Gerlinde Mossgöller stellt in Sontheim Zeitungen zu. So weit, so gewöhnlich. Doch die 76-Jährige macht das seit inzwischen 60 Jahren. Für ihre treuen Dienste wurde sie nun von „ihren Sontheimern” ausgezeichnet – und auch die Staatskanzlei in München ehrte sie. Ans Aufhören denkt die Seniorin aber noch lange nicht.
Gerlinde Mossgöller ist von Haus aus ein fröhlicher Mensch, eine Frohnatur, die gerne draußen an der frischen Luft ist. Deswegen trägt sie seit 60 Jahren in Sontheim, einem Ortsteil von Illesheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim), die Zeitung aus. Sechs Tage die Woche, sommers wie winters. Die Sontheimer haben ihre Zeitung früh um 5 Uhr pünktlich im Briefkasten. Mit 16 Jahren hatte sie diese Tätigkeit von ihrer Mutter übernommen.
Angefangen hat sie aber eigentlich, ein wenig inoffiziell, schon mit 14 Jahren: „Es war schön für mich, damals a paar Märkla zu verdienen und mir davon eine Schallplatte oder Schühle zu kaufen”, sagt die Seniorin und lacht. Das Aufstehen fiel ihr schon immer leicht. Das hat sie wahrscheinlich von ihrem Vater geerbt, mutmaßt Mossgöller, einem Schäfer. Um 5 Uhr war er täglich schon am Pferch, die rund 300 Schafe warteten da schon. Und er schwärmte immer wieder, wie schön es doch frühmorgens in der Natur ist.
Auch Tochter Gerlinde hätte am liebsten Schäferin werden wollen. Doch es kam anders. Sie hatte sieben Geschwister und übernahm das elterliche Anwesen. „Der Bauernhof war immer schon mein Leben.” Vier Kühe und ein paar Schweine hielten sie neben den Schafen. Die Seniorin ist stolz auf ihre Eltern, die sich alles hart erarbeiten mussten und Haus und Stall selbst bauten. Sogar dem Zuchtverband in Ansbach gehörten die Mossgöllers an.
Ihr Vater arbeitete vor der Heirat noch als Bauernknecht. Ihr Ehemann war bei der Bundeswehr und konnte dort den Lkw-Führerschein machen. Danach verdiente er sein Geld als Fahrer, meist im Fernverkehr, erinnert sie sich. Er wurde jedoch nicht einmal 60 Jahre alt und starb sehr plötzlich an einer Krankheit.
Gerlinde Mossgöller besuchte die landwirtschaftliche Berufsschule und trug immer nebenbei die Zeitung aus. Sie hat drei Töchter und es war immer ein „schönes Taschengeld”. Sie war von der Windsheimer Zeitung angestellt, bis diese vor gut drei Jahren von der Fränkischen Landeszeitung übernommen wurde, die über den kompletten Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim berichtet. Die 76-Jährige ist mit dem Fahrrad unterwegs und hat sich eigens einen niedrigen Drahtesel geleistet, um nicht bei jedem Anwesen absteigen zu müssen, erzählt sie stolz.
Mossgöller erlebte noch Zeiten, als das Geld monatlich von den Lesern zu Hause kassiert wurde. „Das war eine schöne Zeit, in der immer ein netter Plausch stattfand”, schwärmt die Seniorin.
Im vergangenen Jahr wurde Gerlinde Mossgöller in der Staatskanzlei in München aufgrund ihres 60-jährigen Zustelldienstes ausgezeichnet. Auch die Sontheimer dankten der guten Seele für ihre Zuverlässigkeit. Im Rahmen des Dorffestes bekam sie einen Geschenkkorb mit netten Worten überreicht. Und noch eine Tätigkeit ist Gerlinde Mossgöller wichtig: Sie betreut hin und wieder demenzkranke Menschen über die Diakonie Neustadt. Eine Frau mit Herz eben.