Die Oechsler AG baut in Ansbach 115 Vollzeitstellen ab. Im Rahmen der Umstrukturierung des weltweiten Produktionsnetzwerks des Unternehmens fallen außerdem weitere 70 Vollzeitstellen am Standort Weißenburg weg.
Mit dem seit Februar bereits umgesetzten Stellenabbau wird Oechsler dann rund 260 Vollzeitstellen abgebaut haben. 2022 hatte das Unternehmen noch etwa 2950 Mitarbeitende, davon rund 1300 im Inland.
Wie Vorstandssprecher Karl Ostler und Chief Operating Officer Alexander Wortberg am Freitag in einem Pressegespräch mit der FLZ mitteilten, ist die aktuelle Lage für Oechsler – wie für viele andere Firmen – „sehr herausfordernd“. Seit Oktober gibt es dort bereits Kurzarbeit. Betriebsbedingte Kündigungen will man zwar vermeiden, kann sie aber zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht vollständig ausschließen. Ostler und Wortberg betonten aber auch, dass sich sowohl im Automobil- wie auch im Gesundheitsbereich vielversprechende Entwicklungen abzeichnen.
Das Unternehmen wird sofort mit den Verhandlungen mit der zuständigen Arbeitnehmervertretung darüber beginnen, wie diese Maßnahmen umgesetzt werden können. Die Belegschaft des Unternehmens wurde ebenfalls am Freitag im Rahmen einer Mitarbeitendenversammlung über die geplanten Schritte informiert.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, deren Stellen abgebaut werden, sollen in den ersten Wochen des neuen Jahres faire Lösungen angeboten werden, die es ihnen ermöglichen sollen, aus dem Unternehmen auszuscheiden.
Das Unternehmen betont, dass alle Auszubildenden ihre Ausbildung in der Oechsler AG in Ansbach abschließen können. Den Auszubildenden am Standort Weißenburg wird das Unternehmen mit individuellen Lösungen anbieten, um ihre Ausbildung fortsetzen zu können.
Die Maßnahmen sind Teil der zweiten Phase des Anfang des Jahres aufgelegten Transformationsprogramms Be:Focused. Nachdem die neu geschaffenen drei Business Units Health, Mobility und Innovative Solutions erfolgreich ihre Arbeit aufgenommen haben, steht in dieser Phase die Neuausrichtung des vierten großen Unternehmensbereiches im Fokus: das weltweite Produktionsnetzwerk.
Das Ziel der Neuausrichtung ist es laut einer Pressemitteilung, die Produktion an die Marktanforderungen und Kundenbedürfnisse anzupassen. Kernpunkt ist dabei unter anderem, dass der Kunststoffspezialist die Stärken und Kapazitäten der jeweiligen Produktionsstätten besser und effizienter nutzen wird. Damit geht auch einher, dass die Personalstärke an die Auslastung hinsichtlich der aktuellen Marktlage angepasst wird.
Mit der zukünftigen Oechsler Polymer GmbH konzentriert sich Oechsler auf die Produktion von Kunststoffbauteilen, die in mittleren und kleineren Stückzahlen produziert werden. Dazu soll die Fertigung gebündelt werden, was auch erlaubt, sich auf kleine Losgrößen und den Ersatzteilmarkt zu konzentrieren.
Die Oechsler Ceramics GmbH ermöglicht eine Spezialisierung auf Pulverspritzguss. Oechsler bündelt das Know-how in diesem Bereich in einer eigenständigen Einheit, um Prozesse weiterzuentwickeln und effizienter zu gestalten. Die Unabhängigkeit der GmbH ermöglicht es der Neugründung aus Sicht des Vorstands, neue Produktgruppen wie Motorinnenraum von Fahrzeugen oder neue Technologien wie Metallspritzguss-Lösungen flexibel und gezielt zu entwickeln.
Rund die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die am Standort Weißenburg derzeit arbeiten, sollen in eine der beiden neuen Firmen transferiert werden. Im Zuge dieser Neuausrichtung und der damit verbundenen neuen Struktur sowie geänderter Arbeitsprozesse plant Oechsler den Abbau von rund 70 Vollzeitstellen am Standort Weißenburg.
Anpassungen sollen auch in der Fertigung in Ansbach sowie in weiteren Unternehmensbereichen umgesetzt werden. Hiervon sind 115 Vollzeitstellen betroffen, die das Unternehmen im Zuge dieser Veränderungen abbauen will.
„Seit mehr als 160 Jahren war es stets eine Grundlage unseres Geschäftserfolges, dass wir uns konsequent an die aktuellen Marktanforderungen und Kundenbedürfnisse angepasst haben. Be:Focused ist unsere Antwort auf die herausfordernde Marktsituation, die vor allem durch die Herausforderungen in den Industrien geprägt ist, in denen unsere Kunden tätig sind. Wir bedauern außerordentlich, dass die Anpassungen zu dem Stellenabbau in dieser Größenordnung führen müssen“, sagte Ostler.
„Mit einer schlankeren und auf Kundenanforderungen fokussierten Produktionsorganisation, werden wir unseren Beitrag zum zukünftigen Erfolg von Oechsler leisten. Der Verlust von so zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an unseren Traditionsstandorten Weißenburg und Ansbach ist schmerzhaft. Wir sind uns unserer Verantwortung für Belegschaft und Region bewusst“, ergänzte Alexander Wortberg. „Mit unserem Transformationsprogramm und den damit verbundenen Anpassungen handeln wir, um auch zukünftig Innovationstreiber für unsere Kunden und verlässlicher Arbeitgeber sein zu können“, so Wortberg weiter.
Die im Rahmen des Transformationsprozesses etablierte Geschäftseinheit Oechsler health bleibt von den Anpassungen unberührt.