Ein Leben für die Feuerwehr: Auf Christian Ballwieser treffen diese Worte zu, wie auf sonst kaum einen Menschen. Seit sage und schreibe 70 Jahren ist der Neustädter fester Bestandteil der Wehr in seiner Heimatstadt, über 40 Jahre war er im aktiven Dienst. Am Freitag, 21. März, wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.
Sandra Baum, Vorsitzende des Feuerwehrvereins, fand bewegende und genau die richtigen Worte, als es bei der Jahresversammlung der FFW Neustadt um Ballwiesers Lebenswerk ging. Dieser, eingetreten am 1. März des Jahres 1956, habe als Maschinist einen für seinen Charakter ungemein passenden Dienst versehen: „Oft im Hintergrund, aber von größter Bedeutung.”
Nach dem altersbedingten Ausscheiden aus dem aktiven Dienst, den er über vier Jahrzehnte hinweg verrichtet hatte, sei Ballwieser als Gründungsmitglied der Alters- und Ehrenabteilung der Neustädter Wehr in Erscheinung getreten und habe „dafür gesorgt, dass die Kameradschaft weiterbesteht”. Ballwiesers Wirken im Dienst und hinter den Kulissen sei „gelebte Tradition”, seine Ernennung zum Ehrenmitglied – eine in Neustadt ungemein selten vergebene Würdigung – sei als „Zeichen für unseren Respekt und Dankbarkeit” zu sehen. „Wir sprechen hier auch über ein Stück Feuerwehrgeschichte”, so Baum.
Nach der Überreichung der Urkunde erhoben sich die knapp 100 Anwesenden im Saal der Kohlenmühle für stehende Ovationen, auf die Ballwieser selbst mit einem schlichten „Danke” reagierte.
Weil Andreas Mayer durch die Beförderung des bisherigen Kommandanten Florian Brandt zum Kreisbrandinspektor bereits im Januar außerplanmäßig zu Brandts Nachfolger bei der FFW Neustadt gewählt worden war, gab es bei der diesjährigen Hauptversammlung keine weiteren Wahlen, sodass man sich ausführlich anderen Aspekten widmen konnte. Das waren zum einen weitere Ehrungen und etliche Beförderungen sowie die üblichen Berichte zu den Einsätzen und dem Kassenstand und etliche Grußworte.
Bei den letztgenannten stand unter anderem der Abschied von Florian Brandt im Fokus. So bedankte sich dessen Nachfolger Andreas Mayer für dessen engagierten Einsatz in den vergangenen vier Jahren, ebenso wie Bürgermeister Klaus Meier. Der scheidende Rathauschef versicherte zunächst, dass er auch ohne politisches Amt in der Stadt Mitglied der Feuerwehr bleiben werde, und kam nach einem Dank an das aktuelle Kommandantenduo ebenfalls auf Florian Brandt zu sprechen. Dieser habe – auch bedingt durch den Bau des neuen Feuerwehrhauses – „eine extrem zeitaufwendige Aufgabe in nicht ganz leichten vier Jahren” gehabt.
Dafür jedoch werde die Wehr „eines der modernsten und am besten ausgestatteten Feuerwehrhäuser der Region” beziehen, wofür die Stadt mit mindestens 16 Millionen Euro die größte Investition in ihrer Geschichte getätigt habe. „Leider ist das Haus momentan noch nicht ganz so weit, wie ich mir das gewünscht hätte”, so Meier: „Ich hätte es schon noch gerne selbst eingeweiht.” Doch das sei wohl nicht zu schaffen – der Juli als Einweihungs- und Umzugstermin sei nun vorgesehen.
Insgesamt war die Stimmung bei der diesjährigen Jahresversammlung sehr entspannt, obwohl die Kommandantenwahl im Januar, die am Ende mit einem Vorsprung von gerade mal zwei Stimmen für Andreas Mayer ausgegangen war, durchaus weiterhin bestehende Differenzen in der Neustädter Wehr hatte vermuten lassen. Doch mögliche interne Probleme waren an diesem Abend kein Thema, stattdessen wurde angedeutet, dass es zwischen Feuerwehr und Stadtverwaltung zuletzt ein wenig „geknirscht” hatte.
So sprach Andreas Mayer davon, es sei „ein Ärgernis”, dass in jüngster Zeit „immer mehr versucht wird, die Feuerwehr als Nutzer des Gebäudes aus Entscheidungen herauszuhalten”. So habe es etliche Besprechungen zum Neubau gegeben, zu denen die Wehr nicht eingeladen worden war: „Das muss wieder besser werden, wir brauchen mehr Gespräche auf Augenhöhe.” In die gleiche Kerbe schlug Mayers Vorgänger Florian Brandt: Was die Kommunikation mit der Stadt angehe, müsse dringend ein wenig „nachgesteuert” werden – „die Feuerwehr muss wieder besser eingebunden werden”.
Neben Brandt verabschiedete sich auch Alfred Tilz von den Anwesenden – allerdings ebenfalls nicht als Mitglied, sondern lediglich in seiner offiziellen Funktion als Kreisbrandrat. 20 Jahre hatte er diesen Posten ausgefüllt, zu seinem Nachfolger wurde am Samstag Florian Brandt gewählt. Tilz erinnerte an die Bedeutung der Neustädter Wehr, die auch 2025 wieder mit Abstand die meisten Einsätze im Landkreis gefahren hatte, und wünschte der neuen Führung alles Gute und „immer eine glückliche Hand”.