Wie gut sind die Menschen in und um Ansbach bei einer Katastrophe oder gar in einem Krieg geschützt? Lange machte sich kaum jemand Gedanken über dieses Thema, aber die veränderte Weltlage sorgt jetzt für ein Umdenken.
Ein Experte zu diesem Thema ist Prof. Dr. Michael Garkisch von der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg. Bei einer Veranstaltung auf dem Campus Feuchtwangen der Hochschule Ansbach informierte Garkisch über den Stand des zivilen Bevölkerungsschutzes. Ihm gehe es nicht darum, Angst zu machen, betonte er, sondern zu sensibilisieren.
Zum Auftakt besichtigten die rund 30 Teilnehmenden die Schutzräume der ehemaligen Kaserne in der benachbarten Bayerischen Bauakademie. Gabriela Gottwald, die Geschäftsführerin der Akademie, übernahm die Führung durch die Katakomben der Bildungseinrichtung. „Spannend, aber auch beklemmend” sei der Rundgang gewesen, meinte der stellvertretende Bezirkstagspräsident Herbert Lindörfer, der zu der Veranstaltung eingeladen hatte.
Garkisch, der auch seit vielen Jahren beim Bayerischen Roten Kreuz im Landkreis Ansbach aktiv ist, stellte zunächst den Begriff der Resilienz in den Mittelpunkt seines Vortrags. Der Begriff aus der Psychologie steht einerseits für Widerstandsfähigkeit, zum anderen für die Fähigkeit zur Regeneration. Er kann auch auf die kritische Infrastruktur angewendet werden.
Für den Schutz der Bevölkerung im Krisenfall sind verschiedene staatliche Ebenen zuständig. Der Bund kümmert sich unter anderem um Warnungen, Schutzbauwerke und Gesundheitsmaßnahmen. Die Abwehr und Bewältigung von Naturkatastrophen und technischen Unglücken ist hingegen schwerpunktmäßig Aufgabe der Länder und Kommunen, die dabei dabei hauptsächlich auf ehrenamtliche Mitarbeitende setzen.
Auch wenn die Ausrüstung „relativ gut” sei, so der Referent, seien in diesem Bereich mehr Geld und Nachwuchs nötig. Ihm ist es wichtig, dass auch die geschützt werden, „die sich nicht selbst schützen können”. Dazu gehören Alte und Arme, aber auch Menschen mit Behinderung.
Deshalb sei es wichtig, soziale Netzwerke in den Katastrophenschutz einzubinden: „Jeder vor Ort kann seinen Beitrag leisten, um die Folgen zu begrenzen”. Handwerker mit ihren praktischen Kenntnissen seien ebenso gefragt wie Vereine, die mit ihren Mitgliedern und Strukturen schnell und effizient helfen können. Verwaltungen seien zu hierarchisch geprägt, um in Krisen allein zu bewältigen.
Aber auch Einzelne können sich vorbereiten, indem sie Vorräte mithilfe der Notfall-Checkliste des Bundesamts für Bevölkerungsschutz herunterladen. Aus sozialer Perspektive sei es wichtig, in den Kommunen eine zentrale Anlaufstelle für die Bevölkerung zu schaffen. „Im Moment wartet jeder auf jeden”, kritisierte er. Dabei bräuchten die Städte und Gemeinden eine Orientierungshilfe, um Notfallpläne aufstellen zu können. Dafür sei ein internationaler Austausch nötig, wobei die Konzepte an die Region angepasst werden müssten.
Per Videobotschaft meldete sich Landrat Dr. Jürgen Ludwig zu Wort. Er sieht seine Behörde als „Zahnrad im Getriebe” beim Katastrophenschutz, der Teamarbeit sei. Neben den praktischen Aufgaben sei bei diesem Thema aber auch die Haltung wichtig. Es gehe darum, ein „anderes Krisenbewusstsein” zu entwickeln. Garkisch und Ludwig waren sich darin einig, dass ein starker Bevölkerungsschutz „auch Geld kostet”.
In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass viele Städte und Gemeinden bereits Maßnahmen ergriffen haben. Das reicht von der Anschaffung von Notstromaggregaten bis hin zu Vorräten. Allerdings setzt die fast überall angespannte Haushaltslage solchen Vorsorgeaktivitäten enge Grenzen.