In der Werkstatt von Anneliese Lederer ist es schön bunt. Weihnachtskugeln in vielen Farben und Verzierungen sind dort in zu sehen, ebenso Schlitten, Bäume, Elche und Sterne. Die Diespeckerin stellt Dekorationen her und hat sich inzwischen zu einer gefragten Kunsthandwerkerin über den Landkreis hinaus entwickelt.
Lange Zeit hat Anneliese Lederer für die weltbekannte Stickerei in Diespeck gearbeitet. Zuletzt leitete sie dort die Musterabteilung, flog oft nach Paris, sah sich das Werk der Firma bei Modenschauen von Dior, Yves St. Laurent und Chanel an. Sie lernte Karl Lagerfeld kennen und viele „Mädchen“, von denen sie regelrecht schwärmt, wie perfekt sie die Haute Couture über den Laufsteg gebracht haben und sich in ein Kleidungsstück gewandet hatten, welches gut sichtbar die Stickereien aus Diespeck enthielt. Die einzigartige Stimmung bei den Modeschauen, „die sich nicht mit Worten beschreiben lässt“, sind ihr heute noch gut in Erinnerung.
So fantastisch diese Zeit ihres Lebens auch war, so anstrengend war sie auch – für alle Beteiligten, die stets ihr allerbestes gaben. Die Betonung liegt auf „stets“. Denn genau das wollte sie nicht mehr, als sie etwa 60 Jahre alt war. Einfach zu viel Stress.
Das heißt aber nicht, dass ihr die Ideen ausgehen. Und: „Irgendwas hat gefehlt“. Die Kreativität – gepaart mit ihrer Betriebsamkeit schlummerten so vor sich hin.
Und so wollte es der Zufall, dass sie ihr Schwager, der Krippenbauer Ludwig Meyer aus Beerbach, fragte, ob sie sich auch bei einer seiner Ausstellungen ein bisschen einbringen wollte. Das war vor ein paar Jahren am Scheinfelder Holztag.. So bastelte sie ihren ersten Weihnachtsbaum, den in den ausgesägten Stellen harmonische kombinierte kleine Weihnachtskugeln zieren.
Obwohl es erst Oktober war, hatte sie fast alles verkauft. Einmal stellte sie noch gemeinsam mit ihrem Schwager aus, dann riet er ihr, alleine weiterzumachen. Es dauerte nicht lange, da meldete sie ein Kleingewerbe als „Holzliesl“ an. Das war vor etwa fünf Jahren. Heute hat sie sogar Stammkundschaft. „Es spricht sich herum“, meint sie und über die sozialen Medien werde man schließlich auch bekannt.
Ihr Ehemann Helmut ist mit im Boot. Er schneidet die von ihr gezeichneten Holzteile zu, die sie dann besprüht, leimt, anmalt, gestaltet. Fantasievolle Ringe, Stelen, Weihnachtsbäume – aus Holz ausgesägt. Auffällig ist ihr Mut zur Farbe und ihre Sicherheit in der harmonischen Kombination der Farben und Materialien sowie deren Gewichtung. Beide haben auch ein Markenzeichen kreiert: Jedes größere Dekostück muss beleuchtet werden können. Auch interessante Holzstücke verwendet sie und schafft aus den natürlichen Stücken ein Werk.
Die Kunden schicken ihr Fotos und zeigen ihr, wo das neue Stück jetzt im Hause steht und wie gut es sich einfügt. Und wenn jemand etwas in Auftrag gibt, versucht sie sich vorzustellen, was an Ort und Stelle gut passen würde. Ihr Erfolgsrezept: Nur wenn sie in der Stimmung ist, denkt sie sich etwas Schönes aus und stellt es auch her. „Es soll Hobby bleiben“. Mit Zwang funktioniert bei ihr nichts mehr in Sachen Kreativität. Zum Glück ist Anneliese Lederer sehr oft in Stimmung.
Am Frühjahrsmarkt in Münchsteinach, am ersten und zweiten Adventssonntag im Fränkischen Freilandmuseum, bei der Landlust in Oberscheinfeld, beim Scheinfelder Holztag – und über den Landkreis hinaus, in Cadolzburg, Rödelsee und in Werneck, Fichtelgebirge, sind die Lederers mittlerweile vertreten.
Am dritten Adventssamstag hatten die Lederers ihren Stand auf dem Weihnachtsmarkt Diespeck und tags darauf in Ipsheim auf der Burg. In jedem Jahr erkundet die heute 67-Jährige, welche Farben angesagt sind. Heuer sei das gold-schwarz, auch bei den Jüngeren. Auch ihre Wichtel werden gut nachgefragt – so manch einer will diese sogar in Lebensgröße. Etwa hundert Stücke, sagt sie, produziert sie pro Jahr. Im Januar ist dann „Urlaub“.