Für reichlich Diskussionsstoff sorgen bei der Frühjahrskonferenz der Innenminister von Bund und Ländern in Hamburg die Vorschläge zur Eindämmung von Gewalt im Umfeld von Fußball-Spielen. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen der Innenministerkonferenz (IMK) erfuhr, reichten mehrere Länder Änderungswünsche zu einem relativ allgemein gehaltenen Beschlussvorschlag ein.
Sachsens Innenminister Armin Schuster sieht den Moment gekommen, um die seit Jahren umstrittene Forderung nach dem Verkauf von Tickets mit Namen voranzubringen. Dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) den gemeinsam mit der IMK erarbeiteten Plan für eine zentrale Aufsichts- und Überprüfungsstelle für Stadionverbote umgesetzt habe, sei ein Fortschritt, sagte der CDU-Politiker der dpa. Nun müsse man ein verbindliches Mustersicherheitskonzept für die Stadien entwickeln, beim Dauerthema Pyrotechnik weiterkommen und in Pilotprojekten mit einigen Vereinen personalisierte Tickets ausgeben.
Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) plädiert ebenfalls für ein konsequentes Verbot von Pyrotechnik. Von einer Pflicht, nur noch personalisierte Tickets auszugeben, hält er aber nichts. „Ich lehne personalisierte Tickets als Regelfall ab“, sagte er der dpa. Wenn überhaupt, sollten solche Eintrittskarten allenfalls ausnahmsweise zur Anwendung kommen, etwa bei besonders risikobehafteten Spielen.
Nach schweren Ausschreitungen im Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC Berlin im April hatte das DFB-Sportgericht kürzlich harte Strafen verhängt. Dazu zählen die Durchsetzung eines Sicherheitskonzepts für die nächsten beiden Meisterschaftsspiele dieser beiden Mannschaften gegeneinander. Das Kartenkontingent des Gastvereins Dresden wurde beschränkt, wobei die Eintrittskarten des Gäste-Kontingents personalisiert werden müssen.
Die jüngsten Urteile des DFB-Sportgerichts hätten „starke Signale für personalisierte Tickets“ ausgesendet, sagt Schuster. Es habe sich dabei gezeigt: „Der DFB versteht auch, dass Stadionverbote nur Sinn machen, wenn man die auch kontrollieren kann.“ Das bedeute, man gleiche die gegen einige Fans verhängten Stadionverbote mit den Namen auf den Tickets ab.
Bei Spielen der Conference League, der Europa League und der Champions League gebe es das ja schon, argumentiert Sachsens Innenminister. Deswegen habe man etwa beim Conference-League-Finale in Leipzig, als es am Vorabend Randale zwischen englischen und spanischen Fans gab, sofort mit der UEFA dafür sorgen können, dass diese Leute nicht ins Stadion kamen.
Auf die Frage, für welche Spiele aus seiner Sicht personalisierte Tickets ausgegeben werden sollte, antwortete Schuster: „Ich halte es in jedem Fall von der ersten bis zur dritten Liga für sinnvoll, aber ich gebe zu, das ist ein hochumstrittenes Thema bei den Fans, da haben es DFB und DFL nicht leicht.“
Deshalb halte er zunächst Pilotprojekte mit kooperativen Vereinen für sinnvoll. „Wir hätten in Sachsen solche Vereine“, fügte er hinzu. Gleichzeitig betonte er: „Wir müssen es hinkriegen, die deutsche Fankultur in den Stadien zu bewahren.“ Sein Ziel sei es nicht, Stehplätze abzuschaffen, es gehe nur um Zugangskontrolle, nicht darum, welcher Fan auf Platz drei oder vier stehe.
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