thomas Kastner hat während der gesamten Geburt neben seiner Katze gesessen.
Weil er „Engelchen“ verloren hat, wird er zwei der Katzenjungen – einen roten Kater und eine grau-weiß getigerte Kätzin – behalten. Für die drei anderen hat er bereits Abnehmer – alles Tierfreunde, bei denen es „Engelchens“ Nachwuchs gut haben wird, davon hat sich Thomas Kastner überzeugt.
In seiner Firma habe man Verständnis gehabt, dass er jetzt ein paar Tage Urlaub brauche, erzählt der Lagerlogistiker – um sich um die jungen Katzen zu kümmern, „die Gott sei Dank schon selbst fressen“, um sein „Engelchen“ mit der Erlaubnis des Vermieters und der Nachbarn im Garten zu begraben und natürlich, um mit der ganzen Situation erst einmal fertig zu werden.
Doch ein Entschluss steht bereits fest: „Auf jeden Fall ziehe ich von hier weg.“ Sein Vermieter bedauere das sehr, sagt Kastner, doch er will sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe machen. Sein Ziel: eine Erdgeschoss-Wohnung mit einem Garten, damit die zwei kleinen Samtpfoten, die ihm geblieben sind, leicht ins Freie können.