Damit konnte Frank Gehringer nicht rechnen: Eines seiner Schafe brachte in der Nacht auf den 30. Dezember vier Lämmer zur Welt, drei weibliche und ein männliches. Sie entwickeln sich gut. Zwei bekommen von ihm noch regelmäßig die Milchflasche. Die anderen beiden „zapfen“ bei ihrer Mutter.
Normalerweise gebären Mutterschafe pro Wurf ein bis zwei Lämmer. Drei seien schon auch mal möglich, sagt Gehringer. Bei Vierlingen indes handele es sich um eine absolute Seltenheit. Mit der Schafzucht hat der 44-jährige Nebenerwerbslandwirt aus Neustett (Gemeinde Adelshofen) 2015 angefangen. Die Tiere gehören der Rasse der Merinoschafe an. Begonnen hatte es mit vier Mutterschafen und einem Bock. Inzwischen hat er 19 Alttiere und an die 20 Lämmer im Bestand.
Der Grund, warum er überhaupt Schafe hält, ist der vorhandene Stall. Früher hatte sein Vater dort Kühe und Schweine. Anfangs vermietete er den Unterschlupf als Stellplatz für Pferdebesitzer, entschied sich dann aber, den Stall selber zu nutzen. Um die Pflege und Versorgung der Tiere kümmert er sich in der Regel vor seiner Arbeit bei einem Maschinenbauunternehmen und nach Feierabend.
Als die Vierlinge kamen, war er dabei, wie bei fast allen Geburten in seinem Stall. Ein Tierarzt wurde nicht gebraucht, denn die Mutter habe die Geburt selbstständig geschafft und auch gut verkraftet, sagt er. Dass sie den Lämmern gleich Milch gegeben hat, war laut Gehringer ein Zeichen für eine gelungene Geburt und für die gute Verfassung der Kleinen.
Zwei der nun einen Monat alten Lämmer füttert er täglich mit der Flasche. Die benötigte Milch rührt er mit Milchpulver an und erwärmt sie. Um die 38 Grad Celsius muss die Flüssigkeit haben, damit er sie den Tieren geben kann. Lange bekommen die Lämmer aber keine Milch mehr. In ungefähr einem Monat möchte er ihnen schon Wasser geben. Nachts schlafen die Lämmer unter Rotlicht, um genügend Wärme zu haben.
Ein ausgewachsenes Merinoschaf kann bis zu fünf Kilogramm Wolle tragen. Sobald die Tiere geschoren sind, sehen sie fast wieder so aus wie ihre Lämmer. Zwar können die Alttiere deshalb Temperaturen von bis zu 20 Grad minus aushalten und sind eher am Schwitzen im Stall. Jedoch brauchen die Jungtiere viel Wärme. Seine Schafe hält er über den Winter deshalb im Stall. Im Sommer darf die Herde wieder auf die gegenüberliegenden Streuobstwiesen.
Zwar sind die Schafe für ihn Nutztiere, aber für Gehringer ist deren Haltung eine Herzensangelegenheit. So blöken die Schafe schon, wenn sie hören, dass er zu ihnen kommt oder aus dem Auto aussteigt. Er bedauert es, dass es immer weniger Menschen gibt, die sich in kleinen Betrieben um Tiere kümmern. Mit seinen gut 40 Schafen ist er zufrieden und braucht keinen größeren Betrieb: „Ich bin schon stolz auf meine Schafe, das ist schon etwas Besonderes“.
Einen Hütehund hat der Nebenerwerbslandwirt nicht. Er nehme Kraftfutter in die Hand und dann folge ihm die Herde, sagt der 44-Jährige. „Natürlich gibt es mal eins, das ausbüxt“, schmunzelt er. Das Wiedereinfangen klappt aber immer, im Zweifelsfall mit Unterstützung aus der Nachbarschaft. Obwohl immer mehr Menschen vegetarisch oder vegan leben, gebe es immer noch eine große Nachfrage nach Fleisch, Milch und auch der Wolle der Schafe, berichtet Gehringer. Die letzten zwei geschlachteten Tiere nutzte er aber für den Eigenbedarf der Familie.