Selbsthilfegruppe für Suizidhinterbliebene | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 29.04.2025 16:00

Selbsthilfegruppe für Suizidhinterbliebene

Um Menschen bei ihrer Trauer zu helfen, hat Eva Melz im Jahr 2012 eine Selbsthilfegruppe für Suizidhinterbliebene gegründet. Seitdem versucht sie auch, das Thema aus der Tabuzone herauszuholen. (Foto: Florian Schwab)
Um Menschen bei ihrer Trauer zu helfen, hat Eva Melz im Jahr 2012 eine Selbsthilfegruppe für Suizidhinterbliebene gegründet. Seitdem versucht sie auch, das Thema aus der Tabuzone herauszuholen. (Foto: Florian Schwab)
Um Menschen bei ihrer Trauer zu helfen, hat Eva Melz im Jahr 2012 eine Selbsthilfegruppe für Suizidhinterbliebene gegründet. Seitdem versucht sie auch, das Thema aus der Tabuzone herauszuholen. (Foto: Florian Schwab)

„Der Suizid ist noch immer tabuisiert“: Das sagt Eva Melz, Leiterin einer Ansbacher Selbsthilfegruppe für Hinterbliebene. Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover will die 69-Jährige mithelfen, das Thema aus der Tabuzone zu holen.

Eva Melz tritt beim Kirchentag, der am Mittwoch, 30. April, beginnt und bis Sonntag läuft, nicht als Einzelkämpferin auf. Sie ist Teil des Bundesverbandes Agus (Angehörige um Suizid), der mit einem Infostand vertreten sein wird. Das Ziel ist klar: Die Verantwortlichen wollen mit Fachpublikum wie Notfallseelsorgern oder Psychologen ins Gespräch kommen und über die Selbsthilfegruppen informieren. „Man hofft natürlich, dass es von da dann gestreut wird“, sagt Eva Melz.

Menschen mit gleichem Schicksal treffen

Wenn man einen Bekannten oder einen geliebten Menschen durch Suizid verloren hat, ist eine professionelle Therapie wichtig, wie die 69-Jährige im FLZ-Gespräch betont. „Aber Menschen zu treffen, die das gleiche Schicksal erfahren haben, ist nochmal etwas anderes.“ Teilnehmer und Gruppenleiter „müssen betroffen, sozusagen Experten in eigener Sache sein. Das ist ganz wichtig“.

Eva Melz weiß nur zu gut, wovon sie spricht. Die 69-Jährige ist selbst betroffen. Ihr Mann hatte im Januar 2008 den Freitod gewählt. Es sei ein langer Weg gewesen, dies zu verarbeiten, gibt sie zu. Das Erlebte wird Betroffene auch das ganze Leben begleiten. Aber „der Schmerz, die Verzweiflung und Schuldgefühle sind nach der langen Zeit weg“.

Gesprächen mit anderen helfen

Eine professionelle Psychotherapie und vor allem die Gespräche mit anderen Betroffenen haben ihr geholfen. Weil es damals in der Nähe nur eine Agus-Gruppe in Nürnberg gab, hat sich Eva Melz schließlich 2012 entschlossen, ein Pendant in Ansbach zu gründen. Ihre Motivation: Einerseits will sie anderen Menschen dabei helfen, mit ihrer Trauer klarzukommen. Andererseits ist es auch „ein Teil der eigenen Aufarbeitung“. Doch an der Tabuisierung hat sich seitdem nicht viel geändert. „Das ist schon frustrierend, ändert an meiner Arbeit nichts.“

Das könnte Sie auch interessieren
Abendmusik in Bechhofens Johanniskirche: Eindrucksvolles DuoAusstellung in Bad Windsheim zeigt, wie es in mittelalterlichen Spitälern zugingElfjährige ist Dauerpraktikantin bei einem Bestatter in FlachslandenHeilsbronn: „Babyboomer-Marktsonntag“ erhält bayerischen InnovationspreisDialog in Dinkelsbühl: Käßmann und Bittlinger verbinden Glauben und GesellschaftBibliothek kehrt zurück: Neustadts kostbarster Schatz ist endlich wieder zu HauseAnsbacher Gottesdienst für Rente und Ruhestand: Die Idee hatte ein junger TheologeKampf gegen den Klimawandel: In Bad Windsheim findet eine besondere Reihe stattDie prachtvollen Farbfenster der St.-Jakobskirche in Rothenburg sind dokumentiertDie neue Pfarrerin für Jobstgreuth und Linden freut sich auf die Konfiarbeit„Man hat nur eine Chance”: Ein Buchheimer hat sein Hobby zum Beruf gemachtEin Ort zum Innehalten: Was hinter der Burgbernheimer Himmelsbahn stecktNeues Dekanat „An Sulzach und Wörnitz”: Gründungsfeier an symbolträchtigem OrtChristlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ansbach: Veranstalter ziehen FazitWochen gegen Rassismus in Ansbach: Mit Aktionen für Demokratie und gegen den Hass

Von anfänglich vier bis sechs Personen ist die Gruppe über die Jahre gewachsen. Mittlerweile sind durchschnittlich zehn Menschen bei den Treffen dabei. Doch an Zahlen will Eva Melz den Erfolg der Gruppe nicht messen. „Das Schönste ist, wenn Menschen eine solche Gruppe nicht mehr brauchen.“

Vor allem Frauen in den Gruppen

Bei den Teilnehmenden handelt es sich in der Regel um Frauen. Noch immer sind es nach ihren Worten vor allem Männer, die den Freitod wählen. Was sich geändert hat: die Menschen, die Suizid begehen, werden immer jünger.

Eva Melz ist sich sicher, dass es in Ansbach und Umgebung noch viele Menschen gibt, für die diese Gruppe ein Besuch wert wäre. Aber da kommt das Thema Scham ins Spiel – und die Angst, Menschen zu treffen, die man kennt. Von Gesprächen mit anderen Gruppenleitern weiß sie, dass viele aus Ansbach zum Beispiel in die Gruppe nach Nürnberg fahren. Dabei „gibt es keinen Grund für Scham“, macht Eva Melz deutlich. Ganz im Gegenteil: Sich Hilfe in so einer Situation zu holen, sei wichtig. „Die wenigsten schaffen es alleine.“

Die Ansbacher Agus-Gruppe (Angehörige um Suizid) trifft sich an jedem dritten Freitag des Monats um 19 Uhr in den Räumen von Kiss Ansbach, Bahnhofsplatz 8. Nähere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 0151/23960602.


Florian Schwab
Florian Schwab
Redakteur
north